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Kein Grimme-Preis für "Dschungelcamp"

In der Kategorie "Fiktion" werden die Autorin Dorothee Schön, Regisseur Johannes Fabrick und Schauspieler Wotan Wilke Möhring für den WDR-Film "Der letzte schöne Tag" ausgezeichnet.

Für ihre Leistungen im Justiz-Drama "Das Ende einer Nacht" (ZDF), erhalten der Autor Magnus Vattrodt, Regisseur Matti Geschonneck sowie die Schauspielerinnen Ina Weisse und Barbara Auer den Grimme-Preis.

Weitere Auszeichnungen gehen an Autor Jochen Bitzer, Regisseur Stephan Wagner und Darsteller Robert Atzorn für ihren Film "Der Fall Jakob von Metzler" (ZDF). Und Thomas Kirchner (Buch), Christian Schwochow (Regie), Lars Lange (Ausstattung) sowie die Darsteller Jan Josef Liefers, Claudia Michelsen und Sebastian Urzendowsky erhalten einen Grimme-Preis für den Zweiteiler "Der Turm".

In der Kategorie "Information & Kultur" wird Thomas Riedelsheimer für seinen Film "Seelenvögel" (WDR) ausgezeichnet. Eric Friedler bekommt einen Grimme-Preis für seine Dokumentation "Ein deutscher Boxer". Für das Porträt "Vaterlandsverräter" (ZDF/ARTE) über den früheren DDR-Schriftstellers Paul Gratzik erhält Annekatrin Hendel eine Auszeichnung. Und Andrej Nekrasov, György Dalos, Christian Beetz und Georg Tschurtschenthaler erhalten einen Grimme-Preis für die Reihe "Lebt wohl, Genossen!"

In der "Unterhaltung" erhalten Mizzi Meyer, Arne Feldhusen und Bjarne Mädel einen Grimme-Preis für die Folge "Schottys Kampf" aus der Serie "Der Tatorteiniger" (NDR). Außerdem werden die Macher von "Switch Reloaded - 'Wetten, dass..?'-Spezial" (ProSieben) ausgezeichnet, namentlich Martin Brindöpke und Markus Hennig (beide Buch), Dirk Nabersberg (Regie), Sarah Wirtz (Maske) und Max Giermann (stellvertretend für das Ensemble). Hier wird die Premiere des neuen "Wetten, dass..?"-Moderators Markus Lanz satirisch aufs Korn genommen.

Der Grimme-Preis wird vom Deutschen Volkshochschulverband (dvv) gestiftet und gilt als die renommierteste Auszeichnung für Fernsehschaffende. Er ist nach dem sozialdemokratischen Kulturpolitiker Adolf Grimme (1889-1963) benannt. Vor dem Zweiten Weltkrieg saß er bis 1933 als Abgeordneter im Preußischen Landtag, danach war er ab 1946 der erste niedersächsische Kultusminister; anschließend prägte er ab 1948 als Generaldirektor die größten deutsche Rundfunkanstalt, den NWDR.

1955, nach der Teilung des Senders in NDR und WDR, ging Grimme in den Ruhestand. Der nach ihm benannte Preis soll an sein Lebenswerk erinnern. Grimme trat sein Leben lang für eine Verbindung von Christentum und Sozialismus ein: "Ein Sozialist kann Christ sein, ein Christ muss Sozialist sein", lautete sein berühmtes Credo.

1964, ein Jahr nach dem Tod von Adolf Grimmer, wurde der Preis erstmals in der Ruhrgebietsstadt Marl verliehen. Einer der ersten Preisträger war der Autor und Regisseur Gerd Oelschläger, dessen Fernspielspiel "Sonderurlaub", in dem es um eine gescheiterte Flucht aus der DDR ging, prämiert wurde. 1973 wurde das Grimme-Institut in Marl gegründet, das die Preise verleiht und TV-Sendungen und -leistungen auszeichnet, "die für die Programmpraxis vorbildlich und modellhaft sind", wie es im Statut des Grimme-Instituts steht.

Diese Kriterien für einen Grimme-Preis haben auch die Kritik an der Nominierung des Reality-Formats "Dschungelcamp - Ich bin ein Star, holt mich hier raus" hervorgerufen. Kritiker empfanden, dass das "Dschungelcamp" in keiner Weise für eine Programmpraxis vorbildlich und modellhaft sei. Erboste Grimme-Preisträger drohten, ihre Auszeichnung zurückzugeben.

(nl/spot)