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Kino

Kino-Tipp: "Beautiful Creatures - Eine unsterbliche Liebe"

Seit dem Bürgerkrieg im 19. Jahrhundert ist im Südstaaten-Kaff Gatlin nichts Großartiges mehr passiert. Der 16-jährige Ethan (Alden Ehrenreich) tröstet sich mit Lesen über die tägliche Langeweile hinweg.

Doch als die neue Schülerin Lena (Alice Englert) auftaucht, ist Ethan hin und weg. Dass Lena etwas Besonderes ist, merkt er spätestens dann, als sie von einer eifersüchtigen Tussi getriezt wird und plötzlich die Scheiben splittern. So beginnt in der Fantasy-Romanze "Beautiful Creatures" eine Liebesgeschichte, deren magische Risiken und Nebenwirkungen allerdings vergleichsweise zahm sind.

Nachdem Vampire als Objekte pubertärer Begierde gründlich abgefeiert sind, kommt, nach dem zeitreisenden Girlie in "Rubinrot", die nächste Verfilmung eines Mädchenbuchbestsellers ins Kino. Bei den "The Caster Chronicles" handelt es sich um eine vierbändige Romanserie von Kami Garcia und Margaret Stohl, in der es um die verbotene Liebe zwischen einem Mensch und einer Hexe, auch "Caster" genannt, geht.

Die Beziehung zwischen Ethan und Lena, die sich schnell finden, steht unter keinem guten Stern. Es gibt da einen Fluch aus Bürgerkriegszeiten; außerdem fürchtet sich Lena vor ihrem 16. Geburtstag, an dem sich entscheidet, ob sie sich in eine gute oder eine böse Hexe verwandelt.

Die Filmadaption des ersten Bandes "Sixteen Moons - Eine unsterbliche Liebe" erweist sich, anders als beim theatralischen "Twilight"-Paar, als vollkommen unblutig, weist relativ wenig Special Effects und dafür mehr Humor auf. So nimmt der Pubertäts-Blues von Ethan, der auf rebellische Autoren wie Kurt Vonnegut und Charles Bukowski steht, viel Raum ein.

Der smarte Bücherwurm findet Lenas unkonventionelle Hexenfamilie aufregend, obwohl ihr Onkel trickreich versucht, ihn von dem Anwesen ihres Clans fernzuhalten. Es gibt witzige Dialoge, Schlaglichter auf den familiären Knatsch der Ravenwoods, romantisch-historische Visionen und weiteren netten Hokuspokus.

Regisseur Richard LaGravenese ("P.S. Ich liebe dich") legt Wert auf verwunschene Südstaatenatmosphäre mit morbid überwucherten Herrenhäusern, deren Inneres jedoch von glamouröser Eleganz ist und in wechselnden Farben die Stimmung von Lena spiegelt. Auch die Chemie zwischen Alden Ehrenreich und der brünett-verträumten Alice Englert, Tochter der neuseeländischen Filmemacherin Jane Campion stimmt. Sie verkörpern ein Außenseiter-Pärchen, dessen magische Bestimmung anfangs eher zweitrangig erscheint.

Mit der furiosen Emma Thompson in einer Doppelrolle als örtliche Religionsfurie und fiese Oberhexe sowie Jeremy Irons als Lenas sarkastischer Onkel werfen sich sogar zwei echte Stars die Zaubersprüche an den Kopf. Doch wird diese bittersüße Romanze überhaupt ankommen bei der Teenie-Zielgruppe, die an das Pathos und an die erotische Aufladung der "Twilight"-Blutsauger gewöhnt ist? Die niedliche Hexe Lena mit ihrem Gothic- und Hippie-Flair und ihr Verehrer in Jeans und Turnschuhen bringen jedenfalls frisches Blut ins Genre. Bleibt zu hoffen, dass auch die anderen Bände der Serie verfilmt werden.

(obr/dapd)