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Kino

Kino-Tipp: Paradies: Liebe

Die Wünsche von Teresa (Margarethe Tiesel) sind zutiefst menschlich. Die füllige Mittfünfzigerin lebt allein mit ihrer übergewichtigen Teenagertochter und überspielt so gut es geht ihre innere Leere und Einsamkeit.

Bei einem Urlaub in Kenia aber will sie all das erleben, was ihr im Alltag zuhause in Österreich nicht mehr erreichbar scheint: das Gefühl, von einem Mann begehrt, vielleicht sogar geliebt zu werden.

Das Resort, in dem sie zusammen mit anderen alleinreisenden Frauen die Annehmlichkeiten des All-Inclusive-Urlaubs genießt, ist mit einem Seil streng vom öffentlichen Teil des Strandes abgetrennt. Dort stehen die einheimischen Beach-Boys und offerieren den europäischen "Sugar-Mamas" neben Souvenirs auch sexuelle Dienstleistungen. "Ich möchte, dass einer in meine Seele sieht und nicht auf meinen dicken Hintern", formuliert Teresa gegenüber einer anderen Urlauberin ihre Hoffnungen und offenbart dabei ihre berührende Naivität.

Denn natürlich sind die Liebesbezeugungen und professionellen Komplimente der jungen Männer nicht für bare Münze zu nehmen. Munga (Peter Kazungu), von dem Teresa nach einem ersten, missglückten Anlauf zumindest einen Abglanz der ersehnten Aufmerksamkeit und körperlichen Leidenschaft bekommt, begehrt in Wahrheit natürlich nicht die lebenshungrige Touristin, sondern lediglich deren Geld.

Enttäuschung und Verletzung sind folglich vorprogrammiert. Doch Regisseur Ulrich Seidl macht es sich nicht zu leicht. Die Grenzen zwischen Opfer und Täter, zwischen Ausbeuter und Ausgebeuteten, erweisen sich im Fortgang dieser traurigen Geschichte als zunehmend fließend. Wie Teresa schließlich auch den letzten Funken Hoffnung verliert, jemals ihre brennende Sehnsucht nach Liebe und Nähe erfüllt zu bekommen, und sich stattdessen zu einer berechnenden Sextouristin wandelt, lässt den Atem stocken.

Die Filme des Österreichers muss man aushalten können. Seine Dramen sind so nah an einer schonungslosen, weder das Hässliche noch das Gemeine des Menschen verleugnenden Wirklichkeit, dass man als Zuschauer immer wieder vor Fremdscham die Augen abwenden möchte. Der bisweilen geäußerte Vorwurf, Seidl sei ein Zyniker, der die Menschen mit ihren Schwächen zur Schau stelle, trifft allerdings nicht.

Seidl ("Hundstage", "Import/Export") mag Abgründe ausleuchten und seine Protagonisten aufs Intimste entblößten, sein geradezu erschreckend nüchterner Blick jedoch verliert nie seinen dokumentarischen Anspruch. Dieses Prinzip bewahrt er auch in "Paradies: Liebe", dem Auftakt zu einer Spielfilmtrilogie über drei Frauen und ihre Sehnsüchte.

Seidls beim Filmfestival in Cannes uraufgeführter zweiter Teil der Trilogie, "Paradies: Glaube", kommt im März in die Kinos. Der abschließende Teil Drei, "Paradies: Hoffnung", feiert im Februar bei der Berlinale Premiere.

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