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Boulevard Krassnitzer und Kramer schauen gern gemeinsam die Wolken an
Menschen Boulevard Krassnitzer und Kramer schauen gern gemeinsam die Wolken an
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14:10 22.03.2017
Ann-Kathrin Kramer und Harald Krassnitzer. Quelle: dpa
Berlin/Hamburg

Jeder für sich zählt zu den beliebtesten Fernsehstars: Harald Krassnitzer (56) war „Der Bergdoktor“ und „Der Winzerkönig“, ermittelt seit Langem erfolgreich als Wiener „Tatort“-Kommissar. Ann-Kathrin Kramer (50) spielte Hauptrollen etwa im Familiendrama „Alles für meine Tochter“ (2013). Zusammen ergeben beide ein Schauspieler-Paar, das in Hamburg bei der Promotion für einen gemeinsamen Film aufgeräumt flachsend, aber auch nachdenklich mit der Deutschen Presse-Agentur spricht. Und dabei schon mal aus seiner Ehe-Schule plaudert.

Was hat Sie bei der Rollenwahl mehr gereizt – die Aussicht, gemeinsam zu drehen oder das Thema der TV-Geschichte um ein Paar, das nach dem Auszug seiner erwachsenen Kinder in eine Krise gerät?

Krassnitzer: Uns reizt in erster Linie immer das Thema. Dreharbeiten bieten ja keine Wohlfühl-Oasen, in denen man Urlaub macht. Wir haben dann immer getrennte Zimmer, in denen wir uns konzentriert auf unsere Szenen vorbereiten, werden in der Früh abgeholt – da bleibt kein Platz für Privates oder gar Geschmuse. Bei „Eltern allein zu Haus“ hat uns die Konstellation Spaß gemacht. Wir haben gesagt, da haben wir beide die Möglichkeit, in die Brüchigkeit so einer Beziehung mit all ihrer Tragik, Komik und Verzweiflung einzutauchen. Die Drehbücher haben wir praktisch parallel gelesen – und uns dabei oft gegenseitig glucksen gehört.

Kramer: Es macht mir schon auch Spaß, mit meinem Mann zusammen zu arbeiten. Aber nur, wenn die Rolle stimmt. Dann ist es durchaus ein Genuss – auch, weil er ein ausnehmend guter Schauspieler ist. Wir bekommen häufig gemeinsame Projekte angeboten, die wir dann aber nicht zwingend drehen. Ich glaube, in den 16, 17 Jahren unserer Beziehung filmen wir jetzt zum dritten Mal zusammen. Was „Eltern allein zu Haus“ betrifft: Mit diesem Thema haben ja viele von uns zu tun oder wir kennen es aus unserem Bekanntenkreis – mit diesem Sich-Sortieren und Formieren für etwas Neues nach der eigentlichen Familienphase. Das scheint ja ein unheimliches Thema zu sein, egal mit wem man darüber spricht. Statistisch gesehen trennen sich dann übrigens sehr viele Paare.

Kennen Sie das Problem aus eigenem Erleben? Sie haben ja einen heute 19-jährigen Sohn mit in die Ehe gebracht, Frau Kramer. Ist er bereits ausgezogen?

Nein, wir leben noch zusammen. Er macht gerade Abitur. Durch die Dreharbeiten zu diesem Film sind wir ja nun vorbereitet (lacht). Nein, für uns hat es schon viel früher angefangen, dass wir uns auf diese Situation eingestellt haben. Im Positiven haben wir begonnen, davon zu träumen, was wir dann alles machen wollen. Wohin unsere Reise geht, wenn diese Form der Verantwortung ein bisschen wegfällt. Andererseits wissen wir, dass der Moment kommt, in dem man mit der Trauer umgehen muss, dass etwas vorbei ist.

Was die Filmeltern angeht – die sind bis zu diesem Zeitpunkt tief in ihren jeweils unterschiedlichen Lebensroutinen befangen. Der Mann in seinem Beruf, die Frau als Mutter von drei Söhnen. Das dürfte bei Ihnen anders aussehen?

