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GUT IM GESCHÄFT: Javier Bardem ist ein gefragter Charakterdarsteller.

GUT IM GESCHÄFT: Javier Bardem ist ein gefragter Charakterdarsteller.
 © dpa

NP-Interview

Javier Bardem: „Ich bin der gelassene Typ“

Im NP-Interview spricht der spanische Schauspieler Javier Bardem (48) über seine Schurkenrolle im neuen „Pirates-of-the-Caribbean“-Hit (startet am 25. Mai in den Kinos), über seine Ehefrau Penélope Cruz und über die Zusammenarbeit mit seinem Kollegen Johnny Depp. Außerdem verrät Bardem, was für ihn bei der Erziehung seiner Kinder das wichtigste ist.

Señor Bardem, hat Ihre Frau Penélope Cruz Sie dazu überredet, in einem „Pirates of the Caribbean“-Film mitzuspielen?

Nein, das nicht. Aber als ich Pe bei den Dreharbeiten zu „Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten“ auf Hawaii und in Los Angeles besucht habe, fand ich das Klima, das da herrschte, äußerst wohltuend. Vor allem hat mir gefallen, wie gut die Leute am Set behandelt wurden. Und ich meine nicht nur die Stars – das ist ja einfach –, sondern auch alle anderen.

Ist das so ungewöhnlich?

Wie freundlich und entspannt man da miteinander umgegangen ist – und das bei so einem Mega-Filmprojekt –, das ist ziemlich selten. Dann war ich natürlich fasziniert von den Set-Aufbauten, den Kostümen und dem ganzen Look des Films. Hier waren die Besten der Besten am Werk. Als ich 2014 den Anruf von Jerry Bruckheimer bekam, ob ich beim neuen Film mitspielen wollte, habe ich mit großer Freude zugesagt.

Zumal Sie ja als Geister-Kapitän Salazar eine der Hauptrollen spielen.

Das war nicht der entscheidende Punkt. Das wirklich Wichtige für mich ist immer, was ich aus der Rolle herausholen kann. Und Salazar lag da ganz auf meiner Linie.

Aber haben Sie nicht die meiste Zeit vor einer Green-Screen agiert? Mit Punkten im Gesicht – für das spätere Computer-Rendering? Waren Sie als Charakterdarsteller dabei nicht unterfordert?

Oh, man muss schon ein sehr guter Schauspieler sein, um so effektiv ins Leere spielen zu können. Man muss auf so vieles, das ja nicht wirklich da ist, gleichzeitig achten. Man muss auf 100 Dinge reagieren, präzise Bewegungsabläufe absolvieren und dann die ganze Wucht der Performance in jede einzelne Szene legen. Ich habe Naomi Watts immer sehr dafür bewundert, wie natürlich sie damals in dem „King Kong“-Film mit dem Riesenaffen kommuniziert hat – der ja bestenfalls ein Tennisball war. Da muss man schon eine sehr große Vorstellungskraft haben.

Es scheint Ihnen in letzter Zeit großen Spaß zu machen, den Bösen zu spielen …

… aber nur, wenn er so komplex ist wie hier. Oder wie bei „Skyfall“ oder dem Coen-Movie „No Country for Old Men“. Die Bösen waren da nämlich alle minutiös im Drehbuch beschrieben und ausgearbeitet worden. Das ist für mich immer ausschlaggebend. Denn nur auf einem soliden Fundament kann ich als Schauspieler versuchen, meine Rolle voll und ganz zur Entfaltung zu bringen.

Wie haben Sie sich auf die Figur vorbereitet?

Im Fall von Salazar habe ich mir einen wilden, verwundeten Stier vorgestellt, der schon viele Banderillas in seinem blutüberströmten Nacken stecken hat. Salazar will nur noch das Eine: denjenigen, der ihm all dieses Leid zugefügt hat, in Stücke zerfetzen!

Salazar ist von seiner Rachgier wie besessen. Haben Sie sich schon mal an jemandem gerächt?

Nein, ich bin eher der gelassene Typ. Ich glaube auch nicht, dass man eine große Befriedigung verspürt, wenn man sich rächt. Da entsteht doch vor allem eine große Leere. Ich konzentriere mich lieber auf gute Gefühle.

Wie war denn die Zusammenarbeit mit Johnny Depp? Wie man hörte, gab es am Set in Australien größere Probleme.

