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Kino

Kino-Tipp: Lincoln

Mit einem Film über Abraham Lincoln, von 1861 bis 1865 der 16. Präsident der USA, hat sich Steven Spielberg einen lang gehegten Traum erfüllt. Seit Jahren arbeiteten der Regisseur und Drehbuchautor Tony Kushner an einem filmischen Zugang zu einer der größten Ikonen der US-Politik.

Sie entschieden sich für die letzten vier Monate vor der Ermordung Lincolns am 15. April 1865.

Die USA sind seit 1861 in Union und Konföderierte gespalten. Das Land ist durch einen blutigen Bürgerkrieg schwer gebeutelt. Präsident Lincoln (Daniel Day-Lewis) befindet sich unter starkem politischen Druck, da er nicht nur die Kampfhandlungen beenden will, sondern gleichzeitig den 13. Verfassungszusatz durchsetzen möchte. Für viele, wie Lincolns Außenminister William Seward (David Strathairn), ist seine Absicht ein unmögliches Vorhaben. Der Zusatz würde die endgültige Abschaffung der Sklaverei im Gesetz verankern. Sein Vorhaben stößt nicht nur im zerstrittenen Kongress auf großen Widerstand, sondern auch in seinem eigenen Kabinett. Die Abschaffung der Sklaverei gefährdet den möglichen Frieden mit den Südstaaten. Lincoln muss einen komplizierten Kampf austragen, der auch sein Privatleben auf eine Probe stellt.

Steven Spielberg führt seine Hauptfigur Lincoln zu Beginn des Films im Schauplatz eines Armeelagers ein. Der Präsident unterhält sich mit schwarzen Soldaten, er wird zunächst nur von hinten und von der Seite in seiner markanten Silhouette gezeigt. Auf dieses Stilmittel greift Spielberg immer wieder zurück und macht damit deutlich, dass er mit "Lincoln" keinen Film drehen wollte, der am Mythos des ermordeten Präsidenten rütteln will. Vielmehr setzt er ihm ein filmischen Denkmal.

Dafür ist der Weg zur Abschaffung der Sklaverei genau das richtige Thema. Spielberg verzichtet auf Kindheit, Jugend und Lincolns Weg zur Präsidentschaft und zeigt ihn knapp ein Jahr nach Antritt seiner zweiten Amtszeit auf dem Höhepunkt seiner politische Laufbahn. Pathos ist dabei unvermeidbar, Spielberg feiert Lincoln auf dem Weg zur Abschaffung der Sklaverei. Das ist ein sehr unkritischer Ansatz, der auch auf historische Details zur Person von Lincoln verzichtet. Spielberg betreibt hier offen Legendenbildung.

Das, was Spielberg aber zeigt, ist dafür ein spannendes politischen Kammerspiel mit geschliffenen und auf den Punkt gebrachten Dialogen. Wenn sich ein Haufen älterer Männer mit meist komischen Bärten in überwiegend dunklen Räumen über Politik und Rechtsaspekte der US-Verfassung streiten, kann das schnell langweilig werden. Spielberg inszeniert dies jedoch gekonnt als politische Schlacht um Mehrheiten, bei der für den guten Zweck auch schon mal hemmungslos zum Werkzeug der Bestechung gegriffen wird. Dass der Film auch versucht dem Privatmann Lincoln näher zu kommen, ergibt zusammen mit dem dominierenden politischen Teil eine gute Mischung.

Spielberg liefert dabei einen technisch formidablen Film ab, der von der Ausstattung über die Kameraarbeit bis zur musikalischen Begleitung durch John Williams überzeugen kann. Nicht umsonst wurde der Film für zwölf Oscars nominiert.

Das Herz des Films ist die brillante schauspielerische Darstellung von Daniel Day-Lewis. Der Brite versinkt einmal mehr in seine Rolle. Mit Hilfe von Make-up und Körperhaltung liefert er eine ikonenhafte Darstellung des Präsidenten. Zudem setzt Day-Lewis in der Originalfassung eindrucksvoll seine Stimme ein. Mit einer sanften Tonalität macht er Lincoln zu einem einnehmenden und kommunikativen Charakter. Unterstützt wird er durch ein sehr starkes Ensemble, so spielt Sally Field Lincolns Frau Mary und Tommy Lee Jones stellt den radikalen Sklavengegner Thaddeus Stevens dar. Alle drei haben Chancen auf einen Oscar am 24. Februar.

Steven Spielberg hat mit "Lincoln" einen dialogreichen, aber packenden Film über Lincoln und die Abschaffung der Sklaverei gedreht. Der Film zeigt die historische Figur sicherlich überhöht, jedoch ist das nur ein kleiner Makel angesichts der Leistung von Daniel Day-Lewis, der gewitzten Inszenierung der politischen Korruption und den packenden Rededuellen im Kongress und im Weißen Haus. Zudem besitzt "Lincoln" angesichts des gegenwärtigen tiefen Risses zwischen den politischen Lagern in den USA auch einen aktuellen Bezug: Einen leidenschaftlichen und gerechten Kämpfer wie ihn Spielberg zeigt, der versucht, die Nation zu einigen, könnten die USA im Jahr 2013 gut gebrauchen.

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