Navigation:

Amber Heard ist seit 2012 die Frau an der Seite von Johnny Depp. Seit Februar sind die beiden verheiratet.

Interview

Johnny Depp: Für seine Lieben würde er auch töten

Seine letzten Filme waren – vom „Fluch der Karibik“ abgesehen – eher Flops. Doch jetzt ist Hollywood-Star Johnny Depp (52) mit „Black Mass“ zurück. Darin brilliert er als psychopathischer Gangster-Boss – sogar von Oscar-Ehren ist schon die Rede.

Los Angeles. Sie hatten schon einmal großen Erfolg mit einer Rolle, die im Mafia-Milieu spielt. Donnie Brasco, ein vom FBI eingeschleuster Undercover-Agent. Damals waren Sie allerdings viel jünger.
Damit wollen Sie sagen, dass ich jetzt alt bin.

Um Himmels willen, nein.
Keine Angst, ich sage das auch selbst über mich (lacht). Donnie Brasco war 1997. Die perfekte Rolle für mich zur perfekten Zeit. Damals habe ich viele dieser Mafia-Typen kennengelernt, habe mit ihnen nachts abgehangen.

Haben Sie von diesen Erfahrungen etwas in „Black Mass“ eingebracht?
Unterbewusst. Ich fühlte damals, dass es keinen großen Unterschied zwischen den Burschen bei der Mafia und denen beim FBI gibt.

Wie schwierig ist es, einen kaltblütigen Psychopathen zu spielen?
Es war eine reizvolle Aufgabe. Der einzige Weg, mich in eine solche Figur hineinversetzen zu können, ist, seine menschliche Seite zu finden. Und Jimmy Bulger hatte eine sehr sensible Seite. Er war ein liebevoller Familienmensch, der seine Mutter und seinen Bruder vergötterte.

Dann war er aber auch ein gewalttätiger, brutaler Mann, der an 19 Morden beteiligt war.
Das war Teil seines Geschäfts. Er musste so werden, um sich durchsetzen zu können. Und da hat ihm seine dunkle Seite sehr geholfen. Die Kunst für mich war, seine beiden Seiten in Einklang zu bringen.

Sie gehen ganz in Ihren Rollen auf. Wie lange dauert es nach der letzten Klappe, bis Sie wieder nur ganz Johnny Depp sind?
Das kommt wirklich auf die Rolle an. Aber es dauert manchmal Wochen, in denen ich regelrecht melancholisch bin. Man war am Drehtag länger jemand anderes als man selbst. Man kann nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.

Wie viel Johnny steckt in James?
Man kann gar nicht anders, als private Dinge aus seinem eigenen Leben für emotionelle Momente heranzuziehen. Zum Beispiel, als Jimmys kleiner Sohn im Film stirbt, da musste ich daran denken, dass meine Tochter Lily Rose auch fast gestorben wäre. Sie war mit sieben Jahren drei Wochen im Krankenhaus. Ihr Leben stand auf des Messers Schneide. Ich habe meine Gefühle der Angst und Ohnmacht hervorgeholt.

Ihre Tochter ist sehr erfolgreich in Ihre Fußstapfen getreten. Sie ist schon fast so berühmt wie ihr Papa …
… und das erschreckt mich zu Tode (lacht)! Es war nicht mein Plan, dass Lily Rose Schauspielerin wird. Aber das ist nun einmal ihre große Leidenschaft. Dass sie sich aber so schnell selbst einen Namen macht ... Mein Gott, sie war gerade noch mein kleines Mädchen. Und plötzlich ist sie eine Frau, die allein unterwegs ist und von Karl Lagerfeld eingekleidet wird. Nichts kann sie aufhalten. Und natürlich bin ich unglaublich stolz auf sie.

Wie eng sind Vater und Tochter?
Sehr. Sie weiß, dass ich immer für sie da bin und ihr mit Rat und Tat zur Seite stehe. Das ist das Wichtigste, was Eltern für ihre Kinder tun sollten. Sie ist ein sehr kluges Mädchen. Darum traue ich ihr natürlich. Aber dennoch: Wenn ich sie plötzlich in diesen sehr weiblichen Outfits mit voller Kriegsbemalung sehe, dann ist das hart. Hat jemand Opium für mich? (lacht)

Sie haben Ihr Anwesen in Frankreich zum Verkauf ausgeschrieben. Weil Sie jetzt ein neues Kapitel im Leben aufgeschlagen haben?
Ich habe überhaupt nichts davon gewusst, dass die Immobilie auf dem Markt ist. Ich war neulich mit meiner Frau Amber da und war völlig geschockt. Ich will den Ort, an dem meine Kinder aufgewachsen sind, unbedingt behalten. Ich hoffe sogar, dass dort vielleicht mal meine Enkelkinder groß werden.

Sie haben tolle Kinder, eine wunderschöne Frau, Geld, Ruhm und Karriere. Was macht Sie im Leben am glücklichsten?
Die ganz simplen Dinge. Einfach nur mit meiner Frau zu chillen, in Ruhe die Zeitung zu lesen oder Zeit für ein ganzes Buch zu haben. Es gibt nichts Besseres. Das hält mich davon ab, in unser verrückten Welt wahnsinnig zu werden.

Bulger hatte eine sehr innige Beziehung zu seiner Mutter. Wie hat Ihre Mutter Sie fürs Leben geprägt?
Sie hat mich abgehärtet. Sie ist in größter Armut in Kentucky groß geworden und musste ums nackte Überleben kämpfen. Als ich in der Grundschule von anderen Kids gemobbt und attackiert wurde, hat sie mir geraten „Pack dir das nächste Mal einen Backstein und schlag sie k.o.“ Das hab ich getan und hatte danach meine Ruhe. Ich habe das später metaphorisch weiter so gehalten. Man darf nicht zulassen, dass man ungerecht behandelt wird.

Diese Methode hätte Bulger auch gefallen. Haben Sie ihn eigentlich persönlich getroffen?
Nein. Ich habe ihn über seinen Anwalt gefragt, ob ich mich mit ihm in Gefängnis treffen kann. Ich wollte seine Art zu sprechen und seine Mimik studieren. Er hat abgelehnt. Er hasst das Buch, auf dem der Film basiert. Das kann ich auch verstehen. Ich bin selber jemand, der oft von Schreibern auf falsche Art und Weise dargestellt wird.

In der Mafia bedeutet Loyalität alles. Wie wichtig ist es für Sie?
Loyalität bedeutet mir alles. Ich würde alles, aber auch wirklich alles für die Menschen tun, die ich liebe. Die mit mir durch die Höhen und Tiefen, die schlechten und die guten Tage im Leben gegangen sind. Ich würde für sie Verbrechen begehen, sogar töten. Dierk Sindermann


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Anzeige

Bild des Tages

Der Himmel brennt: NP-Leserin Sina Schröder fotografierte den atemberaubenden Sonnenuntergang in Döhren.

zur Galerie