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Boulevard Jennifer Lawrence über ihren neuen Film und Nacktheit
Menschen Boulevard Jennifer Lawrence über ihren neuen Film und Nacktheit
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11:00 02.03.2018
PREMIERENLOOK So schick kam Jennifer Lawrence zu der Vorstellung des Films "Red Sparrow" in London.
Los Angeles

Welche Kriterien muss ein Film haben, zu dem Sie ja sagen?

Mir ist immer wichtig, dass ich mich nicht wiederhole und das mache, was ich schon kann, sondern aus meiner Komfortzone ausbreche. Schließlich will ich mich ja als Schauspielerin weiterentwickeln. Außerdem liebe ich das Abenteuer, das Wagnis.

In „Red Sparrow“ haben Sie tatsächlich viel gewagt ...

Die Nacktszenen fielen mir alles andere als leicht. Sie sind aber strategisch wichtig für den Verlauf der Geschichte. An „Red Sparrow“ hat mir vor allem gefallen, dass in diesem Film das Spionage-Geschäft nicht verherrlicht wird, sondern so gezeigt wird, wie es ist. Nämlich: kalt, brutal und meist lebensgefährlich. Dominika, die ich spiele, ist ja eigentlich eine Anti-Heldin. Sie ist durchtriebe und manipulativ und geht letztlich über Leichen. Ehrlich gesagt hatte ich ziemlich Schiss davor, den Film zu machen. Denn diese Rolle hat mich immer wieder mit meinen ganz eigenen Unsicherheiten konfrontiert. Ge­rade auch in punkto Sexualität.

Sie sprachen davon, dass der Film eine Art Selbstheilung für Sie war.

Ja, absolut. Früher wollte ich nie, dass man meinen nackten Körper auf der Leinwand sieht. Nacktheit ist für mich etwas sehr Persönliches. Als dann aber 2014 private Nacktfotos von mir gehackt und dann ins Netz gestellt wurden, war das ein Schock für mich. Der Vorfall hat mich seitdem schwer belastet. Es war eine ungeheure Verletzung meiner Intimsphäre, über die ich auch nach Jahren nicht hinweggekommen bin. Dass ich jetzt in „Red Sparrow“ diese Nacktszenen gemacht habe, war wie ein Befreiungsschlag.

Benutzen Sie Ihre Filme ganz bewusst auch als Selbsttherapie?

Manchmal entdecke ich während der Dreharbeiten tatsächlich etwas, was mit meiner ganz persönlichen Le­benssituation zu tun hat. In „American Hustle“ spiele ich eine Frau, die sich nichts sehnlicher wünscht, als endlich sie selbst sein zu können. Diese Lust nach Leben dann spielen zu dürfen – das ist damals geradezu explosionsartig aus mir herausgebrochen. Das hat meiner Seele ungeheuer gutgetan.

Sie sind heute ein Superstar. Wie hat Sie das verändert?

Ich habe in den letzten Jahren sicher viel an Erfahrung dazugewonnen und bin jetzt sehr viel selektiver, was die Auswahl meiner Filme be­trifft und der Menschen, mit denen ich mich umgebe. Mich zieht es zu liebenswerten, herzlichen und echten Menschen hin. Ich hasse Blender. Unlängst hat man meine Freunde interviewt. Und die haben alle gesagt, dass ich mich überhaupt nicht verändert habe. Nur die Welt um mich herum. Das ist das schönste Kompliment, das ich je bekommen habe.

Sie wollten ja auch Schauspielerin werden und nicht Hollywoodstar, oder?

Genau! Mir war schon früh in meinem Leben klar, dass ich schauspielern wollte – und musste. Ich kann nichts an­deres. Wenn ich nicht spiele, bin ich nutzlos (lacht). Als ich jünger und unreifer war, habe ich mich sehr oft darüber beklagt und nicht begriffen, warum ich ständig Autogramme geben sollte oder jeder ein Selfie mit mir haben will. Da habe ich mich eben der Presse und auch den Fans gegenüber oft sehr verschlossen und aggressiv verhalten. Das war aber nicht aus Böswilligkeit – sondern aus Selbstschutz. Schließlich habe ich kapiert, dass das eben der Preis dafür ist, dass ich in diesem wundervollen Beruf arbeiten kann. Seitdem bin ich in der Öffentlichkeit auch viel freundlicher.

