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Kino

Kino-Tipp: The Sessions - Wenn Worte berühren

Ein Film über einen schwerbehinderten Mann in den späten Dreißigern, der mit Hilfe einer sogenannten Sexualtherapeutin seine ersten sexuellen Erfahrungen macht ist ein ungewöhnliches Thema, das leicht ins peinliche und klischeehafte abrutschen kann.

Regisseur Ben Lewin hat es jedoch geschafft, daraus einen ungewöhnlichen Film zu drehen.

Mark O'Brien (John Hawkes) ist als Kind an Polio erkrankt und kann seitdem außer dem Kopf seinen Körper nicht mehr bewegen, aber alles spüren. Er verbringt sein Leben in horizontaler Position auf einer Trage und muss den Großteil des Tages in einer Eisernen Lunge verbringen, einem Gerät, dass ihm beim Atmen hilft. Trotz seiner schweren Behinderung hat er einen Universitätsabschluss und arbeitet erfolgreich als Journalist und Poet. Doch einen wichtigen Teil des Lebens vermisst Mark in seinem Leben: Liebe und Sexualität. Zunächst sucht er den Rat von Pfarrer Brendan (William H. Macy), der ihm überraschenderweise dazu rät seinem Wunsch nachzugehen. Auf seiner weiteren Suche trifft er auf Sexualberaterin Cheryl (Helen Hunt). Mit ihrer Hilfe will Mark seine Jungfräulichkeit verlieren.

Der 1999 im Alter von 49 Jahren verstorbene Mark O'Brien berichtete von seinem außergewöhnlichen Weg zum ersten Sex mit viel Witz und Gefühl in dem Artikel "On Seeing a Sex Surrogate". Regisseur Lewin diente der Text beim Schreiben des Drehbuchs als Vorlage. Lewin ist als Kind selbst an Polio erkrankt und kann seitdem nur mit Hilfe von Krücken gehen. Dieser Umstand half ihm sicherlich beim Schreiben des Drehbuchs ein anderes Verständnis für Marks Geschichte zu gewinnen.

Lewin erzählt die Geschichte frei von jeder Sentimentalität, dafür mit Witz und Klarheit. "The Sessions" ist kein Behindertendrama sondern die Suche eines von Selbstzweifeln geplagten Mannes nach Liebe in seinem Leben. Der Film setzt die Beziehung zwischen Mark und Sexualtherapeutin Cheryl in den Mittelpunkt und zieht daraus seine Stärke. Denn beide beeinflussen sich gegenseitig, am Ende entstehen sogar Gefühle, die eigentlich nicht entstehen sollten.

Dass die geradlinige Inszenierung funktioniert, hat Lewin vor allem seinen beiden Hauptdarstellern zu verdanken. Sowohl John Hawkes als auch Helen Hunt verleihen ihren Figuren Glaubwürdigkeit. Hawkes trifft immer den richtigen Ton und kann sowohl Marks Witz als auch seinen Zweifeln und Ängsten mit seinem unprätentiösen Spiel Ausdruck verleihen. Hunt meistert ihre schwierige Rolle, die eine ungewohnte körperliche Offenheit verlangt, ebenso hervorragend. Die wichtigen gemeinsamen Sexszenen zwischen den beiden Schauspielern wirken dank ihrer Chemie und ihres Spiels nie unpassend oder unangemessen und treffen immer den richtigen Ton.

Mit William H. Macy als Pfarrer Brendan und Moon Bloodgood als Pflegerin von Mark hat "The Sessions" zudem noch zwei gute Nebendarsteller zu bieten. Die bewegende Geschichte von Mark O'Brien ist ein inspirierendes Stück über das Suchen und Finden der Liebe. Dank der schauspielerisches Leistungen von Hawkes und Hunt, die beide dafür für den Golden Globe nominiert wurde, ist daraus auch richtig gutes Kino geworden.

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