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In „Joy – alles außer gewöhnlich“ baut Jennifer Lawrence ein Imperium auf – mit der Erfindung eines innovativen Wischmopps!

Interview

Jennifer Lawrence: „Ich bin seit fünf Jahren im Goldfischglas“

In vier „Tribute von Panem“-Filmen war sie Katniss Everdeen, sie hat bereits einen Oscar und zwei Golden Globes und ist mit „Joy“ 
(ab Donnerstag im Kino) wieder eine heiße Kandidatin: An Jennifer Lawrence (25) kommt in Hollywood keiner vorbei!

Los Angeles. Um vier Uhr früh hat Regisseur David O. Russell Sie angerufen, um Ihnen die Hauptrolle in seinem neuen Film „Joy“ anzubieten?
Ich weiß nicht mehr genau, wie spät es war. Aber ich habe fest geschlafen. Er musste es wohl ewig klingeln lassen.

Der Film geht um den „selbstauswringenden Wischmopp“ – haben Sie das für einen Aprilscherz gehalten?
Überhaupt nicht! David würde nie solche Scherze machen. Und in „Joy“ geht es ja um viel mehr als nur darum, die Geschichte zu erzählen, wie Joy Mangano in den 90er Jahren den Wischmopp erfunden hat. Es ist eine Story über eine Frau, die sich nicht unterkriegen lässt. Die bereit ist, für ihre Träume zu kämpfen. Und die sich für ihre sehr anstrengende Familie fast zerreißt. Joy ist die weitaus komplexeste Figur, die ich jemals gespielt habe.

Nach „Silver Lining“ und „American Hustle“ ist das der dritte Film, den Sie mit David O. Russell gemacht haben ...
Meine Beziehung zu David ist einzigartig. Er hat mich für den kreativen Aspekt der Schauspielerei geöffnet. Er war es, der mir zeigte, was es heißt, als Schauspieler wirklich und wahrhaftig zu sein. Dass ich meine Ängste, meine Schmerzen, aber auch meine Lust und Freude in mein Spiel einfließen lassen kann – ja muss. Durch ihn habe ich in fünf Jahren so viel über mich und die Schauspielkunst gelernt wie ohne ihn vielleicht in 20 Jahren nicht. Es gibt jedenfalls wenig Menschen, die mir in meinem Leben so sehr geholfen haben wie er. Meine Mutter hat – auf ihre Art – Ähnliches geleistet.

Was denn genau?
Sie war immer an meiner Seite, und sie hat mir auch mit ihren klugen Ratschlägen sehr geholfen, den richtigen Weg zu gehen. Ohne mich in eine bestimmte Richtung zu drängen.

Sie wollten schon mit 14 Jahren Schauspielerin werden …
… und da hat sie nicht versucht, mir meinen Traum auszureden, sondern ist mit mir nach New York gefahren, um einen Agenten für mich zu suchen.

Dort wurden Sie von einem Talent-Scout angesprochen …
Er war von einer Agentur für Models und Schauspieler. Als
ich mich dann dort vorgestellt habe, sagte ich gleich, dass ich kein Model, sondern Schauspielerin werden wollte. Zuerst haben sie mich ausgelacht, aber dann haben sie es doch mit mir versucht. Erst beim Fernsehen, dann beim Film. Und als ich drei Jahre später nach Los Angeles zog, um dort mein Glück zu versuchen, ist meine Mutter mit mir mitgekommen – und hat mich zu jedem noch so aussichtslosen Vorsprechen gefahren.

Die Rolle der Bella Swan für die „Twilight“-Filme haben Sie nicht bekommen.
Ja, und das tat ganz besonders weh. Heute bin ich natürlich sehr froh, dass es damals nicht geklappt hat. Denn stattdessen habe ich ja sehr bald die Hauptrolle in den „Die Tribute von Panem“-Filmen gekriegt.

„Panem“ hat Sie zum Weltstar gemacht. Sind Sie froh, dass es damit jetzt vorbei ist?
Ich bin schon erleichtert, dass ich nächstes Jahr für keine Fortsetzung mehr vor der Kamera stehen muss. Und auch der neue „X-Men“-Film „Apocalypse“, in dem ich zum letzten Mal die Mystique spiele, ist ja schon abgedreht. Ab jetzt bin ich für die Wahl meiner Filme total allein verantwortlich.

Wie fühlt sich das an?
Erfrischend, aufregend, cool. Natürlich ängstigt mich diese neue Freiheit ein bisschen. Aber manchmal muss man eben ins kalte Wasser springen.

Laut dem „Forbes“-Magazin
haben Sie allein in diesem Jahr 50 Millionen Dollar verdient. Inwieweit hat Sie das viele Geld verändert?
Eigentlich überhaupt nicht. Für mich hat Geld auch schon früher keine große Rolle gespielt.

Wie sind Sie bei all dem Luxus auf dem Teppich geblieben?
Ich bin immer noch so authentisch wie früher. Aber natürlich hat es auf mich abgefärbt, dass ich seit fünf Jahren in dem berühmten Goldfischglas lebe. Und alles, was ich mache – vor allem auch privat – mit Argusaugen beobachtet und dann oft leider auch noch genüsslich in den Schmutz gezogen wird. Ich bin jetzt 25. Und wie jede andere junge Frau mache ich bei dem Versuch, mich im Erwachsenenleben zurechtzufinden, ab und zu mal Fehler oder schieße übers Ziel hinaus. Ich finde das übrigens völlig in Ordnung. Nur: Wenn ich etwas falsch mache, bekommt es jeder auf diesem Planeten mit. Und das ist alles andere als cool.

Als Sie sich öffentlich über die ungerechte Bezahlung von Frauen in Hollywood beklagten, haben Sie eine Lawine losgetreten.
Ja, da war so ziemlich alles dabei (lacht) –
vom Shit-Storm bis zum öffentlichen Schulterschluss von Kolleginnen. Dabei will ich eins mal klarstellen: Ich habe mich nicht darüber beklagt, dass ich wenig verdiene – sondern darüber, dass ich für die gleiche Arbeit viel weniger verdiene als meine männlichen Kollegen. Ich missgönne niemandem etwas. Und ich bin mir auch vollkommen bewusst, dass hart arbeitende Frauen in anderen Berufen viel weniger verdienen als Hollywoodstars. Mich hat nur genervt, dass wir Frauen im Hollywood-System oft ausgenutzt werden oder durch den Rost fallen, wenn wir Forderungen stellen. Ulrich Lössl


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