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Kino

Kino-Tipp: Flight

Regisseur Robert Zemeckis hat die letzten zwölf Jahre damit verbracht, sogenannte Motion-Capture-Filme zu drehen. Herausgekommen sind dabei "Der Polarexpress" (2004), "Die Legende von Beowulf" (2007) und "Disneys Eine Weihnachtsgeschichte" (2009).

Nach diesem - mal mehr, mal weniger erfolgreichen - Ausflug hat Zemeckis nach "Cast Away - Verschollen" (2000) mit "Flight" endlich wieder einen Realfilm gedreht.

Die Geschichte handelt von dem Piloten Whip Whitaker (Denzel Washington), der nach einem Defekt seiner Maschine auf einen Inlandsflug eine spektakuläre Notlandung hinlegt und so den Tod vieler Passagiere verhindert. Nur sechs Menschen sterben. Der verletzte Whip wird schon im Krankenhaus von den Medien zum Helden gemacht. Doch die Absturzursache ist unklar, die Flugaufsichtsbehörde ermittelt. Das Bild von Whips heldenhaftem Handeln bekommt schnell Risse, als festgestellt wird, dass er während des Absturzes Alkohol im Blut hatte. Für Whip beginnt damit nicht nur der Kampf gegen die Ermittler, die ihn ins Gefängnis bringen könnten, sondern auch der Kampf gegen seine eigenen Dämonen: Whip ist schwerer Alkoholiker.

Drehbuchautor John Gatins hat ein ungewöhnliches Szenario gewählt, um das Thema Alkoholismus in ein Drehbuch zu verwandeln. Doch es ist eine geschickte Wahl, denn indem er einen Piloten zum Alkoholiker macht und gleichzeitig zum Helden, setzt er einige interessante Gedankengänge in Lauf: Kann man angesichts der Tat von Whip über den Alkohol hinwegsehen? Hätte er nüchtern das Flugzeug auch so gelandet. Gehört dieser Mann ins Gefängnis oder verdient er eine Auszeichnung?

Diese Fragen stehen in "Flight" neben der Geschichte eines harten Alkoholikers. Von Anfang an wird seine Sucht nicht verschwiegen, auch ist dank einer starken Anfangsszene klar, dass er nicht nüchtern geflogen ist. Lügen und Selbstbetrug gehören auch nach dem Crash zum Alltag von Whip. Das Unglück ist bei "Flight" nicht der Anfang eines Heilungsprozesses, sondern für Whip der Beginn seines ganz persönliches Sturzflugs. So verspricht er seinem Freund von der Pilotengewerkschaft, der ihn aus dem Schlamassel helfen will, dass er nicht mehr trinkt, nur um sich Augenblicke später den nächsten Drink reinzukippen. Gute Vorsätze werden schnell wieder gebrochen.

Diesen krassen Absturz inszeniert Zemeckis auf hohem Niveau, wie man es von dem Oscar-Preisträger gewohnt ist. Wie schon bei "Cast Away" gelingt ihm eine intensive Absturzsequenz, bei der nur die visuellen Effekte in einigen Einstellungen schwächeln. Danach konzentriert sich Zemeckis auf seinen Hauptcharakter und seine Sucht. Auch hier gelingen ihm immer wieder eindrucksvolle Szenen. Wenn Whip etwa vor einer mit Schnaps prall gefüllten Minibar im Hotel steht und überlegt, ob er zugreifen soll oder nicht, dann steigert Zemeckis gekonnt die Spannung.

Denzel Washington glänzt wie lange nicht mehr in der Rolle von Whip. Vom coolen und selbstsicheren Piloten bis zum Alkoholwrack stellt er seine herausragenden schauspielerischen Fähigkeiten nach mehreren routinierten Rollen im Actiongenre wieder unter Beweis. Dafür gab es zu Recht Nominierungen für den Golden Globe und den Oscar. Neben Washington überzeugt auch Kelly Reilly ("Sherlock Holmes") als drogenabhängige Nicole, die Whip im Krankenhaus kennenlernt. Die gute Besetzung runden Don Cheadle, Bruce Greenwood, Melissa Leo und John Goodman, der zusammen mit Washington am Ende des Films eine denkwürdigen Szene hinlegt, ab.

"Flight" ist ein starkes Alkoholikerdrama mit einer extremen Fallhöhe für den "Helden". Dank der souveränen Inszenierung von Zemeckis und eines starken Denzel Washington überzeugt und unterhält der Film trotz des düsteren Themas.

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