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Musik

Lana Del Rey riskiert dicke Lippe in Hamburg

Eine junge Frau mit schulterlangen blonden Haaren tritt schüchtern an ein Mikrofon vor einem gepunkteten Vorhang. Mit unschuldigem Blick öffnet das zerbrechlich anmutende Mädchen, das in grünem Schlabber-T-Shirt und blauer Jeans auf der Bühne etwas verloren wirkt, seinen schmalen Mund und fängt umgehend das Publikum mit seiner sanften, aber gleichzeitig traurigen Jazz-Stimme ein.

Die Zeitrechnung schreibt das Jahr 2008, die Sängerin hört auf den Namen Elizabeth "Lizzy" Grant - heute besser bekannt unter dem Namen Lana Del Rey.

"Ich wollte einen Namen, in dessen Richtung ich meine Musik formen kann [...]. Ich war oft in Miami und habe viel Spanisch mit meinen Freunden aus Kuba gesprochen. Lana Del Rey erinnerte uns an den Glamour der Küste. Es klang großartig, wenn es die Zungenspitze verließ", erklärte die heute 26-Jährige einst der "Vogue", wie ihr aktueller Künstlername angeblich entstand. Aus dem Nichts explodierte dieser Glamour auf YouTube, Lana Del Reys erste Single "Video Games" brach innerhalb eines Monats die Marke von einer Million Klicks - mittlerweile steht der Zähler des Tracks bei über 50 Millionen.

"Ich hab den Song nur hochgeladen, weil es mein liebster war. Eigentlich sollte er keine Single werden, aber den Leuten gefiel es", sagte Lana dem "Observer" 2011 kurz nach der Veröffentlichung. Das angebliche Versehen bannte die Musikwelt, der neue, melancholische "Hollywood Sadcore" des Mädchens mit der Vorliebe für die 1950er und 1960er begann seinen Siegeszug.

Doch ihr Sound und ein neuer Name alleine machten Lana nicht über Nacht zum Star. Auch ihr Aussehen hatte Lizzy neu erfunden. Volle Lippen, langes, kastanienbraunes Haar, laszives Auftreten, neuer Stil - ein Makeover als Eintrittskarte ins ganz große Showbiz. Eine Figur war entstanden, die mit der schüchternen Lizzy im weiten Shirt nicht mehr viel gemein hatte. Lana stattdessen war, wie sie sagt, eine "Nancy Sinatra in Gangsterversion", eine "Lolita, die sich im Ghetto verlaufen hat".

Es folgte der steile Weg nach ganz oben. Zigfach Gold und Platin, Singles und Album unter anderem in Deutschland und Großbritannien auf dem Chart-Thron. Nur logisch, dass Lana der Echo-Verleihung vor gut zwei Wochen einen Hauch internationalen Flairs - Glanz und Gloria aus Übersee - einhauchen und in ihrem Reiseköfferchen zurück nach New York die Preise für "Beste Künstlerin International" und "Beste Newcomerin International" stecken durfte. Der Erfolg gibt ihr Recht.

 

Heute kehrt Lizzy nach Deutschland zurück und spielt im Kostüm der Lana Del Rey in der Hamburger O2-Arena das erste Deutschlandkonzert ihrer am 3. April gestarteten Europatour, fünf weitere hierzulande folgen. Dann öffnet zwar eine Brünette mit kräftigen Lippen und im knappen Outfit verführerisch ihren Mund und trägt ihre melancholischen Songs vor. Doch so sehr die Dame am Mikrofon auch vielleicht ein gut geplantes Produkt sein mag - die jazzige Stimme, die gefühlvoll ins Mikrofon gehaucht wird, gehört noch immer Elizabeth Grant.

(ami/spot)