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Levina zeigt sich bestürzt über das ESC-Ergebnis.

Levina zeigt sich bestürzt über das ESC-Ergebnis.
© dpa

Niederlage

Levina über Beinah-Niederlage beim ESC sehr enttäuscht

Für Levina sollte ihr Auftritt beim ESC in Kiew perfekt werden. Doch am Ende ist in Deutschland die Enttäuschung groß - auch bei den Zuschauerzahlen. Fast perfekt präsentierte sich die Ukraine als Gastgeber. Nur ein Flitzer sorgte kurz für Aufregung.

Kiew - . Deutschlands Gesangs-Hoffnung Levina (26) zeigte sich nach ihrem vorletzten Platz beim Eurovision Song Contest (ESC) in Kiew betrübt. „Natürlich bin ich total traurig - mit diesem Ergebnis habe ich nicht gerechnet“, sagte die Sängerin am Sonntag einer Mitteilung des Norddeutschen Rundfunks (NDR) zufolge. „Aber der ESC war eine wunderbare Erfahrung, die Vorbereitung und die Zeit hier in Kiew hat super Spaß gemacht.“

 

Andere jubelten: Zum ersten Mal gewann Portugal den ESC. Sänger Salvador Sobral landete mit 758 Punkten ganz vorne. Der 27-Jährige verzichtete auf eine spektakuläre Show und überzeugte mit viel Gefühl. Die in seiner Muttersprache vorgetragene Jazz-Ballade „Amar Pelos Dois“ (Liebe für zwei) wurde von seiner Schwester Luisa Sobral komponiert. Am Ende der großen Live-Show sangen die beiden den Song gemeinsam, während Goldglitter vom Hallendach rieselte.

 

Der ukrainische Staatschef Petro Poroschenko und Ministerpräsident Wladimir Groisman gratulierten Sobral per Facebook - und auch den ukrainischen Organisatoren. „Alle Hindernisse überwindend, wird die Ukraine sich auch weiterhin in der Welt als modernes erfolgreiches Land behaupten“, schrieb der Regierungschef. In Kiew feierten Tausende das Finale trotz Regen im Stadtzentrum unter freiem Himmel. Allerdings blieben Umsätze und Besucherzahlen unter den Erwartungen.

 

Doch das Fernsehpublikum in Deutschland mochte sich nicht so recht für die effektvoll inszenierte Show in der ukrainischen Hauptstadt erwärmen. 7,76 Millionen Zuschauer (Marktanteil 31,5 Prozent) wurden am Samstagabend ab 21 Uhr gemessen. Für eine Fernsehshow immer noch eine gute Quote, aber der schlechteste ESC-Wert seit 2009. Bei den beiden Lena-Auftritten 2010 und 2011 waren es mehr als 13 Millionen.

 

Der ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber vom NDR sagte, das Ergebnis sei „für Levina und unser Team eine herbe Enttäuschung.“ Der Song „Perfect Life“ habe beim Deutschen Vorentscheid zwei Drittel der Fernsehzuschauer überzeugt, in Europa habe das Lied die Herzen der Menschen jedoch nicht erreicht. „Das hatten wir nicht erwartet. Wir stellen uns dem Ergebnis und werden es analysieren.“

 

Nach der Lena-Ära wandelte sich das Bild, die deutschen ESC-Fans mussten viel Kummer ertragen. 2016 hatte Sängerin Jamie-Lee für ihr Lied „Ghost“ nur elf Punkte bekommen und war Letzte geworden - ebenso wie im Jahr zuvor Ann Sophie, die mit „Black Smoke“ keinen einzigen Punkt geholt hatte. Levina erzielte mit ihrem Song „Perfect Life“ nun magere 6 Punkte und konnte sich noch gerade so vor das letztplatzierte Spanien schieben, das 5 Punkte holte.

 

Zweiter wurde Bulgarien mit 615 Punkten. Moldau erreichte mit 374 Punkten Rang drei. Der Australier Isaiah schaffte mit „Don't Come Easy“ den neunten Platz. Dass Australien nun zum dritten Mal beim Eurovision Song Contest mitmachen durfte, gehört zu den Kuriositäten des Wettbewerbs. In dem Land hat der ESC eine große Fangemeinde.

 

Einzig ein ukrainischer Flitzer sorgte in der ESC-Pause kurz vor der Entscheidung für einen kleinen Aufschrei im Publikum. Es soll sich dabei um den bekannten Ex-Journalisten Vitali Sedjuk handeln, wie ukrainische Medien berichteten. Der 28-Jährige war beim Auftritt der Vorjahressiegerin Jamala auf die Bühne gesprungen und zeigte seinen nackten Hintern. Sicherheitsleute zerrten ihn von der Bühne. Dem Flitzer drohen bis zu fünf Jahre Haft. „Vorerst kann diese Schande des Landes seinem 'Hobby' in der Zelle des Untersuchungsgefängnisses nachgehen“, schrieb Innenminister Arsen Awakow.

 

Israel wird wohl weiterhin beim ESC teilnehmen. Ein Moderator der alten Rundfunkanstalt IBA hatte für Aufregung gesorgt, als er bei Mitteilung der Punktevergabe live verkündete, nach 44 Jahren israelischer Teilnahme an dem Wettbewerb sei es das letzte Mal. Ein Sprecher des Außenministeriums in Jerusalem sagte jedoch, es werde erwartet, dass die neue israelische Rundfunkanstalt Kan die Zuständigkeit übernimmt.

 

Überschattet wurde der eigentlich unpolitische Wettbewerb vom Konflikt zwischen dem Gastgeberland Ukraine und Russland. Der russischen Kandidatin Julia Samoilowa wurde wegen eines Auftritts auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim die Einreise in die Ukraine verwehrt. Nach neuer blutiger Gewalt in der Ostukraine sagte Poroschenko am Samstag seinen Besuch beim Finale ab.

Von stein.andreas

Kiew -