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Josefine Preuß: "Irgendwann will man keine Pubertät mehr spielen"

Mit "Das Adlon. Eine Familiensaga" liefert das ZDF das erste TV-Highlight des Jahres. Der prominent besetzte Dreiteiler über das weltbekannte Hotel am Pariser Platz erzählt die Geschichte und Verbindung zweier Familien über vier Generationen und spannt den Bogen von der Eröffnung in der Kaiserzeit im Jahr 1907 bis zur Wiedereröffnung im Jahr 1997. Die Crème de la Crème der deutschen Schauspielerriege, darunter Heino Ferch als Adlon-Chef junior, Marie Bäumer als dessen Ehefrau Hedda sowie Sunnyi Melles, Anja King und Wotan Wilke Möhring wirkten bei dieser Zehn-Millionen-Euro-Produktion mit.

In der Hauptrolle glänzt Josefine Preuß, die mit der Kultserie "Türkisch für Anfänger" ihren Durchbruch feiern und mit dem Dreiteiler nun ihre erste große Rolle ergattern konnte. Wie sehr sie sich vor den Dreharbeiten gefürchtet hat und ob sie mit dem Mehrteiler endgültig ihr Image von der "kleinen Süßen" abstreifen will, erklärt sie im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news.

Wie kam es dazu, dass Sie diese Rolle im hochkarätig besetzten "Hotel Adlon" bekommen haben?

Oliver Berben (Produzent des Films, Anm. d. R.) hatte mir die Bücher zugeschickt. Meine Agentin vergaß mir aber zu sagen, um was es für eine Rolle geht. Ich weiß bis heute nicht, ob sie es bewusst oder unbewusst gemacht hat. Auf jeden Fall habe ich sehr objektiv diese Drehbücher gelesen und ich dachte: Wow, was für ein Klopper! Hut ab, wer auch immer das macht. Als ich dann hörte, dass ich die Rolle von Sonja Schadt übernehmen soll, so ganz ohne Casting, ist mir die Kinnlade heruntergeklappt. Ich dachte: Wow, das ist krass, was geht hier gerade ab? Ein Riesengeschenk!

Hatten Sie Angst vor den Dreharbeiten?

Ich hatte total Schiss. Außer mit Anja Kling hatte ich mit keinem der Kollegen bisher zusammengearbeitet. Ich hatte natürlich Muffensausen, aber alle waren so unglaublich professionell, unkompliziert und freundlich. Ich liebe diese Adlon-Familie einfach. Und nach Drehschluss dachte ich: Mein Gott, warum denn nur ein Dreiteiler, lasst uns doch acht machen. Dann würden wir nämlich heute noch drehen.

Mit welchem Ihrer Kollegen haben Sie sich am besten verstanden?

Mit allen natürlich. Aber die schönsten und emotionalsten Szenen hatte ich mit Ken Duken (spielt ihre große Liebe Julian, Anm. d. R.). Das ist ein Spielpartner, den kann ich nur in den Himmel loben.

Die Liebesgeschichte zwischen Julian und Sonja erstreckt sich über mehrere Jahrzehnte. Glauben Sie an die eine große Liebe?

Ja, aber ich glaube bei durchschnittlich 80 Lebensjahren ist es schwer, genau den Deckel zu finden. Aber den einen, den gibt's ganz sicher!

Wie war es für Sie, in diesen opulenten Kostümen zu drehen?

Ich habe nach diesem Dreh wirklich gelernt, und da setze ich auch doppelt und dreifach meine Unterschrift darunter: Kleider machen Leute! Das ist mir noch nie so bewusst geworden wie nach diesem Film. Seien es die schönen Paillettenkleider aus den 20er Jahren, die toll herumwirbeln, wenn man Charleston tanzt, sei es die Nachkriegswolle, die einfach abartig zu tragen ist, die kratzt und juckt, aber wärmt. Sei es die biederen 50er-Jahre-Kostüme, all das unterstützt sehr in diesem Film.

Welchen 20er-Jahre-Star hätten Sie gerne mal persönlich getroffen?

Josephine Baker, den Bananen-Boogie hätte ich schon gerne mal live gesehen. Oder auch Charlie Chaplin, klar. Die beiden in der Kombo, mit den beiden an der Bar.

Sie spielen Sonja Schadt im Alter von 15 bis 55 Jahren. War es schwierig für Sie, eine ältere Frau darzustellen?

Ich habe mir darüber sehr den Kopf zerbrochen. Ich hatte wirklich Angst davor, man will es ja so realistisch wie möglich machen. Aber die Kostüme und gerade auch die Maske haben schon sehr geholfen. Hätte ich dann auch noch alt gespielt, obwohl ich ja schon alt aussehe, dann wäre es eine Karikatur gewesen. Das Geheimnis war, einfach nur das Tempo herauszunehmen. Langsamer gehen und sprechen, sich ein bisschen vorstellen, man hätte eine Last auf den Schultern, die das Kreuz ein bisschen einsacken lässt. Und das wars auch schon. Das Aussehen war schon die halbe Miete. Ich habe wirklich gedacht, es ist schwieriger.

Wie lang saßen Sie pro Tag in der Maske?

Ganz unterschiedlich. Als 15-Jährige musste man wirklich nicht viel machen, außer ein bisschen Löckchen eindrehen und ein bisschen rosige Wangen. In der Alterungsmaske saß man natürlich schon bis zu drei Stunden.

Seit Ihrem Durchbruch mit "Türkisch für Anfänger" haftet das Image der kleinen Süßen an Ihnen. Glauben Sie "Hotel Adlon" beschert Ihnen jetzt einen Imagewechsel?

Das weiß ich nicht, das müssen andere entscheiden. Ich will da auch gar nicht davon wegkommen. Ich stehe hinter "Türkisch für Anfänger" genauso wie ich jetzt hinter "Hotel Adlon" stehe. Ich will mich beruflich natürlich auch weiterentwickeln. Ich gehe in großen Schritten auf die 30 zu, irgendwann will man keine Pubertät mehr spielen, irgendwann wird es unglaubwürdig. Wir haben so eine tolle Liga neuer junger deutscher Gesichter, Nachwuchsschauspieler, die sind jetzt an der Reihe.

Am 6. Januar startet Teil 1 von "Das Adlon. Eine Familiensaga". Am 7. und 9. Januar folgen die weiteren Teile.

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