Was Johnnys Privatleben betrifft, darüber würde ich kein Sterbenswörtchen verlieren. Aber was seine Arbeit als Schauspieler betrifft, da finde ich ihn ganz hervorragend. Sein Timing – gerade in den lustigen Szenen – ist vollkommen. Er ein sehr sensibler und herzensguter Mensch, der am Set sehr entspannt ist und sich mit allen gut versteht. Wir mussten öfter ein bisschen warten, bis Johnny alle Crew-Mitglieder umarmt hatte. Er ist ein echter Gentleman.

Sind Sie stolz darauf, dass Sie als spanischer Schauspieler in Hollywood so großen Erfolg haben?

Ich freue mich über meinen Erfolg, sicher. Aber nicht deshalb, weil ich es als Spanier nach Hollywood geschafft habe. Dass ich auf Gran Canaria zur Welt gekommen bin, ist ein geografischer Zufall, mehr nicht. Ich lebe allerdings aus Überzeugung in Spanien. Das ist mir wichtig. Schon wegen meiner Kinder. Sie sollen im Kulturkreis ihrer Eltern aufwachsen. Deshalb haben Pe und ich Madrid als unseren Lebensmittelpunkt gewählt. Denn da leben unsere Familien, Verwandte und Freunde. Mein Nationalstolz kommt übrigens schnell an seine Grenzen: Wenn Spanien im Fußball die Weltmeisterschaft gewinnt – dann finde ich das toll. Aber das ist es dann auch schon.

Sie haben es in Ihrer Karriere erfolgreich vermieden, als „Latin Lover“ abgestempelt zu werden…

… indem ich mich ganz bewusst diesen eindimensionalen Macho-Figuren entzogen habe. Ich habe sehr schnell die Beschränkungen gesehen, die so ein Rollen-Klischee mit sich bringt. Übrigens finde ich auch dieses „Sex-Symbol“-Gerede total an den Haaren herbeigezogen. Völliger Unfug. Die Leute, die so etwas in die Welt setzen, sollten mich mal nach dem Aufwachen sehen ().

Sie sind seit einigen Jahren verheiratet und haben zwei Kinder. Inwiefern hat Sie das verändert?

Sehr! Vor allem das Vatersein. Aber nur zum Besten!

Was ist das Wichtigste, das Sie und Ihre Frau Ihren Kinder auf den Lebensweg mitgeben?

Viel Liebe. Unsere Kinder sollen sich vor allem geliebt fühlen. Und wir versuchen, ihnen die Fähigkeit zur Empathie mitzugeben. Für ihre Mitmenschen, für die Welt, in der wir alle leben. Außerdem ist uns wichtig, dass sie normal aufwachsen. Aber was ist schon normal ()?

 
Señor Bardem, hat Ihre Frau Penélope Cruz Sie dazu überredet, in einem „Pirates of the Caribbean“-Film mitzuspielen?

Nein, das nicht. Aber als ich Pe bei den Dreharbeiten zu „Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten“ auf Hawaii und in Los Angeles besucht habe, fand ich das Klima, das da herrschte, äußerst wohltuend. Vor allem hat mir gefallen, wie gut die Leute am Set behandelt wurden. Und ich meine nicht nur die Stars – das ist ja einfach –, sondern auch alle anderen.

Ist das so ungewöhnlich?

Wie freundlich und entspannt man da miteinander umgegangen ist – und das bei so einem Mega-Filmprojekt –, das ist ziemlich selten. Dann war ich natürlich fasziniert von den Set-Aufbauten, den Kostümen und dem ganzen Look des Films. Hier waren die Besten der Besten am Werk. Als ich 2014 den Anruf von Jerry Bruckheimer bekam, ob ich beim neuen Film mitspielen wollte, habe ich mit großer Freude zugesagt.

Zumal Sie ja als Geister-Kapitän Salazar eine der Hauptrollen spielen.

Das war nicht der entscheidende Punkt. Das wirklich Wichtige für mich ist immer, was ich aus der Rolle herausholen kann. Und Salazar lag da ganz auf meiner Linie.

Aber haben Sie nicht die meiste Zeit vor einer Green-Screen agiert? Mit Punkten im Gesicht – für das spätere Computer-Rendering? Waren Sie als Charakterdarsteller dabei nicht unterfordert?

