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Interview

Hollywood-Star Channing Tatum muss seinen Körper nicht mehr zeigen

Im Actionthriller „White House Down“ rettete er im Unterhemd den US-Präsidenten, in der Komödie „Magic Mike“ verarbeitete er seine eigenen Erfahrungen als Stripper. Jetzt ist Channing Tatum in der Räuberkomödie „Logan Lucky“ zu sehen - und behält sein T-Shirt an.

London. Channing Tatum verdiente sein Geld als Model, Stripper und Handwerker, bevor ihm der Durchbruch im Filmgeschäft gelang. Heute ist der 37-Jährige einer der gefragtesten Schauspieler in Hollywood. Bestens aufgelegt berichtet Tatum im dpa-Interview von Gemeinsamkeiten seiner Filmfigur Jimmy aus „Logan Lucky“ mit seinem eigenen Leben, erzählt von der Vorbereitung mit Pizza und Bier und verrät, was er heute von körperbetonten Rollen hält.

Regisseur Steven Soderbergh hat gesagt, sie spielen in „Logan Lucky“ eine andere Version von sich selbst.

Ja, vielleicht. Ich habe (wie die Hauptfigur Jimmy Logan) auch American Football am College gespielt, und das auch in West Virginia. Ich hab dort ein Jahr gespielt und mich glücklicherweise nicht verletzt. Dann hatte ich genug davon. Man muss schon wirklich spielen wollen, wenn man auf diesem Level ankommt. Das ist dann nicht mehr zum Spaß. Man spielt, um sein Stipendium zu behalten. Und das wollte ich gar nicht. Ich war sowieso nicht besonders gut in der Schule. Allerdings hatte ich bis dahin mein ganzes Leben dem Football gewidmet, ein bisschen so wie Jimmy. Er war genauso, der Held vom Dorf, von dem alle dachten, dass er der große Football-Star wird, doch er hat es irgendwie verbockt.

Sie haben Ihr Glück dann aber woanders gesucht...

Ja. Ich bin wieder nach Tampa, Florida, gegangen, statt zurück nach Boone County, West Virginia, wo es keine Möglichkeiten gibt. In West Virginia gibt es echt nix. Das ist schon länger ein Problem, seit die Kohleindustrie einfach die Türen geschlossen und sich verabschiedet hat. Das wäre so, als ob Wall Street aus New York verschwindet oder Hollywood aus Los Angeles. Da geht die Identität verloren. Die Regierung sagt den Menschen, sie sollen wegziehen. Aber die fühlen sich dort zuhause. Die wollen nicht wegziehen. Ich hab Glück, dass ich nach Tampa gezogen bin. Aber ich hab früher auch Holzhäuser gebaut. Ich könnte jetzt genausogut irgendwo in einem Schacht Erde hin- und herbewegen. Das wär auch in Ordnung.

In vielen Filmen haben Sie körperbetonte Rollen gespielt. Mittlerweile lassen Sie Ihr Shirt vor der Kamera oft an. Wollen Sie vermeiden, dass Sie auf ihren Körper reduziert werden?

Ja, ich darf das Shirt inzwischen auch mal anbehalten. (lacht) Ich hab mein Shirt wirklich oft ausgezogen. Auch meine Hosen. In jedem Film kommt dieser Punkt, wo ich meine Sachen ausziehen muss und mir denke: „Ich hab die Story geschrieben, warum schreib ich so einen Mist darein? Warum tu ich mir das an?“ (lacht) Aber im Ernst: Ich mach mir keine Gedanken darüber, ob die Menschen mich als den Typen ohne T-Shirt sehen. Irgendwann kommt sowieso der Punkt, wo niemand mehr sehen will, dass ich mein Shirt ausziehe. (lacht)

Im Gegensatz zu einem Film wie „Magic Mike“ muss die Vorbereitung für „Logan Lucky“ doch ganz angenehm gewesen sein, denn Sie haben jeden Abend Pizza gegessen und Bier getrunken...

Ich bereite mich immer noch vor. Ich bin wirklich engagiert bei diesem Film. (lacht) (...) Es war nicht so, dass ich zunehmen musste, ich hab einfach nur so wie Jimmy gelebt und dabei rund 12 bis 15 Kilo zugenommen! (lacht) Eher versehentlich. Ich hab mich fürchterlich gefühlt nach den Dreharbeiten. Wird schwer, das wieder loszuwerden. Ich bin noch lange nicht wieder in Form.

Regisseur Steven Soderbergh hat gesagt, dank des unabhängigen Vertriebs kann jeder, der am Film beteiligt ist, sich auf einer Website einloggen und sehen, wie viel er am Film verdient. Haben Sie das schon gemacht?

Nein. Ich hab nicht nachgeschaut. Ich gucke sowieso nie nach, wie erfolgreich meine Filme sind. Das ist auch irreführend. Denn die Einspielergebnisse - und ich spreche jetzt gar nicht von meinen Filmen - haben oft überhaupt nichts mit der Qualität eines Films zu tun. Da gibt es eine große Kluft.

ZUR PERSON: Channing Tatum wurde 1980 in Cullman, Alabama, geboren. Einem größeren Publikum wurde er mit dem Tanzfilm „Step Up“ (2006) bekannt, bei dem er auch seine Ehefrau Jenna Dewan kennenlernte. Mit der Schauspielerin hat er eine Tochter. Tatum spielte auch in „G.I. Joe“ (2009) und „The Hateful Eight“ (2015). Demnächst ist er in „Kingsman: The Golden Circle“ zu sehen.

Von Interview: Philip Dethlefs, dpa


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