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Kino

Kino-Tipp: "Dead Man Down"

Spätestens als Gangsterboss Alphonse seinen besten Mann leichenstarr in der Tiefkühltruhe entdeckt, wohlgemerkt in seiner hochgesicherten Villa, muss er sich ernsthaft Sorgen machen.

Da macht sich jemand richtig Mühe, um ihn in Angst und Schrecken zu versetzen. Denn im Mund des Toten findet sich der Schnipsel eines zerrissenen Fotos - passend zu jenen, die dem New Yorker Unterwelt-King über Wochen bereits anonym zugeschickt worden sind.

Was Alphonse (Terrence Howard) zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen kann: Der geheimnisvolle Unbekannte, der hier einen komplizierten, aber höchst perfiden Racheplan geschmiedet hat, ist sein treu ergebener Mitarbeiter Victor (Colin Farrell). Der hat sich einzig und allein deshalb in das Syndikat eingeschmuggelt, um seine Ehefrau rächen zu können, die bei einem von Alphonse kriminellen Deals gewissermaßen als Kollateralschaden zu Tode kam.

Nach dem internationalen Erfolg der Stieg-Larsson-Verfilmung "Verblendung" (2009) war auch Hollywood auf Niels Arden Oplev aufmerksam geworden und hatte den Regisseur mit Angeboten überschüttet. Aus über 250 Drehbüchern pickte sich der Däne für sein US-Debüt nun "Dead Man Down" des "The Mexican"-Autors J. H. Wyman heraus. Das bot ihm offensichtlich reichlich Gelegenheit, um die düstere Atmosphäre und den Psycho-Nervenkitzel des schwedischen Thrillers mal vor einer New Yorker Kulisse auszuprobieren und mit einer internationalen Darstellerriege zu arbeiten.

Der Ire Colin Farrell etwa ist als Actionheld und als der von Trauer und Rache zerfressene Witwer gleichermaßen überzeugend. Seinen wichtigster Gegenpart, Victors introvertierte Nachbarin Beatrice, ist mit Noomi Rapace besetzt, die Oplevs "Verblendung" ihren weltweiten Durchbruch zu verdanken hat.

Erst sind es stumme Blicke, die Victor und Beatrice von Wohnzimmerfenster zu Wohnzimmerfenster wechseln, dann immerhin ein Zettel im Briefkasten als erste scheue Kontaktaufnahme, gefolgt von einem verdrucksten Telefonat. Zunächst erscheint es, als würde Oplev neben seiner knallharten Thrillerstory noch eine zarte Liebesgeschichte zwischen zwei verwundeten Seelen erzählen wollen: Victor, der den Verlust seiner Frau nicht verarbeiten kann und Beatrice, deren Gesicht seit einem Autounfall verunstaltet ist. Doch auch Beatrice sinnt auf Rache und sie weiß einen Weg, um Victor zu erpressen, jenen Mann zur Rechenschaft zu ziehen, der sie zum "Monster" gemacht hat.

Was für Oplev im Drehbuch vielleicht ganz schlüssig und deshalb überzeugend erschien, wirkt nun auf der Leinwand bisweilen etwas unentschieden. Farrell und Rapace haben leider nicht genügend Gelegenheit, ihre dunkle Schicksals- und Seelenverwandtschaft packender herauszuarbeiten. Stattdessen widmet sich Oplev mit weitaus größerer Sorgfalt den furiosen Actionszenen, die in einem brachialen Finale gipfeln. Von einem subtilen, doppelbödigen Rachedrama allerdings, wie es sich zu Beginn des Filmes abzuzeichnen schien, kann zuletzt kaum mehr die Rede sein.

(obr/dapd)