Navigation:

© Camino Filmverleih

Kino

Kino-Tipp: "Ein freudiges Ereignis"

Barbara (Louise Bourgoin) und Nicolas (Pio Marmai) sind ein harmonisches Liebespaar. Zum vollkommenen Glück fehlt nur noch ein Kind. Und schon sehr bald ist es tatsächlich soweit.

Barbara ist schwanger. In neun Monaten ist die kleine Familie komplett. Alles läuft perfekt und reibungslos. Bis die werdenden Eltern realisieren, dass sie niemand ernsthaft auf das Kinderkriegen vorbereitet hat.

In der französischen Komödie "Ein freudiges Ereignis" erzählt Regisseur Rémi Bezancon ("C'est La Vie") von den Schwierigkeiten einer Schwangerschaft in der modernen Gesellschaft. Obwohl die beiden Turteltauben im Film ein klassisches Wunschkind erwarten, werden sie vollkommen aus der Bahn geworfen. Barbara und Nicolas bemerken schon weit vor der Geburt des Kindes, welche Konsequenzen sie erwartet. Die Freizeit droht fortan knapp zu werden und die berufliche Karriere könnte ins Stocken geraten. Zumindest für einen der beiden. Dafür wird ein quengelndes Etwas da sein, das rund um die Uhr Betreuung und Aufmerksamkeit benötigt.

Bezancons Lustspiel entwickelt sich dabei zu einer typischen Großstadtgeschichte. Der Zuschauer bekommt es mit zwei Menschen zu tun, die es sich in einer anonymisierten und selbstbestimmten Gesellschaft gemütlich gemacht haben. Sie haben es nur noch nicht realisiert. Eher unterschwellig stand für die werdenden Eltern bisher die individuelle Selbstverwirklichung im Mittelpunkt. Doch damit ist es nun vorbei. Und genau das überfordert und ängstigt Barbara und Nicolas.

Der Film skizziert darüber hinaus, dass sich der Stellenwert von Familienplanung stark verändert hat. Früher gehörte Elternschaft zur eigenen Biografie wie selbstverständlich dazu. Heute wird die damit verbundene Verantwortung vor allem in großen Städten als Arbeit definiert, die irgendwie schön ist, aber auch ganz schön anstrengend sein kann.

Aber keine Sorge, die Gesellschaftskritik, die "Ein freudiges Ereignis" enthält, blitzt nur randläufig auf. Die Stimmung bleibt weitgehend leicht, luftig und augenzwinkernd.

Schauspielerisch überzeugt vor allem Louise Bourgoin, die bereits in "Das verflixte 3. Jahr" im internationalen Kino auf sich aufmerksam machte. In ihrer Rolle der schwangeren Barbara wird sie zur Identifikationsfigur aller werdenden Eltern. Mit allen depressiven und postnatalen Schattenseiten.

Aus deutscher Sicht überrascht vielleicht ein wenig, dass Babys selbst in Frankreich inzwischen zur emotionalen Last stilisiert werden. Die Zeiten haben sich offenbar auch bei unseren vermeintlich kinderfreundlichen Nachbarn geändert. Europa gleicht sich aneinander an - auch beim Kinderkriegen.

(obr/dapd)