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Kino

Kino-Tipp: Der Geschmack von Rost und Knochen

Jacques Audiard ist einer der wichtigsten zeitgenössischen Regisseure Frankreichs. Mit seinem letzten Film "Ein Prophet" zeichnete er die kriminelle Laufbahn eines Jugendlichen nach und warf ein ungeschöntes und authentisches Licht auf die dunklen Seiten seines Landes.

In "Der Geschmack von Rost und Knochen" erzählt er nun auf ebenso ungewöhnliche Weise eine Liebesgeschichte.

Ali (Matthias Schoenaerts) hat keine Arbeit und plötzlich seinen fünfjährigen Sohn Sam am Hals, den er kaum kennt. Zusammen reisen die beiden nach Südfrankreich zu Alis Schwester Anna (Corinne Masiero), bei der sie in der Garage unterkommen. Ali versucht sich und Sam mit Gelegenheitsjobs über Wasser zu halten. So trifft er eines Tages als Türsteher einer Disko bei einer Schlägerei auf Stéphanie (Marion Cotillard), die als Trainerin für Killerwale in einem Aquapark arbeitet. Ein schrecklicher Schicksalsschlag lässt die beiden nach einiger Zeit wieder aufeinandertreffen. Ohne es zu wollen und zu wissen, helfen sich die beiden Außenseiter dadurch wieder zurück ins Leben.

Lose basiert "Der Geschmack von Rost und Knochen" auf der Kurzgeschichtensammlung des US-Autors Craig Davidson, die unter anderem im Preiskämpfer-Milieu spielt. Audiard und Thomas Bidegain, der auch am Drehbuch zu "Ein Prophet" mit Audiard zusammen gearbeitet hat, haben die Geschichte an die Cte d'Azur verlegt. Die beiden Hauptfiguren Ali und Stéphanie kommen in der Vorlage nicht vor.

Audiard wirft die beiden an den Rand der Gesellschaft. Um das zu unterstützen zeigt er das von vielen als Urlaubsziel geliebte Südfrankreich als kalten und schmutzigen Ort. Von Idylle ist keine Spür. Trotzdem gelingen Audiard schöne, teils beeindruckende Bilder, die den Zuschauer in die besondere Atmosphäre ziehen, die "Der Geschmack von Rost und Knochen" entwickelt.

Der Film zeigt die Menschen ungeschönt, Audiard hat mit Ali sogar einen Charakter ausgewählt, der nicht sonderlich sympathisch erscheint. Er vernachlässigt seinen Sohn, wird ihm gegenüber sogar handgreiflich. Er dreht ein paar krumme Dinger und verdient sich als Kämpfer in illegalen Hinterhof-Fights. Audiard wertet diese Dinge jedoch nicht, sondern lässt Ali und seine Umgebung sprechen. Der Belgier Matthias Schoenaerts spielt diesen ungezähmten Menschen mit der notwendigen Körperlichkeit, ihm gelingt es aber auch die Emotionen der Figur glaubhaft zu transportieren.

Nach einem Unfall hilft Ali der isolierten Stéphanie. Obwohl er bei all seinen Mitmenschen einen erheblichen Mangel an sozialer Kompetenz aufweist, so ist seine Direktheit genau das Richtige für Stéphanie. Mit ihrem eindringlichen, jedoch nie aufdringlichen Spiel entwickelt Marion Cotillard dabei eine Figur, die verletzlich und melancholisch ist, zugleich jedoch auch unglaublich stark. Zunächst Opfer, wird Stéphanie für Ali ebenfalls zum Retter. Dafür wurde sie mit einer Nominierung für den Golden Globe belohnt.

Den Weg der beiden zeigt der Film ohne Sentimentalitäten oder Schnörkel. Audiard hält dabei den Zuschauer oft nah bei seinen Figuren, die Kamera blickt tief in die Gesichter und lässt sie auf der Leinwand wirken.

"Der Geschmack von Rost und Knochen" ist ein ungewöhnlicher und schöner Film über die Reise zweier Menschen, die einander helfen ins Leben zu finden und sich dabei verlieben. Die Geschichte folgt dabei nicht den üblichen Konventionen, sondern überzeugt mit einer angenehm direkten und unsentimentalen Perspektive.

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