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Kino

Kino-Tipp: Gangster Squad

Eigentlich sollte "Gangster Squad" schon im Spätsommer vergangenen Jahres anlaufen. Nach dem Amoklauf in einem US-Kino in der Kleinstadt Aurora mit 12 Toten und 58 Verletzten im Juli wurde der Kinostart jedoch ins neue Jahr verlegt.

Der Grund: ein im Mai erschienener Trailer zeigte eine Szene, in der Gangster mit Maschinengewehren in einem Kino wild um sich schießen. Regisseur Ruben Fleischer ("Zombieland") entfernte für die Endfassung diese Szene und inszenierte im August 2012 in einem Nachdreh eine neue Action-Sequenz mit den Darstellern.

Trotzdem ist "Gangster Squad" ein harter und blutiger Gangster-Streifen geblieben. Der Film spielt im Nachkriegs-Los-Angeles Ende der vierziger Jahre. Der Mobster Mickey Cohen kontrolliert den Drogenhandel und die Prostitution in der Stadt und terrorisiert oder tötet jeden, der sich ihm in den Weg stellt. Große Teile der Polizei und der Justiz hat er mit Hilfe von Bestechungsgelder auf seiner Seite. Polizei-Chef Bill Parker (Nick Nolte) beauftragt deshalb den Polizisten John O'Mara (Josh Brolin) eine Sondereinheit aufzubauen, die inoffiziell unter Nichtbeachtung jeglicher Regeln und Gesetze gegen Cohen und sein Verbrecher-Imperium vorgehen soll.

"Gangster Squad" erinnert aufgrund seiner Handlung an den meisterlichen "L.A. Confidential" (1997) von Curtis Hanson. Jedoch haben beide Filme neben der Zeit, dem Ort und einigen historischen Personen nur wenig gemeinsam. Ruben Fleischer hat in seinem dritten Spielfilm einen überhöhten, nicht ganz ernstgemeinten Gangsterfilm gedreht, der sich an der wahren Geschichte orientiert, aber vor allem durch seine teils richtig spannend inszenierten Actionszenen und seinen fast schon comichaften Stil unterhalten will.

Die Figuren sind größtenteils klischeehaft gezeichnet, die Gewalt deftig und blutig dargestellt. Zusammen mit den teils überdreht dargestellten Verbrechern erinnert "Gangster Squad" entfernt an eine Gangsterversion von Fleischers Erstlingswerk "Zombieland". So schaltet der von Sean Penn köstlich überzeichnet gespielte Mickey Cohen einen Konkurrenten gleich zu Anfang des Films mit Hilfe zweier Ketten und zweier Autos sehr unappetitlich aus.

Der visuell ansprechende und modern gehaltene Film überzeugt am meisten mit den Actioneinlagen, die ein gutes Tempo besitzen und sehr unterhaltsam sind. Dazwischen geht Fleischer aber aufgrund des Drehbuchs oft die Luft aus. Gerade eine tiefere Charakterzeichnung fehlt, die Figuren und ihre Beziehung zueinander bleiben oberflächlich und teils unglaubwürdig. Als gutes Beispiel dient hier die Liebschaft zwischen Ryan Gosling und Emma Stone: In ihrer ersten Szene reißt er sie in einer Bar auf, in ihrer zweiten gemeinsamen Szene liegen sie im Bett und sind plötzlich zusammen.

Diese Oberflächlichkeit ist etwas bedauerlich, da "Gangster Squad" eine beeindruckende Besetzung auf der Leinwand präsentiert. Neben Josh Brolin als knurriger Anführer und Ryan Gosling als smarter Charmeur kämpfen noch Anthony Mackie als Messer-Spezialist, Giovanni Ribisi als Technik-Guru, Michael Pena als rätselhafter Mexikaner und Robert Patrick als Old-School-Revolverheld im Namen der Gerechtigkeit. Für ihre Charaktere hätte man sich ein wenig mehr Tiefe und Spielzeit gewünscht. Sie spielen genauso wie Emma Stone als Love-Interest von Mickey Cohen tapfer gegen das schwammige Drehbuch an. Einzig Sean Penn bekommt eine angemessene Bühne als Mickey Cohen und nutzt diese, um lustvoll einen irren Sadisten zu geben.

"Gangster Squad" kann auf der Charakterebene nicht ganz überzeugen, jedoch ist der Film ein bunter, stylischer und harter Gangsterstreifen für Erwachsene, die keine Probleme mit dem ein oder anderen Klischee und viel Filmblut haben.

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