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Jopie Heesters - drei Vorurteile über eine Legende

Ein Jahr ist er nun tot, der unvergessene Johannes Heesters, der unsterbliche Graf Danilo. Lässig und unvergleichlich elegant im Frack, einen Seidenschal um den Hals, den Zylinder charmant nach hinten geschoben und in der Hand die obligatorische Zigarette - so wird er seinem Publikum in Erinnerung bleiben.

Er starb am 24. Dezember 2011 an den Folgen eines Schlaganfalls im Klinikum Starnberg. Da war er 108 Jahre alt und somit der älteste aktiv tätige Schauspieler der Welt.

"Ich hatte ganz schlimme Phasen nach seinem Tod", verriet seine Witwe, die 46 Jahre jüngere Malerin und Schauspielerin Simone Rethel (63) der Münchner Tageszeitung "tz". Sie lebt immer noch in Heesters Haus in Söcking am Starnberger See. "Da ist Jopie, da möchte auch ich sein", sagte sie der Zeitschrift "Bunte". Den Todestag an Heiligabend werde sie ganz normal verbringen, voller Gedanken an den Operettenstar.

In der Erinnerung an Heesters mischen sich viele Klischees, die ein Bild ergeben, das nicht unbedingt den echten Jopie widerspiegelt. Vor allem haben drei Vorurteile ein Image geprägt, das nicht in allen Facetten der Wahrheit entspricht.

Heesters war ein typisches Kind der leichten Muse

Der am 5. Dezember 1903 im niederländischen Amersfort geborene Kaufmannssohn Johan Marius Nicolaas Heesters wollte als Kind und Jugendlicher katholischer Priester werden. Nach der Schule und einer kaufmännischen Lehre besuchte er eine Theatervorstellung - und hatte anschließend nur noch eine Vision: Er wollte unbedingt auch auf jene Bretter, die die Welt bedeuten. Nach einer Schauspielerausbildung wirkte er aber nicht in leichten Lustspielen mit, sondern debütierte in ernsten Rollen in Stücken von Shakespeare und Strindberg. Die eigentliche Karriere als Operettenstar begann erst 1936 in Berlin, dort bekam er übrigens auch den Spitznamen "Jopie". Zuvor hatte er ab 1934 das Publikum der Wiener Volksoper in "Der Bettelstudent" begeistert.

Heesters war ein Nazi

Diese Behauptung kursiert nach wie vor in Deutschland und Heesters Heimat Holland; sie ist jedoch nicht zutreffend, worunter Heesters stets sehr gelitten hat. Man könnte ihn allenfalls als Mitläufer bezeichnen. Heesters Schicksal war es, dass er den Nationalsozialisten und auch Hitler sympathisch war und sein Publikum in schwierigsten Zeiten vom Elend des Krieges abgelenkt hatte. Mit seinen zahlreichen Operettenverfilmungen und vor allem als Graf Danilo in der Léhar-Operette "Die lustige Witwe" gehörte Heesters zu den sogenannten "Gottbegnadeten", einer Liste von unverzichtbaren Schauspielern (darunter auch Hans Albers), über die Propagandaminister Joseph Goebbels wachte.

1941 hatte er zusammen mit dem Ensemble des Münchner Gärtnerplatztheaters für einen Tag das KZ Dachau besucht, jedoch keine Sondervorstellung gegeben. Er war weder Parteimitglied der NSDAP noch hatte er die deutsche Staatsangehörigkeit. Bis zu seinem Tode war Heesters niederländischer und österreichischer Staatsbürger. Ein holländischer TV-Moderator hatte dem damals 106-Jährigen die Feststellung abgerungen, dass Hitler "ein Kerl" war. Auf die schnelle Nachfrage "Ein guter Kerl?", antwortete Heesters völlig verwirrt: "Ja, ein guter Kerl."

Heesters war ein manischer Frauenheld

Das war sein Image - der Bruder Leichtfuß im Wrack und Zylinder. Doch vor seiner Ehe (ab 1992) mit der 46 Jahre jüngeren Schauspielerin Simone Rethel, war er nur einmal verheiratet. 1930 ehelichte er den belgischen Bühnenstar Louisa "Wiske" Ghijs. Mit ihr hatte er zwei Töchter: die Pianistin Louise "Wiesje" Herold-Heesters und die Schauspielerin Nicole Heesters. Erst nach dem Tod von Wiske Ghijs 1985 kam es zu der Beziehung mit Simone Rethel, von der die Schauspielerin gesagt hatte, dass "sehr viele und sehr schmerzhafte Dinge geschrieben und gesagt wurden." Man habe ihr zunächst unterstellt, sie habe es auf den berühmten Name und das Vermögen des betagten Stars abgesehen. Simone Rethel sagte in einem Interview mit "Bunte", dass sie Heesters aufrichtig geliebt und erst dann geheiratet habe, als dieser sein Vermögen an seine beiden Töchter aus der Ehe mit Wiske Ghijs überschrieben habe.

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