Krassnitzer: Ja, es ist anders. Wir haben ja eine sehr privilegierte Situation. Wir sind zwar oft räumlich getrennt. Aber es gibt dann auch wieder Phasen, in denen wir viel gemeinsame Zeit haben. Wenn wir von einer Arbeit zurück kommen, dann gibt es auch immer eine Menge zu erzählen. Und weil unser Sohn mit 18 ein kleines Auto bekommen und somit eine gewisse Selbstständigkeit erreicht hat, haben wir schon mal einen gewissen Vorgeschmack darauf und konnten freier entscheiden, was wir wann wie tun.

Kramer: Wir müssen uns in unserem Beruf laufend auf etwas Neues einstellen. Oft wissen wir nicht mal, was der nächste Monat bringt.

Welche Gemeinsamkeiten pflegen Sie denn, abgesehen von Ihrem Beruf?

Kramer: Was wir wirklich gern gemeinsam unternehmen, sind so kleine Reisen. Irgendetwas anschauen, mal ein Wochenende auf eine Nordseeinsel. Es muss auch gar nicht weit sein, die Erfahrung zeigt, dass es auch schön sein kann, sich morgens vor Sonnenaufgang ins Auto zu setzen und einfach mal zwei Stunden in eine Richtung zu fahren. In irgendeine kleine Stadt, sich dort treiben lassen, vielleicht auf einen Markt oder in eine Kirche gehen. Oder auch einfach mal unter einem Baum liegen und den Wolken zugucken. Das sind so Sachen, die laufen bei uns unter „Muße“. Wir pflegen keine besonderen Hobbys mit mordsmäßig viel Equipment.

Frage: Wäre solche gemeinsame Muße etwas, was Sie anderen Paaren für deren inneren Zusammenhalt empfehlen würden?

Kramer: Wenn ich Eheberater wäre, würde ich sagen: „Machen Sie das schon viel früher, bevor die Kinder aus dem Haus sind“. Ich bin überhaupt ein Riesenverfechter von Zeit miteinander verbringen. Und zwar möglichst Event-lose Zeit. Meiner Meinung nach führt das am Ehesten zu wirklichen Verbindungen. Durch das Gefühl, gemeinsam etwas erlebt zu haben, entsteht ein Vertrauen, das einen mal auch sagen lässt, was man sonst nicht so leicht sagt. Und das sich anders nur sehr schwer herstellen lässt.

Krassnitzer: Aber so etwas klappt nur, wenn auch sonst die Voraussetzungen stimmen. Ich finde es eher schwierig, so einen Tipp zu geben. Wenn man viel Zeit miteinander verbringt, kann es auch genau das Gegenteil bewirken. Weil dann genau die Punkte akut werden, die einen schon ein Leben lang genervt haben. Ich finde, man kann eigentlich selbst seinem besten Freund keinen Tipp geben. Weil man, wie meine Frau immer so schön sagt, ihm die Lampe nicht gehalten hat. Bestenfalls kann ich ihm wohl Raum geben, sich bei mir mal auszuheulen. Und vielleicht einen Kasten Bier besorgen.

ZUR PERSON: Die Darstellerin und Autorin („Mathilda“-Kinderbücher) Ann-Kathrin Kramer wurde am 4. April 1966 in Wuppertal geboren. Mit 16 Jahren verließ sie die Schule, um sich in der Welt umzuschauen. Später holte sie das Abitur nach und absolvierte in München eine Ausbildung zur Schauspielerin. Seit 1992 ist sie regelmäßig in Film und Fernsehen zu sehen. Aus ihrer Beziehung mit dem Kollegen Jan Josef Liefers stammt ein 1997 geborener Sohn. Nach neunjähriger Verbindung ist Kramer seit 2009 mit Harald Krassnitzer verheiratet. Am 10. September 1960 in Grödig (Österreich) zur Welt gekommen, wirkte der Schauspieler nach seiner Ausbildung in Salzburg am Theater. Er spielte klassische Rollen wie den Faust und Karl Moor. Seit 1995 ist Krassnitzer in TV-Serien erfolgreich, etwa seit 1999 als Wiener Moritz Eisner ein populärer „Tatort“-Ermittler.

Von Ulrike Cordes