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Lisa-Marie Koroll bei der Verleihung des Hessischen Filmpreises. Dort hielt sie eine Laudatio.

Lisa-Marie Koroll bei der Verleihung des Hessischen Filmpreises. Dort hielt sie eine Laudatio.
© imago stock&people

„Bibi und Tina“-Star im Interview

„Manchmal ist Instagram auch Stress“

Der letzte „Bibi und Tina“-Film ist abgedreht, Darstellerin Lisa-Marie Koroll hat mit „Lass Konfetti für dich regnen“ ein Ratgeberbuch für junge Mädchen geschrieben. Ein Gespräch über Girl Power, das Leben in der Großstadt und warum es wichtig ist, in der Schule durchzuhalten.

Hannover. Sie ist die „Tina“ aus der „Bibi und Tina“-Kinofilmreihe und die Clara Hofer aus der ARD-Serie „Familie Dr. Kleist“, nun hat Lisa-Marie Koroll ein Ratgeberbuch für junge Mädchen geschrieben.

In Ihrem Buch „Lass Konfetti für dich regnen“ geben Sie jungen Mädchen Tipps, wie sie glücklich durchs Leben kommen. Einer lautet, abends drei Dinge zu notieren, für die man dankbar sein kann. Haben Sie das gestern gemacht?

Ich mache das nicht immer. Aber ich denke am Tag ganz oft daran. Gestern habe ich mich zum Beispiel darüber gefreut, dass ich ganz alleine in der Küche getanzt habe, zu guter Musik. Ich habe mich gefreut, dass mein Hund mich bald hier in Berlin besucht und dass ich einen guten Freund bald wiedersehe.

Sie sind auf Instagram sehr aktiv, welche sozialen Netzwerke nutzen Sie noch?

Bei Facebook bin ich noch, aber das habe ich gerade etwas vernachlässigt. Und ich merke auch, dass ich Instagram fast schon ein bisschen überdrüssig werde. Gestern zum Beispiel habe ich das Handy kaum in der Hand gehabt. Und wenn ich die App dann doch geöffnet habe, dachte ich ‚Ach nee, es gibt eh nichts Neues‘ und habe sie direkt wieder geschlossen, ohne irgendwie zu gucken.

Wie lange sind Sie denn schon bei Instagram?

So seit vier, fünf Jahren.

Und nach so einem Zeitraum wird man ein wenig müde, immer wieder neue Bilder zu posten…

Naja Instagram ist für mich ja auch ein Arbeitsmedium. Und darum habe ich den eigenen Anspruch an mich, dass ich regelmäßig poste. Aber manchmal passiert eben nichts im Leben. Jedenfalls nicht irgendwas, was man teilen möchte. Und dann muss man aber trotzdem Content produzieren. Und dass ist der Stress dahinter, der viele jetzt so langsam belastet.

Die meisten kennen Sie aus den „Bibi und Tina“-Filmen. Auch auf Ihrem Buch steht „Bekannt aus ‚Bibi und Tina‘“. Ärgert Sie diese Festlegung nicht?

Der Verlag und ich haben lange darüber gesprochen, inwiefern das sinnvoll ist, diesen Stempel auf ein Projekt zu kleben, dass ich ja alleine gemacht habe. Man muss aber auch sagen, dass ja nicht nur Mädchen das Buch kaufen werden, sondern auch Mütter oder Großeltern, die mich vielleicht aus Social Media gar nicht kennen.

War das Buch denn Ihre eigene Idee?

Ehrlich gesagt ist der Verlag mit dem Projekt auf mich zugekommen. Die haben sozusagen das Gerüst geliefert und ich habe dann ganz viel eigenes drum herum gebaut.

Das Buch bietet Raum, eine Art Tagebuch zu führen. Haben Sie denn auch mal ganz analog Tagebuch geführt?

Ich habe tatsächlich Tagebuch geführt, es aber nie so richtig durchgehalten. Aber wenn ich Probleme habe oder mein Kopf einfach voll ist, dann schreibe ich meine ganzen Gedanken auf. Manchmal schreibe ich auch bestimmte Szenarien auf, um mir etwas aus dem Kopf herauszuschreiben. Und ich führe Traumtagebuch.

Um die Träume nicht zu verlieren – oder versuchen Sie sich auch darüber zu analysieren?

Einmal weil das sehr unterhaltsam ist. Manchmal versuche ich aber auch zu analysieren, was das zu bedeuten hat. Warum träume ich denn das? Das interessiert mich einfach.

In dem Kapitel „Girl Power“ schreiben Sie auch über Feminismus und Sexismus. Gerade wird viel über das Thema in der Öffentlichkeit gesprochen und geschrieben. Auslöser waren bekannt gewordene Übergriffe in Hollywood. Verfolgen Sie die Debatte? Machen Sie sich Gedanken um das Schauspielbusiness in Deutschland?

