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Die Stimme ist sein Instrument: Joe Cocker.

Die Stimme ist sein Instrument: Joe Cocker. © Balazs Mohai

Musik

Joe Cocker: "Wir leben in merkwürdigen Zeiten"

Joe Cocker legt nach: Der 68-Jährige hat mit "Fire It Up" ein neues Album veröffentlicht. Im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa spricht der Brite über seine musikalischen Anfänge, den technologischen Fortschritt und über seltsame Zeiten, die er nicht versteht.

Berlin. Der Titel Ihres neuen Albums heißt "Fire It Up" (Auf geht's!) - wollen Sie damit sagen, dass Sie jetzt richtig loslegen?

Cocker: "Nein. In dem gleichnamigen Song auf dem Album, singe ich "Let love live again" (Lass Liebe wieder leben). Das trifft es wohl eher."

Sie erzählen in dem Song "Younger", dass Sie lernen möchten, wie man Blues-Gitarre spielt. Können Sie denn gar kein Instrument spielen?

Cocker: "Das ist eines der traurigen Kapitel meines Lebens. Als ich anfing zu singen, hatte ich viele Freunde, die Gitarre spielten. Ich brauchte nur zu singen und schon stand einer von denen neben mir. Als ich 15 Jahre alt war, habe ich mal Schlagzeug in einer Band gespielt. Die hat dann aber entschieden, dass ich besser singen sollte. Ich habe nie gelernt Gitarre oder Klavier zu spielen. Später im Leben habe ich das bereut. Vielleicht hätte ich viel mehr Songs geschrieben."

Gibt es noch mehr Entscheidungen in Ihrem Leben, die Sie rückblickend bereuen?

Cocker: "Es ist bislang ein bemerkenswertes Leben gewesen. Wer weiß, vielleicht hätte ich auch Spaß daran gehabt, einfach weiter als Gasinstallateur in Sheffield zu arbeiten - in dem Beruf, den ich damals gelernt habe. Wer hätte schon gedacht, dass ich Dutzende Male um die Welt reisen und vor großem Publikum auftreten würde."

Es gibt Sänger, die sich in erster Linie mit ihren Texten ausdrücken. Wie steht es mit Ihnen?

Cocker: "Ich muss alles durch meine Stimme transportieren. Ich denke, dass das auch der Grund ist, warum mir meine Fans über all die Jahre treugeblieben sind. Ich drücke damit Emotionen aus - das ist alles was ich tue."

Sind Sie es manchmal leid, dass alle ständig vor allem ihre Hits hören wollen?

Cocker: "Es gab mal einen Moment, da wusste ich nicht, wie lange ich das noch schaffe. Ich habe mich aber schnell damit abgefunden. Es gibt einen Grund dafür, dass die Leute die Songs hören wollen, für die man bekannt ist. Sobald die ersten Akkorde von einem Song wie "You Can Leave Your Hat On" erklingen, wird den Leuten im Publikum irgendwie anders. Es fasziniert mich, auf der Bühne zu stehen und das zu beobachten."

Lassen sich Botschaften mit Musik besser verbreiten?

Cocker: "Frieden und Liebe gehen Hand in Hand mit Musik - das war immer meine Philosophie. Musik hat eine heilende Kraft. Die Leute kommen zu mir und bedanken sich für Lieder, die ihnen durch schwere Zeiten geholfen haben. Als ich die Songs aufnahm, hatte ich das nicht im Sinn. Der Song "I Come In Peace" (Ich komme in Frieden) auf meinem neuen Album hat auch eine Botschaft. Es sind doch wirklich seltsame Zeiten in denen wir leben."

Wieso?

Cocker: "Ich verstehe das ganze Durcheinander in Syrien nicht. Und dann ist da noch dieser Antiamerikanismus wegen eines dummen Videos. Ich finde es sehr besorgniserregend, denn eigentlich will doch jeder in Frieden leben. Aber die Leute bekommen über das Internet heute viel mehr von der Welt mit. Man kann die Dinge nicht mehr so vertuschen wie früher."

Sind Sie offen für neue Technologien?

Cocker: " Bis zu einem gewissen Grad versuche ich mir neue Technologien zu eigen zu machen. Jeff Beck und Eric Clapton haben mal auf einem meiner Alben Gitarre gespielt. Ich habe sie während der Aufnahmen aber nie zu Gesicht bekommen. Sie haben es einfach über das Internet geschickt. Ich verstehe, warum die Technologie gut ist und versuche mich anzupassen. Deswegen haben wir auch entsprechende Geräte auf dem neuen Album eingesetzt. Es ist so nah am Pop, wie es mir möglich ist."

Interview: Cetin Demirci, dpa

dpa