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© Antonia lachner

Lifestyle

In den Sommer mit dem Modelabel holyGhost

Die urbane Heldin schreitet in diesem Frühjahr und Sommer in nudefarbenen Lederkleidern, sandfarbenen Overalls, olivgrünen Hosen und mit goldenen Pailletten besetzen Jacketts durch den Großstadtdschungel - jedenfalls wenn es nach Sedina Halilovic (30), Jelena Radovanovic (29) und Ivana Bogicevic (33) geht.

Die drei Münchnerinnen mit Wurzeln im ehemaligen Jugoslawien sind die Schöpfer des Fashion-Labels holyGhost, das im kommenden Sommer bereits zum dritten Mal auf der Berliner Fashion Week vertreten sein wird. Die Nachrichtenagentur spot on news traf die drei taffen Frauen - davon zwei gerade mit hübschem Babybauch - in ihrem Atelier im Untergeschoss eines Münchner Mehrfamilienhauses.

Eine Vielzahl von Kleiderstangen, auf denen Blusen, Hosen und Jacketts in gedeckten Farben hängen, dominiert den Raum. An einem schwarzen Tisch in der Mitte des Ateliers sitzen die drei Frauen - jede mit ihrem eigenen Stil - und sprechen voller Enthusiasmus über das, was sie antreibt: Mode, Design und starke Frauen. "Wir haben schon unterschiedliche Geschmäcker, aber in der Basis sind wir gleich", sagt Sedina Halilovic, die für das Design verantwortlich ist.

Auf die gerade angesagten Knallfarben und Neon verzichten die drei Frauen bewusst. "Smaragd ist unsere Effektfarbe in der aktuellen Kollektion. Den Neon-Trend haben wir nicht mitgemacht, das ist nicht so unser Ding", sagt Jelena Radovanovic, die für das Marketing des Labels zuständig ist. Der holyGhost-Look ist eben simpel und zugleich unkonventionell, ohne zu plakativ und extravagant zu sein. Ihre Inspiration komme aus Reisen, Filmen, Bildern oder einfach vom Stil ihrer Freundinnen, erklären die drei.

Die Frühjahr-/Sommerkollektion ist durch afrikanische Einflüsse geprägt, allerdings sei das nur "sehr subtil" zu erkennen, sagt Jelena, die BWL studiert hat und auch als Model arbeitet. HolyGhost hat vielmehr die Farben als die plakativen afrikanischen Drucke übernommen. Auch original afrikanische Stoffe wurden verwendet. Jelena hat beispielsweise von einer traditionellen Hochzeit in Westafrika einen weißen, mit Löchern durchbrochenen Stoff mitgebracht, aus dem die drei Frauen dann eine mit Goldfäden durchwirkte Hose entworfen haben. "Olive, Gold und Sand sollen das Feeling Afrikas übersetzen, die Kollektion soll die Stärke der afrikanischen Frau widerspiegeln", sagt Jelena, die in Afrika aufgewachsen ist und deren Liebe zu Afrika nach ihrer Reise wieder neu ausgebrochen ist.

"Afrika war aber grundsätzlich ein großes Thema, als wir die Kollektion entworfen haben", sagt Sedina. "Damals ging gerade der Friedensnobelpreis an die Afrikanerinnen Ellen Johnson Sirleaf und Leymah Gbowee. Das hat uns zusätzlich inspiriert."

Jelena und Ivana Bogicevic sind gerade beide schwanger und präsentieren stolz ihren schönen Babybauch. Eine Schwangeren- oder Kidskollektion wird es aber dennoch nicht geben, sagen die beiden. "Wir kriegen ja alle Jungs", scherzen sie. Trotzdem haben sie schon einmal an eine Mini-Me-Kollektion gedacht, da viele Mütter ab und an gerne im Einheitslook mit ihren kleinen Töchtern auf die Straße gehen würden. Die umtriebige Jelena ist Stimme des Labels, sie ist die Kommunikative und dominiert das Gespräch. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass sie, solange es eben möglich ist - am besten bis zur Geburt -, selbst im Atelier stehen will. "Im schlimmsten Falle werden die beiden in den letzten zwei Wochen der Schwangerschaft ohne mich auskommen müssen", sagt sie.

Mit einem karierten Hut, rosa geschminkten Lippen und einer lässigen Chino-Hose im Nude-Look präsentiert sie die Stücke des Labels. Eine Babypause kommt für sie nicht in Frage: "Andere Frauen schaffen das auch, man kann auch zu Hause sofort wieder arbeiten, wenn man aus dem Wochenbett raus ist. Auch wenn man immer nur eine Stunde am Stück hat, kann man Mails checken und Telefonate führen", sagt sie pragmatisch. Ivana, die ruhigste der drei Frauen, schmunzelt und fügt hinzu: "Jelena wird definitiv früher wieder hier sein, als ich." Unter ihrem rosa Strickpulli zeichnet sich bereits eine große Kugel ab, das Maßband hat sie sich um die Schultern gehängt. Ivana ist für die Produktion der Stücke zuständig, die in Bulgarien, Rumänien und Polen gefertigt werden. Ihre ruhige Art kommt ihr dabei sicherlich zu Gute.

Ihre Herkunft verbindet die drei Frauen, die seit ihrer Schulzeit miteinander befreundet sind. "Wir arbeiten aufgrund unserer Mentalität vielleicht mit mehr Herz, sind vielleicht sogar zu nah an unseren Kunden dran. Wir sind sehr herzlich und offen, eventuell zu offen", sagt Sedina, die zu ihrer karierten Bluse knallrot geschminkte Lippen kombiniert. In einer Kollektion haben sie versucht, Elemente ihrer Herkunftsländer einfließen zu lassen. "Wir hatten mal eine Kollektion, die sehr an die Folklore Serbiens und Bosniens angelehnt war, aber es war nicht so gut umgesetzt und hat sich nicht so gut verkauft, in Deutschland ist folkloristische Mode schwierig", sagt Jelena. "Ethno-Geschichten funktionieren eher in Skandinavien", lautet Ivanas Einschätzung.

Grundsätzlich treffen die drei jungen Frauen aber schon den Geschmack ihrer Kundinnen, zu denen auch immer mehr Prominente zählen. Für diverse Events haben sie bereits Cosma Shiva Hagen, Sophia Thomalla und Monica Ivancan eingekleidet. Auch Simone Ballack, Mirja du Mont, Johanna Klum und Julia Malik tragen die Kreationen des Labels.

Trotz großer Nachfrage wollen die drei kreativen Köpfe sich auch in der Zukunft nicht an einer Männerkollektion versuchen, auch wenn ihre Freunde sie immer wieder dazu drängen. Mit zwei kompletten Kollektionen seien sie voll und ganz ausgelastet, sagen die Münchnerinnen. Das nächste Großprojekt ist die Fashion Week in Berlin im Juli. Dennoch wollen sie demnächst auch internationale Märkte erobern und bei Messen in Paris und New York ausstellen.

Das Must-have für den Sommer definiert jede der drei Frauen anders: Sedina setzt auf die Chino-Hose, die geht "morgens, abends und zum Ausgehen". Jelena findet, dass Weiß im Sommer wahnsinnig wichtig ist: "In allen Kombis und Strick mit Cut-Outs oder Intarsien". Ivana setzt auf legere Hemden und Blusen. Die passen vorerst auch gut zum Babybauch.

(ala/spot)