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Barbara Schöneberger

Barbara Schöneberger
 © dpa

Promis

Konferenz mit „Barbara“ und dicke Oberschenkel

Eine Zeitschrift, die Deinen Namen trägt. Barbara Schöneberger war entzückt von dem Einfall und leiht einem Hamburger Frauenmagazin seit über einem Jahr nicht nur ihren Vornamen. Der blonde Promi sitzt auch jeden zweiten Freitag in der Redaktionskonferenz - und zwar nicht als stiller Gast.

Hamburg - .  Im dunklen Hosenanzug, Pumps, mit einem Pappbecher Saft in der Hand und kleinem Rollkoffer stürmt die Schöneberger in „ihre“ Redaktion am Hamburger Baumwall: Zwar mit leichter Migräne aus dem ICE aus Berlin gestiegen, aber dennoch frisch und energiegeladen wie man sie aus dem Fernsehen kennt. Nicht nur aus der Kartoffelsalat-Werbung, sondern freitagabends auch zum Beispiel als Gastgeber bei der NDR-Talkshow. Davor schlendert sie immer im Verlagshaus bei Gruner & Jahr (G+J) vorbei, um an den nächsten Ausgaben von „Barbara“ mitzuarbeiten. Immerhin ist sie die Namensgeberin einer der erfolgreichsten Frauenzeitschriften auf dem deutschen Markt.

„Da habe ich schon lange drauf gewartet“, erinnert sich die 43-Jährige an ihren Satz in dem Moment, als sie gefragt wurde, ob sie eine Zeitschrift mit ihrem Namen machen wolle. Zu diesem Anlass hatte sich der heutige G+J-Produktchef Stephan Schäfer damals zum Kaffee bei ihr zuhause eingeladen. Ende 2015 erschien die erste Ausgabe, Monat für Monat verkauft sich das Heft über 100 000 mal, prall gefüllt mit Anzeigen, Mitte April kam noch der passende Internet-Auftritt dazu.

Warum hat eine solche Neugründung in einem der größten Zeitschriftenmärkte so schnell Erfolg? Barbara meint: „Wenn Du bei anderen Frauenzeitschriften nur den Titel liest, dann bist Du doch schon erschöpft, was Du alles verbessern kannst und sollst in Deinem Leben.“ Beratungsbücher gebe es genug, und sie gesteht, dass sie eigentlich gar keine Botschaft habe: „Ich will kein Vorbild sein. Ehrlich gesagt bin ich nicht angetreten, um zu sagen: "Hey, ihr könnt Euch auch mit dicken Oberschenkeln wohlfühlen im Leben."“ Und Redaktionsleiterin Stefanie Hellge schiebt nach, dass das Magazin nicht belehrend daher komme: „Und wir wollen durch Geschichten punkten, die emotionale Reibung erzeugen.“

Die Zeitschrift nennt sich zwar „kein normales Frauenmagazin“, aber natürlich erfüllt auch sie die Klischees: Lackiertipps für die trendigen Fußnägel, neueste Kaufvorschläge für ein teures Handtaschen-Licht und ein paar Lästereien über das andere Geschlecht.

Denn auch der Kampf um Gleichberechtigung darf nicht fehlen: „Wir sollten uns die Emanzipation doch nicht so einfach vom Brötchen nehmen lassen - das uns der Mann morgens geholt hat“, begrüßt die Teilzeit-Chefin zum Beispiel ihre Leserinnen zwischen 30 und 60 Jahren auf Seite 3 der neuesten Ausgabe. Das soll ein Seitenhieb sein auf die „bösen Buben im Welt-Sandkasten“, gemeint sind Trump & Co. Zu jeder Ausgabe steuert sie ein paar Kolumnen bei, die sie unterwegs im Zug oder zuhause am Küchentisch ins Tablet tippt.

Redaktionskonferenz mit Promi: Acht Frauen und zwei Männer versammeln sich um einen kleinen runden Tisch. Eine Stunde Zeit bleibt, um die Juli-Ausgabe mit ihren 172 Seiten zu besprechen. Rubrik für Rubrik wird effizient abgehakt, Hellge bewundert Schönebergers „preußische Arbeitsweise“. Bei der „Menschengeschichte“, also dem Artikel über Schicksale, wird es tatsächlich einen Moment emotional.

Für die neuen Wohnideen - Schöneberger ist begeisterte Kissen-Sammlerin - oder für die Modeseiten kniet sich das Team auf den Boden, wo die Bilderstrecke ausgelegt ist. „Babs“ wählt die Fotos mit aus, sagt „stark“ oder „schwach“, und fängt noch in der Hocke an, begeistert vom letzten Shooting zu erzählen. Sie liebt es, vor der Kamera zu stehen - für möglichst schrille Cover, die den Leser zum Kauf überreden sollen.

Die Zeit ist knapp, aber gelacht wird andauernd in dem Meeting: Der Promi hat zu viele Anekdoten auf Lager - von anderen Promis, aus dem Privatleben und aus der Fanpost. Redaktionsleiterin Hellge gibt ihrer Kollegin dann den Auftrag, noch etwas über Tischmanieren zu schreiben: „Keine gute Idee, wenn Du einmal mit meinen Kindern gegessen hättest“, entgegnet Schöneberger.

Dann werden noch Ideen für das nächste Schwerpunkt-Thema eingesammelt. „Sie schickt uns von unterwegs auch gerne eine SMS mit spontanen Gedankenfetzen und wir spinnen das hier weiter“, erklärt Hellge die Arbeitsweise mit der Moderatorin. Und lobt am Ende der Konferenz auch, dass ihre Mitarbeiterin sich noch kein einziges Mal krank gemeldet habe. Schöneberger kann das bestätigen und verrät auch ihr Erfolgsrezept: „Ich habe den ganzen Tag meine Finger im Mund, weil ich so oft daran beiße - das härtet mich ab. Ich glaube, ich könnte auch an der Rolltreppe stehen und mit der Zunge den Handlauf abschlecken.“

Von Andreas Albrecht und Daniel Reinhardt, dpa