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Kino

Kino-Tipp: Ludwig II.

40 Jahre nach Luchino Viscontis elegischer und überlanger Verfilmung "Ludwig II." bringt das Regie-Duo Peter Sehr ("Kaspar Hauser") und Marie Nolle (Drehbuch "Love the Hard Way") eine neue filmische Interpretation über das Leben und Wirken des berühmten bayerischen Königs in die Kinos.

Nach dem plötzliche Tod seines Vaters Maximilian (Axel Milberg) besteigt Ludwig (Sabin Tambrea) als 18-Jähriger 1864 den Thron von Bayern. Der junge Mann ist vor allem an Kunst und Kultur interessiert und investiert die Staatsgelder lieber in Theater, Musik und Bildung statt in die Modernisierung des Militärs. So holt er unter anderem Richard Wagner (Edgar Selge) an seinen Hof und will mit ihm gemeinsam neue Meisterwerke komponieren. Mit seiner pazifistischen Haltung stößt er bei seinen engsten politischen Beratern auf Widerstand. Der Traum von einem friedlichen Bayern zerbricht für den naiven König, als sein Staat im Laufe der Jahre in Konflikte mit Preußen und Frankreich gerät. Zudem ist Ludwig innerlich zerrissen aufgrund seiner Zuneigung zu seinem Stallmeister Richard Hornig (Friedrich Mücke) und den Erwartungen am Hof, endlich zu heiraten. Im Laufe der Zeit werden seine künstlerischen Vorhaben immer größenwahnsinniger und er entfremdet sich immer mehr von der realen Welt.

Mit viel Aufwand haben Peter Sehr und Marie Nolle das Leben und die Zeit von Ludwig II. verfilmt. Aufwändig wurde das große Schauspielensemble mit Makeup und Kostümen für das 19. Jahrhundert drehfertig gemacht. Der Film ist für deutsche Verhältnisse pompös inszeniert und größtenteils auch schön fotografiert. Einige Szenen und Bilder wirken trotz des Aufwands jedoch leider nicht wie großes Kino, sondern wie aus einem TV-Film.

In der Hauptrolle überzeugt in etwa zwei Dritteln des Films Newcomer Sabin Tambrea mit einer charismatischen Vorstellung als junger König. Der 1984 in Rumänien geborene Darsteller bringt den Enthusiasmus Ludwigs für die Kunst genauso glaubhaft auf die Leinwand wie seine Verzweiflung und seine dunklen Seiten. Eine gelungene Besetzung. Zum Ende des Film wird Ludwig dann ebenfalls gut von Sebastian Schipper mit der nötigen körperlichen Präsenz gespielt.

Das restliche Ensemble glänzt mit großen Namen: Edgar Selge als Richard Wagner, Hannah Herzsprung als Sissi sowie Friedrich Mücke, Justus von Dohnányi, Tom Schilling, Uwe Ochsenknecht, Gedeon Burkhard, Axel Milberg und Katharina Thalbach treten in großen und kleineren Rollen auf. Nicht jede Figur wirkt dabei treffend besetzt, gerade die Auftritte von Thalbach und Milberg können in der Kürze ihrer Leinwandzeit nicht vollends überzeugen.

Den beiden Regisseuren, die auch das Drehbuch verfasst haben, konzentrieren sich vor allem auf die emotionale und persönliche Seite des Königs. Vor allem seine Liebe zur Kunst zelebrieren die beiden, zudem ist seine Beziehung zu Richard Wagner - stark von Edgar Selge gespielt - ein wichtiger Teil des Films, genauso wie seine unterdrückten Gefühle und sein unglückliches Liebesleben. Leider finden Sehr und Nolle keinen ausgewogenen Mix und gehen auch der Frage nach Ludwigs Geisteszustand ein wenig aus dem Weg. Einiges wird angedeutet und gezeigt, konsequent zu Ende erzählt ist es aber nicht. Auch die politischen Hintergründe kann der Film dem Zuschauer ohne ein gewisses Maß an Vorkenntnissen nicht plausibel erklären.

Über die Spieldauer von rund 140 Minuten gesehen ist die Dramaturgie nicht besonders gelungen. Der Film ist streckenweise richtig zäh, viele Szenen wirken aneinander gereiht und ohne Spannungsbogen. Ein harter Schnitt ist auch der Sprung vom jungen König zum alten König. Der Schauspielerwechsel ist sehr abrupt und unvorbereitet - das bremst den Film angesichts der dominanten Darstellung Tambreas zusätzlich aus.

"Ludwig II." ist ein ambitioniertes Werk geworden, dass in vielen Bereichen aber nicht überzeugen kann. Der Film hat seine Momente und Schauwerte und kann auch mit guten Schauspielleistungen punkten, insgesamt aber ist das Biopic des Regieduos Sehr/Nolle zu sperrig und spannungsarm ausgefallen.

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