Oh, man muss schon ein sehr guter Schauspieler sein, um so effektiv ins Leere spielen zu können. Man muss auf so vieles, das ja nicht wirklich da ist, gleichzeitig achten. Man muss auf 100 Dinge reagieren, präzise Bewegungsabläufe absolvieren und dann die ganze Wucht der Performance in jede einzelne Szene legen. Ich habe Naomi Watts immer sehr dafür bewundert, wie natürlich sie damals in dem „King Kong“-Film mit dem Riesenaffen kommuniziert hat – der ja bestenfalls ein Tennisball war. Da muss man schon eine sehr große Vorstellungskraft haben.

Es scheint Ihnen in letzter Zeit großen Spaß zu machen, den Bösen zu spielen …

… aber nur, wenn er so komplex ist wie hier. Oder wie bei „Skyfall“ oder dem Coen-Movie „No Country for Old Men“. Die Bösen waren da nämlich alle minutiös im Drehbuch beschrieben und ausgearbeitet worden. Das ist für mich immer ausschlaggebend. Denn nur auf einem soliden Fundament kann ich als Schauspieler versuchen, meine Rolle voll und ganz zur Entfaltung zu bringen.

Wie haben Sie sich auf die Figur vorbereitet?

Im Fall von Salazar habe ich mir einen wilden, verwundeten Stier vorgestellt, der schon viele Banderillas in seinem blutüberströmten Nacken stecken hat. Salazar will nur noch das Eine: denjenigen, der ihm all dieses Leid zugefügt hat, in Stücke zerfetzen!

Salazar ist von seiner Rachgier wie besessen. Haben Sie sich schon mal an jemandem gerächt?

Nein, ich bin eher der gelassene Typ. Ich glaube auch nicht, dass man eine große Befriedigung verspürt, wenn man sich rächt. Da entsteht doch vor allem eine große Leere. Ich konzentriere mich lieber auf gute Gefühle.

Wie war denn die Zusammenarbeit mit Johnny Depp? Wie man hörte, gab es am Set in Australien größere Probleme.

Was Johnnys Privatleben betrifft, darüber würde ich kein Sterbenswörtchen verlieren. Aber was seine Arbeit als Schauspieler betrifft, da finde ich ihn ganz hervorragend. Sein Timing – gerade in den lustigen Szenen – ist vollkommen. Er ein sehr sensibler und herzensguter Mensch, der am Set sehr entspannt ist und sich mit allen gut versteht. Wir mussten öfter ein bisschen warten, bis Johnny alle Crew-Mitglieder umarmt hatte. Er ist ein echter Gentleman.

Sind Sie stolz darauf, dass Sie als spanischer Schauspieler in Hollywood so großen Erfolg haben?

Ich freue mich über meinen Erfolg, sicher. Aber nicht deshalb, weil ich es als Spanier nach Hollywood geschafft habe. Dass ich auf Gran Canaria zur Welt gekommen bin, ist ein geografischer Zufall, mehr nicht. Ich lebe allerdings aus Überzeugung in Spanien. Das ist mir wichtig. Schon wegen meiner Kinder. Sie sollen im Kulturkreis ihrer Eltern aufwachsen. Deshalb haben Pe und ich Madrid als unseren Lebensmittelpunkt gewählt. Denn da leben unsere Familien, Verwandte und Freunde. Mein Nationalstolz kommt übrigens schnell an seine Grenzen: Wenn Spanien im Fußball die Weltmeisterschaft gewinnt – dann finde ich das toll. Aber das ist es dann auch schon.

Sie haben es in Ihrer Karriere erfolgreich vermieden, als „Latin Lover“ abgestempelt zu werden…

… indem ich mich ganz bewusst diesen eindimensionalen Macho-Figuren entzogen habe. Ich habe sehr schnell die Beschränkungen gesehen, die so ein Rollen-Klischee mit sich bringt. Übrigens finde ich auch dieses „Sex-Symbol“-Gerede total an den Haaren herbeigezogen. Völliger Unfug. Die Leute, die so etwas in die Welt setzen, sollten mich mal nach dem Aufwachen sehen ().

Sie sind seit einigen Jahren verheiratet und haben zwei Kinder. Inwiefern hat Sie das verändert?

Sehr! Vor allem das Vatersein. Aber nur zum Besten!

Was ist das Wichtigste, das Sie und Ihre Frau Ihren Kinder auf den Lebensweg mitgeben?

Viel Liebe. Unsere Kinder sollen sich vor allem geliebt fühlen. Und wir versuchen, ihnen die Fähigkeit zur Empathie mitzugeben. Für ihre Mitmenschen, für die Welt, in der wir alle leben. Außerdem ist uns wichtig, dass sie normal aufwachsen. Aber was ist schon normal ()?

Von Ulrich Lössl