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Katharina Böhm: "Als Kind wurde ich gehänselt"

Wer Katharina Böhm lange kennt, muss schmunzeln, wenn er heute Abend das ZDF ("Die Chefin" um 20.15 Uhr) einschaltet. Dort gibt das ehemalige Hippie-Kind ausgerechnet eine Polizistin.

Als Kriminalhauptkommissarin Vera Lanz jagt sie Verbrecher durch München als hätte sie ihr Leben lang nichts anderes getan. Für Katharina Böhm nicht nur eine Rolle, sondern auch ein bisschen Versöhnung mit einer Berufsgruppe, für die sie nicht immer viel Sympathien hatte, wie sie der Nachrichtenagentur spot on news verriet.

Wie gefällt Ihnen die Ermittlerin Vera Lanz?

Eine Figur nach meinem Geschmack. Insbesondere gefällt mir, dass Vera Brüche hat und ein bisschen zweigleisig durch die Geschichte läuft, immer am Rande der Legalität. Keine langweilige Beamtin, die Dienst nach Vorschrift macht, sondern eine Frau, deren Naturell mir durchaus entgegenkommt.

Haben Sie im Vorfeld Polizisten getroffen?

Ich habe in Vorbereitung auf die Rolle einige gesprochen, was mir ursprünglich gar nicht so leicht fiel. Als Kind der 80er Jahre, aus sehr freigeistigem Elternhaus, waren mir Gesetzeshüter bis dahin immer eher suspekt. In meiner Kindheit sind bei uns eher linksorientierte Freigeister und schräge Künstler ein- und ausgegangen. Das prägt einen. Und meine bisherigen Polizei-Kontakte, beschränkten sich auf die Auseinandersetzung bei Anti-Atomkraft-Demonstrationen.

Hat sich Ihr Bild durch die Auseinandersetzung mit der Rolle geändert?

Ja. Ich habe, sehr angenehme und interessante Menschen kennengelernt. Die gibt es in allen gesellschaftlichen Schichten und Berufen. Eigentlich auch ein Credo, das mir in meiner Kindheit vermittelt wurde: Bloß keine Schablonen und keine Pauschalisierungen!

Wie war Ihre Kindheit?

Ich hab schon ganz deutlich gemerkt, dass meine Eltern anders sind, als die der anderen. Wenn meine Mutter in einer durchsichtigen Indien-Bluse in meiner Schule einlief, wollte ich am liebsten im Erdboden versinken. Ich fand es toll, aber die anderen fanden es komisch. Und für meinen Vater, den "berühmten" Schauspieler, habe ich mir auch viele Hänseleien gefallen lassen müssen.

Verletzt einen das?

Anfangs schon, aber irgendwann überwiegt das Gefühl, dass man besonders coole Eltern hat. Ich hatte eine sehr glückliche Kindheit und habe sehr viel Liebe und Unterstützung erfahren.

Was haben Sie mitgenommen?

Das soziale Gefüge, mit all den Künstlern, die bei uns Zuhause ein- und ausgingen, hat mein sehr tolerantes, herzliches und offenes Weltbild geprägt. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert, und das sind Werte, die ich auch an meinen Sohn weitergeben möchte.

Was hält der von Mamas Beruf?

Ich bin eine relativ normale Mutter. Nicht zu streng, aber auch nicht zu lasch. Es ist wichtig, Grenzen abzustecken, gerade wenn man, wie ich, allein erziehend ist. Sam hat zwar Kontakt zu seinem Vater, aber die Hauptverantwortung liegt bei mir.

Wie läuft das, wenn Sie drehen?

Ich habe ein Aupair-Mädchen und eine Freundin, die sich um meinen Sohn kümmern. Und dadurch, dass ich seit 44 Jahren am selben Ort wohne, habe ich eine äußerst gut funktionierende Infrastruktur um mich herum, mit Freunden, Nachbarn und Tanten.

Freut sich Junior, wenn Mama aus dem Haus ist?

Ich hoffe nicht. Wir haben ein gutes Verhältnis und er weiß, dass er jederzeit mit allen Problemen zu mir kommen kann. Bei mir gibt's weder Liebesentzug für schlechte Noten, noch moralinsaure Vorträge. Ich denke, dass ich eine relativ entspannte Mutter bin.

Was haben Sie vom Vater geerbt?

Meinen freien Geist.

Ist er Ihr Vorbild?

In erster Linie ist er mein Vater und zwar einer, mit dem ich auch mal kritisch gewesen bin. So hat er mich einfach erzogen. Und natürlich finde ich die Organisation "Menschen für Menschen", die er ins Leben gerufen hat eine großartige Sache.

Haben Sie seinen legendären Auftritt bei "Wetten, dass..?" damals live verfolgt?

Ja, und ich war genauso überrascht wie der Rest der Welt. Wir saßen alle Zuhause vorm TV, weil er uns ausdrücklich drum gebeten hatte und waren einfach alle total platt.

(ali/spot)