Welche Qualitäten muss ein fremder Mensch haben, damit Sie ihn näher an sich heranlassen?

Für mich stehen Herzenswärme, Ehrlichkeit und Respekt an erster Stelle. Mir imponieren Menschen, die zu dem stehen, was sie denken und fühlen, und den Mut haben, das auch ganz ehrlich und unverblümt zu sagen.

Viele Schauspielerinnen haben von sexuellen Übergriffen berichtet. Ist Ihnen so etwas auch passiert?

Nicht in dem extremen Ausmaß. Aber auch ich wurde von Männern im Filmbusiness schlecht behandelt. Ich erinnere mich noch gut da­ran, wie ich als junges Mädchen bei einem Meeting mit Produzenten saß – und plötzlich legt einer seine Hand auf mein Knie. Ich war wie versteinert und wusste nicht, wie ich reagieren sollte. Das klingt heute verrückt, ich weiß. Aber damals war ich deswegen total verunsichert. Allerdings hat es nicht lange gedauert, da habe ich solche Anzüglichkeiten gleich offen angesprochen. Doch auch da hat man immer sehr schnell abgewiegelt. Aber ich habe mir das trotzdem nicht mehr gefallen lassen.

Gilt man da nicht schnell als schwierig?

Oh ja, vor allem in unserer Branche. Da ist man dann schnell als ungehobelte Göre verschrieen. Oder als Querulantin, die schwer zu vermitteln ist. Und das kann sehr schnell das Karriere-Aus bedeuten.

Glauben Sie, dass Kampagnen wie „#MeToo“ etwas verändern werden?

Das hoffe ich sehr. Leider wird es diese notgeilen Männer immer geben. Und wir werden auch nicht plötzlich das Bewusstsein von Männern verändern, die es völlig normal finden, zu vergewaltigen oder ihre sexuelle Macht anderweitig ausüben. Aber wir können sehr wohl ein Klima herstellen, in dem es unmöglich ist, dass solche entsetzlichen Übergriffe weiterhin unter den Teppich ge­kehrt werden. Und wir können eine Gesellschaft etablieren, die die Opfer und die Überlebenden solcher Attacken unterstützt.

Sie haben angekündigt, dass Sie Ende 2018 für ein Jahr aus dem Filmbusiness aussteigen werden.

Ich finde es höchste Zeit, dass ich mich auch persönlich politisch engagiere. Ich mache das vor allem in der Non-Profit-Organisation „represent.us“. Das ist ein Verein, der gegen Korruption in der Politik kämpft. Es kann doch nicht sein, dass unsere Umwelt weiterhin katastrophal verschmutzt wird, nur weil eine Handvoll mächtiger Lobbyisten in Washington das eigentliche Sagen hat. Und es braucht auch wirklich keine einzige Schießerei an einer Schule mehr, um zu erkennen, dass die Politiker, die die Macht hätten, schärfere Waffengesetzte zu verabschieden, es nicht tun, weil sie von der Waffenlobby NRA finanziert werden. Ich will meinen Bekanntheitsgrad dafür einsetzen, die jungen Menschen in den USA für Politik zu interessieren.

Sie äußerten mal den Wunsch, US-Präsident Donald Trump auf einen Martini zu treffen. Sie wollten ihm da die Meinung sagen – und ihm dann den Martini ins Gesicht kippen. Arbeiten Sie noch an diesem Date?

(Lacht) Oh mein Gott! Mittlerweile wüsste ich gar nicht mehr, was ich ihm alles sa­gen sollte. Es hätte ja sowieso keinen Sinn. Und würde ich ihm den Martini tatsächlich ins Gesicht schütten, würde ihm wahrscheinlich einer abgehen!

Von Ulrich Lössl

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