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© NFP/Georges Pauly

Kino

Kino-Tipp: Das Leben ist nichts für Feiglinge

Überwältigende Emotionen und großes Drama bietet Regisseur André Erkau in seinem neuen Film "Das Leben ist nichts für Feiglinge". Eine verstörte Tochter, ein überforderter Vater und ihre lebensbejahende, aber krebskranke Oma bieten viel Stoff für Schmerz und tiefgründige Fragen über das Leben, die Wotan Wilke Möhring in der Hauptrolle von Vater Markus überzeugend beantwortet.

Denn als seine Frau bei einem Unfall stirbt, steht der introvertierte Markus alleine mit seiner 15-jährigen Tochter Kim (Helen Woigk) da. Anstatt sich dem Vater nach dem Tod ihrer Mutter zu öffnen, verschanzt sich diese lieber in ihrem Zimmer. Oma Gerlinde (Christine Schorn) versucht, die dunkle Stimmung im Hause aufzulockern - hier folgt aber gleich der nächste Schicksalsschlag: Gerlinde hat Darmkrebs. Das erfahren Vater Markus und Kim aber nicht durch sie selbst, sondern durch ihre Pflegerin Paula (Rosalie Thomass).

Paula ist dabei ein Funken Optimismus in all der Düsternis. Immer gut gelaunt, jung und dynamisch gewinnt sie das Herz der Krebskranken und heitert auch die Stimmung der Zuschauer auf, indem sie Gerlinde auffordert, den Krebs mit außergewöhnlichen Methoden - sie solle mit ihm sprechen - zu besiegen.

Paulas fröhliche Art steht im krassen Gegensatz zur destruktiven Haltung von Markus. Überhaupt treffen im gesamten Film Charaktere aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein können und sich mit ihren gänzlich verschiedenen Lebensvorstellungen arrangieren müssen. Die Schauspieler wirken in ihren Rollen authentisch, allerdings wird Kim in manchen Teilen etwas überspitzt als rebellierender Teenager dargestellt. So führt sie kein traditionelles Tagebuch mehr, sondern schreibt stattdessen SMS an ihre tote Mutter. An einer Annäherung an ihren verzweifelten Vater scheint ihr auch nicht viel zu liegen - sie zieht ganz andere Konsequenzen aus der Situation.

Denn als Kim mit dem Schulabbrecher Alex (Frederick Lau) an die Nordküste flieht, verwebt sich das Familiendrama mit einer rührenden Liebesgeschichte und bietet hochklassiges Gefühlschaos auf allen Ebenen. Nach "Mann tut, was Mann kann" und dem Fernsehfilm "Das Adlon - Eine Familiensaga" glänzt Wotan Wilke Möhring in einer Rolle, die ihn als dreifacher Vater auch persönlich fordert: "Die beiden haben sich entfremdet. Da hat der Vater viel versäumt - ich hoffe, das passiert mir nicht", sagt er zur Vater-Tochter-Beziehung im Film. Auch die Schauspielanfängerin Helen Woigk ist erstklassig besetzt: "Ich denke, dass ich mich noch gut mit der Figur identifizieren kann", so die 21-Jährige über ihren deutlich jüngeren Filmcharakter.

(nat/spot)