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Heide Keller: "Devot und aufopfernd? Ich denke nicht dran!"

Ich erinnere mich noch sehr genau, denn ich bin dafür zum ersten Mal in meinem Leben über den Atlantik, auf die Bahamas, geflogen und war furchtbar aufgeregt. Mein allererster Satz lautete: "Wo wollte ihr Mann denn hin?" Den musste ich zu Maria Sebaldt sagen und der Mann um den es ging war Günther Lamprecht.

ter Satz lautete: "Wo wollte ihr Mann denn hin?" Den musste ich zu Maria Sebaldt sagen und der Mann um den es ging war Günther Lamprecht. Das war der Startschuss zum Traumschiff, den wir dann mit Champagner begossen - und zwar morgens um acht Uhr, das werde ich nie vergessen.

Mal seekrank gewesen in all den Jahren?

Nein, bisher nicht. Aber davor ist man trotzdem nie gefeit. Kann gut sein, dass es mich bei der nächsten Reise im Januar nach 30 Jahren plötzlich das erste Mal erwischt.

Wie viel Seemannsgarn haben Sie sich anhören müssen?

Bis auf ein paar Aprilscherze, nicht sehr viel. Zum einen bin ich keine leichtgläubige Frau und zum anderen ist das Schiffsleben in Zeiten von moderner Sattelitenkommunikation nicht mehr so abenteuerlich wie vor 100 Jahren.

Kalorientechnisch dürfte es kaum einen gefährlicheren Arbeitsplatz geben als ein Kreuzfahrtschiff.

Wohl war, das tolle Essensangebot ist wahrlich verlockend. Trotzdem alles nur eine Frage der Disziplin, man muss am Buffet halt sorgfältig auswählen. Leider wird's im Alter immer schwieriger sein Gewicht zu halten. Während ich früher nach der Theatervorstellung noch 'ne Pfanne Bratkartoffeln mit Remouladensauce und Sülze essen konnte ohne zuzunehmen, nehme ich heute schon zu, wenn ich ein Rinderfilet nur anschaue. Seit zehn Jahren wird mein Leben durch ständiges ab- und zunehmen bestimmt.

Zählen Sie Kalorien?

So schlimm ist es nicht, ich achte darauf was ich esse, damit ich gesund bleibe. Aber ich gönne mir auch mal Schlemmerpausen mit dick bestrichenen Leberwurst-Brötchen.

Sport?

Die Verlängerung des Lebens durch sportliche Betätigung ist nicht erwiesen. Diesen Satz habe ich mal irgendwo aufgeschnappt und ihn seitdem für mich annektiert. Denn ich habe es Zeit meines Lebens immer wieder mal mit Sport probiert, aber vergebens auf den Moment gewartet, dass mir das gefällt. Aber ich bin so aktiv im Haushalt und Garten tätig, dass mich das auch schon fit hält.

Was war der schönste Moment auf dem Traumschiff?

Das war die Feier anlässlich meines 61. Geburtstages in Sidney. Normal ignoriere ich meine Geburtstage stets, aber dieses eine Mal hatte ich die ganze Crew zu einer Party geladen. Sie dankten es mir, in dem jeder Einzelne mir ein Gedicht vortrug oder ein Lied vorsang. Das war einer der bewegendsten Momente meines Lebens.

Mittlerweile sind Sie 71 - wie alt fühlen Sie sich?

Ich werde nie verstehen, warum die Leute immer versuchen sich durch solche Aussagen krampfhaft jünger zu machen. Ich fühle mich so alt wie ich bin. Und zwar im Großen und Ganzen ganz gut. Es gibt zwar Tage an denen ich im Spiegel jünger aussehe, als an anderen, aber deswegen kann ich ja trotzdem nicht ausklammern, dass ich ein biblisches Alter erreicht habe.

Rente?

Allein die Frage danach macht mich schon fuchsteufelswild. Ich mache weiter solange ich noch Freude daran habe und man mich noch haben will. Und ich glaube nicht, dass man mich mit 80 im Rollstuhl übers Deck rollen wird.

Sind Sie privat eigentlich genauso fürsorglich und aufopfernd wie in Ihrer Rolle als Chefhostess Beatrice?

Ich denke ja gar nicht daran! Ich bin zwar durchaus hilfsbereit wenn mich meine Freunde brauchen, aber ich habe nicht die Engelsgeduld dieser grundguten Beatrice.

Devote Frauen kommen bei Männern aber gut an.

Dann müssen diese Männer sich aber andere Frauen suchen als mich. Ich habe schon in frühen Jahren gelernt meinem Vater zu widersprechen. Noch bevor es das Wort überhaupt gab, bin ich emanzipiert auf die Welt gekommen. Ich kann alleine Bierkästen schleppen und habe mir in meinem Leben alles selbst erwirtschaftet.

Nie Lust auf einen Versorger gehabt?

Nein, das ist nichts für mich. Ich finde es furchtbar, dass es heutzutage in den sogenannten besseren Kreisen so viele Frauen gibt, die heiraten um versorgt zu sein und sich dann scheiden lassen und von ihrem Mann Geld verlangen. Ich finde ich es unmoralisch dem Anderen das eigene Leben aufzubürden. So kann Partnerschaft nicht funktionieren.

Ihr Lebensmotto?

Es soll mir nichts Schlimmeres passieren. Oder edel ausgedrückt: Herr, gib mir die Kraft, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann, die Gelassenheit die Dinge zu ertragen, die ich ertragen muss und die Weisheit das eine vom anderen zu unterscheiden. Leider versagt er mir die Weisheit, so dass ich immer noch oft gegen Windmühlen kämpfe.

"Das Traumschiff: Puerto Rico" sticht am 01.01.2013 um 20.15 Uhr auf ZDF in See.

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