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Kino

Kino-Tipp: Django Unchained

Über drei Jahre nach "Inglourious Basterds" kehrt Regisseur und Drehbuchautor Quentin Tarantino mit seinem neuesten Werk "Django Unchained" in die Kinos zurück.

Der 49-Jährige widmet sich dabei einem seiner Lieblingsgenres: dem Spaghetti-Western.

Mit dem Einstieg etabliert Tarantino seine beiden Helden: Da trifft der angebliche Zahnarzt Dr. King Schultz (Christoph Waltz) mit seiner skurrilen Kutsche auf eine kleine Sklavenkarawane angeführt von zwei Aufsehern. Das Treffen endet blutig als die beiden Männer Schultz den Sklaven Django (Jamie Foxx) nicht verkaufen wollen. Schultz, der sich als deutscher Kopfgeldjäger entpuppt, löst den Konflikt schnell und bleihaltig, nimmt Django mit und befreit die anderen Sklaven. Grund der Aktion: Django kann drei vom Gesetz gesuchte Verbrecher identifizieren, für die Schultz das Kopfgeld eintreiben will. Für seine Hilfe verspricht er ihm die Freiheit. Schultz hält sein Versprechen und macht ihm ein Angebot, als er Djangos Talent erkennt. Der ehemalige Sklave wird Schultz' rechte Hand und Schultz hilft Django, seine Ehefrau Broomhilda (Kerry Washington) wiederzufinden. Ihre Suche führt sie zu dem exzentrischen und brutalen Calvin Candie (Leonardo DiCaprio) und auf seine Plantage "Candieland".

Nach dem Dritten Reich in "Inglourious Basterds" hat sich Quentin Tarantino in "Django Unchained" der Sklaverei in Amerika im 19. Jahrhundert zugewandt. Verpackt hat er seine Geschichte als Hommage an die Spaghetti-Western des Italieners Sergio Corbucci plus einer gehörigen Dosis blutigen Abenteuerfilms. Natürlich huldigt der Regisseur dabei Corbuccis "Django" mit Franco Nero, dem er einen netten Kurzauftritt spendiert. Aber er nimmt auch Anleihen an andere Corbucci-Werke wie "Navajo Joe" mit Burt Reynolds.

Das Resultat sind wackelige Zooms in die Gesichter der Charaktere, schnelle Schnitte mitten in der Bewegung, tolle Landschaftsaufnahmen, eine große Portion schwarzer Humor und Zynismus sowie harte und dreckige Gewalt. Tarantino überzeichnet diese Elemente gekonnt, wenn zum Beispiel bei den Schießereien die Blutfontänen meterhoch aus den Körpern der Getroffenen spritzen. Dennoch findet er gerade zum Thema Sklaverei immer wieder auch ernsthafte Einstellungen. Aber auch in den teils absurd-witzigen Dialogen thematisiert Tarantino eines der dunkelsten Kapitel der US-Geschichte und entlarvt so einige Charaktere als niederträchtige Rassisten. Dazu gehört auch die häufige Verwendung des Wortes "Nigger", was in den USA zu heftigen Kontroversen führte.

Wie schon in seinen Vorgängerfilmen zeigt Tarantino eine weitere Stärke in der Wahl der Besetzung und der Schauspieler-Führung. Das Ensemble um Jamie Foxx, Christoph Waltz, Kerry Washington, Samuel L. Jackson und Leonardo DiCaprio macht richtig Spaß. Der Österreicher Waltz erinnert mit seinem wortgewandten und charismatischen Schultz an eine gute Version seines Hans Landa aus "Inglourious Basterds". Dafür gab es einen Golden Globe und eine Oscar-Nominierung. Beides hätte auch Leonardo DiCaprio verdient, der eine herrliche Karikatur eines jungen rassistischen Sklavenhalters darstellt. Gerade seine Szenen mit Samuel L. Jackson, der als Sklave Stephen ebenfalls glänzt, sind großartig - vor allem dann wenn sich im Vier-Augen-Gespräch ihre Beziehung vollkommen auf den Kopf stellt.

Sein Held Django steht aber im Mittelpunkt und Jamie Foxx kann die Figur in der Titelrolle gekonnt zum Leben erwecken. Antrieb ist seine Liebe zur vermissten Ehefrau Broomhilda, die Tarantino zu einer deutschsprechenden Sklavin macht. Hintergrund dafür sind ihre ehemaligen deutschstämmigen Besitzer, die eine besondere Liebe zur Nibelungensage pflegten. Django will sie um jeden Preis befreien; bevor das gelingt, lässt ihn Tarantino aber genreüblich tief fallen: Er muss schlimme Folter ertragen, bevor er sich zum finalen Racheakt erhebt.

Dank seiner stilsicheren Inszenierung und seines dialogstarken Drehbuchs schafft es Tarantino mit "Django Unchained" auch knapp über 160 Minuten einen harten und unterhaltsamen Genremix aus Western-Hommage, Sklavendrama und Abenteuerfilm auf höchstem Niveau abzuliefern. Da kann er es sich auch leisten, eine für den Erzählfluss eher hinderliche Szene wie die nächtliche Zusammenkunft einer Gruppe von Reitern mit weißen Stoffsäcken über dem Kopf, die Dr. Schultz und Django jagen, einzuschieben und so den Klu-Klux-Klan aufs Korn zu nehmen.

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