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Kino

Kino-Tipp: Heute bin ich blond

Eigentlich sollte es in Sophies Leben jetzt gerade richtig losgehen. Sie ist mit ihrer Freundin in eine gemeinsame Wohnung gezogen und freut sich auf ihr Studium, auf Partys, Sex und den ersten großen Schritt ins Erwachsenenleben.

Doch eine unerwartete Nachricht zerstört diese Aufbruchstimmung auf einen Schlag: Sophie hat Krebs. Besonders fatal: Der Tumor lässt sich nicht operieren. Stattdessen wird sich Sophie mehr als ein Jahr lang einer Chemotherapie unterziehen müssen.

"Heute bin ich blond", basierend auf dem gleichnamigen autobiografischen Roman der Niederländerin Sophie van der Stap, will anders sein, als viele andere Kinodramen über Krebserkrankungen. Regisseur Marc Rothemund ("Sophie Scholl", "Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit") verzichtet weitgehend auf jegliche Form von Rührseligkeiten und hochdramatischen Betroffenheitsszenarien.

Seine Heldin ist eine Frau, die sich von der Erkrankung nicht unterkriegen und sich schon gar nicht die Lebensfreude nehmen lassen will. Statt sich zu schonen, wie ihr die engagierten Ärzte und ihre verständnisvollen Eltern nahelegen, macht sich Sophie (Lisa Tomaschewsky) auch mal nachts aus dem Krankenzimmer davon, um Party zu machen, Männer aufzureißen und sich hemmungslos zu betrinken - mag die Katerstimmung am nächsten Morgen auch noch so groß sein.

Und als ihr durch die Chemotherapie die Haare ausfallen, rasiert sie sich kurzerhand eine Glatze und kauft sich nicht nur eine, sondern gleich neun Perücken, von blond bis pink. Für jede Stimmung und alle Facetten ihrer Persönlichkeit gibt es eine passende Zweitfrisur, die sie zum Vamp, zur Diva oder flippigen Partymaus verwandelt.

Ihre Erlebnisse und Gedanken hält Sophie in einem Blog fest und lernt über diesen Weg die ebenfalls schwer an Krebs erkrankte Chantal (Jasmin Gerat) kennen. Doch während diese sich gefasst auf den nahen Tod vorbereiten muss, bleiben bei Sophie die unangenehmen Nebenwirkungen der Chemotherapie weitgehend ausgeblendet. Ein bisschen Übelkeit, ein wenig Haarausfall müssen genügen, um den Horror der Behandlung erkennbar zu machen.

Eine drastisch-realistische Darstellung einer Krebserkrankung, wie etwa in Andreas Dresens "Halt auf freier Strecke", liegt Regisseur Rothemund fern. Er hatte mit "Heute bin ich blond" vielmehr einen optimistischen, ganz dem Leben zugewandten Film im Sinn. Deshalb sind nicht nur Sophies Eltern prima Typen, sondern auch das Pflegepersonal, die Ärzte und auch die Freunde. Zuletzt hat Sophie nicht nur ihre Krankheit besiegt und unerwartet Karriere als Autorin gemacht, sondern auch noch in ihrem bislang nur platonischen Freund Rob (David Rott) die wahre Liebe gefunden. Soviel pralles, glückserfülltes Leben gibt es wahrscheinlich nur im Film. Doch der durch Lisa Tomaschewskys hingebungsvolles Spiel rundweg sympathischen Sophie gönnt man das als Zuschauer natürlich von Herzen.

(dos/dapd)