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Kino

Kino-Tipp: Jack Reacher

Seit 1997 ist Jack Reacher in den Büchern des britisch-amerikanischen Schriftstellers Lee Child im Einsatz. Für das Leinwand-Debüt des ehemaligen US-Militärpolizisten wählten die Produzenten um Tom Cruise, der auch die Hauptrolle übernahm, den neunten Roman über Reacher, "Sniper", aus.

In einer Kleinstadt in Indiana werden scheinbar wahllos fünf Menschen von einem Scharfschützen erschossen. Die Polizisten finden genügend Spuren am Tatort, um schnell den ehemaligen Armee-Scharfschützen James Barr (Joseph Sikora) zu verhaften. Der Verdächtige schweigt zu den erdrückenden Beweise und schreibt nur drei Worte auf ein Blatt Papier: "Holt Jack Reacher!" Der ehemalige Militärpolizist taucht dann auch plötzlich und unvermittelt im Büro des Staatsanwalts Rodin (Richard Jenkins) auf und trifft dort auch auf dessen Tochter Helen (Rosamund Pike), die die Verteidigung von Barr übernommen hat. Reacher wird Ermittler für die Anwältin und entdeckt schnell Ungereimtheiten in dem Fall: Er entdeckt ein Komplott hinter dem Massenmord und bringt sich und Helen in Lebensgefahr. Doch einmal gereizt, kennt Reacher keine Gnade mehr mit seinen Verfolgern...

Drehbuchautor Christopher McQuarrie, der 1996 für sein Drehbuch zu "Die üblichen Verdächtigen" den Oscar gewann, schrieb nicht nur "Jack Reacher" als Filmversion, sondern inszenierte nach "The Way of the Gun" (2000) auch zum zweiten Mal. Ihm ist dabei ein dichter und schnörkelloser Actionthriller gelungen, der beinahe schon altmodisch ohne großen Schnickschnack daher kommt.

Jack Reacher ist Zentrum des Film und von Tom Cruise mit einer stoischen Coolness dargestellt. So hart und kompromisslos hat man den Superstar bisher noch nicht gesehen. Die Figur hat dabei keinen moralischen Spielraum, für Reacher gibt es nur Gut und Böse. Er hinterfragt dieses einfache Muster nie und geht ohne Kompromisse seinen Weg. Gewalt ist für ihn Mittel zum Zweck, ethische Bedenken oder Skrupel hat der geheimnisvolle Einzelgänger dabei nie. Cruise bringt das glaubhaft auf die Leinwand.

Angesichts der Präsenz von Reacher verblasen ein wenig die Figuren neben ihm. Rosamund Pike als couragierte Anwältin macht trotzdem einen guten Job und kann überzeugen. Im letzten Drittel des Films kommt Reacher dann noch Robert Duvall zu Hilfe als knorriger Kriegsveteran. Für Actionfans ist das eine nette Vereinigung, schließlich haben beide bereits im Rennfahrer-Spektakel "Tage des Donners" (1990) ein gutes Team abgegeben.

Weniger gelungen ist dagegen die Besetzung von Regisseur Werner Herzog als fast schon mystischer Bösewicht "The Zec". Einen plausiblen Grund für seine Anwesenheit liefert McQuarrie nicht, der Mann ist halt da und ist böse. Herzog spielt die Rolle zudem ziemlich steif und kann auch kein interessantes Charisma entwickeln. Mit seinen monoton vorgetragenen Mini-Monologen wirkt er eher unfreiwillig komisch.

McQuarrie findet zudem trotz spannendem Showdown in einem Steinbruch keine wirklich gelungene Auflösung für den Grund des Massakers. Trotz dieser Schwächen ist "Jack Reacher" ein gelungener, angenehm unspektakulärer Actionfilm geworden, der mit seinem kompromisslosen Helden an harte Klassiker wie "Point Blank" und "Dirty Harry" erinnert. Lediglich die angestrebte Jugendfreigabe steht dem Grundton des Films und der Einstellung der Figur hin und wieder im Weg.

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