Persönlich Angst hatte ich bisher nicht - aber es ist jetzt auch nicht so, dass mir das Thema unbekannt gewesen wäre. Sexismus gibt es auch in der deutschen Filmbranche. Ich habe schon von Fällen gehört. Dass kann ja damit losgehen, dass ein Produzent sehr beherzt zugreift oder beim Fototermin mal mit seiner Hand unterhalb der Gürtellinie landet. Das sind Dinge, die in meinen Augen sexuelle Belästigung sind. Ich finde es wirklich erschreckend, dass manche Männer ihre Machtposition gegenüber Frauen, die nach Erfolg streben oder auch einfach nur unsicher sind, so ausnutzen. Mich beschäftigt das Thema. Das ist ja nicht nur ein Phänomen unsere Branche. Es gibt ja auch den ganz alltäglichen Sexismus.

Wo wir gerade über „Girl Power“ sprechen. An wendet sich ihr Buch eigentlich? An 16-Jährige oder an die jüngeren, klassischen „Bibi-und-Tina“-Guckerinnen?

Es kann natürlich auch 16-Jährige interessieren. Mein Gefühl ist aber gerade, dass die Leserinnen sogar deutlich jünger sein könnten. Das liegt daran, dass Themen, die mich so mit 14,15 beschäftigt haben, heute schon manche Zwölfjährig umtreiben. Die Mädchen stellen sich in einem viel jüngeren Alter Fragen, die ich mir erst viel später gestellt habe. Die Tochter der Verlagschefin ist zum Beispiel erst zehn. Die konnte mit dem Buch schon viel anfangen. Das hatte ich nicht erwartet. Die hat sich nach der Lektüre ein schickes Kleid angezogen, in das sie sich vorher nicht getraut hatte, und ist rausgegangen, um sich Geräusche aufzuschreiben.

Sie haben sich jetzt an einem Buch versucht. Perspektivisch werden Sie aber an Ihrer Schauspielkarriere weiterarbeiten, oder?

Ich möchte auf jeden Fall weiter schauspielern. Aber im Moment befindet sich diese ganze Medienwelt ein bisschen im Umbruch. So dass Schauspieler auch andere Möglichkeiten haben. Ich habe zum Beispiel gerade eine Laudatio gehalten beim Hessischen Filmpreis. Das hat mir so unglaublich viel Spaß gemacht, dass ich mir dachte, vielleicht traust Du Dich in ein paar Jahren auch mal, was alleine zu moderieren.

Sie schreiben in Ihrem Buch, dass Sie nicht immer gern zur Schule gegangen sind und betonen, dass Sie stolz sind, dennoch bis zum Abi durchgehalten zu haben. Haben Sie denn auch mal überlegt zu studieren?

Ich merke schon, dass ich jetzt wieder Lust hätte, was Neues zu lernen. Es lässt sich im Moment nur etwas schwierig verbinden. Studieren möchte ich auf jeden Fall.

Und was?

Ich interessiere mich für ganz viele verschiedene Dinge. Früher fand ich Medienmanagement ganz toll. Davon bin ich aber wieder ab, weil ich mich als Schauspielerin schon so viel mit Medien beschäftige. Soziologie oder Europäische Ethnologie würde mich reizen.

Haben Sie eigentlich als Schauspielerin auch Vorbilder?

Ich bin ein großer Fan von Katja Riemann, Heike Makatsch und Iris Berben. Ich finde aber auch, dass wir ganz viele tolle junge Kolleginnen haben. Die sind teilweise noch jünger als ich.

Bietet das deutsche Kino da eigentlich genug Bandbreite? Ich habe ja manchmal das Gefühl, dass es für junge Schauspielerinnen vor allem Komödien im Angebot gibt – wie zum Beispiel „Fack ju Göhte“.

Ich glaube, bestimmte Filme funktionieren zu bestimmten Zeiten. Gerade ist die Stimmung in der Gesellschaft ja eher negativ und grau, da funktionieren Komödien besser als wenn ich jetzt ein Drama produzieren würde.

Arbeiten Sie gerade an einem Film- oder Fernsehprojekt?

Ich drehe derzeit wieder für die ARD-Serie „Familie Dr. Kleist“. Ansonsten freue ich mich aber auch darüber, in den nächsten Wochen mein Buch vorzustellen. Das ist schon eine Herzensangelegenheit.

Sie leben in Berlin. Lieben Sie das Großstadtleben?

Ich lebe sehr gern hier. Die Stadt verändert mich. Ich bin aber auch häufig noch zuhause in Eisenach bei meiner Familie. Weil ich eben doch manchmal den Wald vermisse, die Natur vermisse und weil es sich zuhause auch nicht so schlecht anfühlt, einfach mal nichts zu tun.

Von Christiane Eickmann/RND