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Hardy Krüger: Mit 85 noch mal auf die Barrikaden

Ein ewiger Junge wird 85. Das ist ein stolzes Alter, das abgeklärt und milde macht. Ein Rotweinalter: Der weise Mann sitzt mit einem guten Glas in seiner Bibliothek und blättert in seinen Schätzen.

So zumindest stellt man sich das vor.

Und nun das: "Die Stimme am Telefon klingt jung und exakt so wie in 'Hatari', 'Flug des Phönix' und den 70 anderen Filmen. Und doch, es ist wahr. Hardy Krüger, Weltenbummler, Schauspieler und Autor mit Wohnsitzen in Palm Springs, Hamburg und im Adlon, wird an diesem Freitag 85 Jahre alt. Doch statt den Ruhestand zu genießen, schiebt der Jubilar ein neues politisches Projekt an. Ein Projekt gegen Neonazis!", schreibt die Berliner Tageszeitung "BZ".

Ein nach Jahren alter Mann wird noch mal vom heiligen Zorn und jugendlichem Temperament gepackt: "Wir müssen was tun, beweisen, dass wir es als Nation besser können als die NPD mit ihren alkoholisierten Kameradschaftsabenden. Wir müssen die jungen Leute von der Straße holen und ihnen Ziele geben", sagt er der "BZ".

Hardy Krüger kennt die Verführbarkeit junger Menschen. Er selbst ist im finstersten Kapitel der deutschen Geschichte aufgewachsen. Der gebürtige Berliner und Sohn des Ingenieurs Max Krüger kam 1941 als 13-Jähriger auf die Adolf-Hitler-Schule der Ordensburg Sonthofen. Der blonde Junge mit den strahlend blauen Augen war ausgewählt worden, eine künftige Spitzenposition im wahnhaft rassistischen NS-Staat einzunehmen. Gleichzeitig erkannte man sein schauspielerisches Talent.

Noch während seiner Schulzeit wurde er 1943 für die Rolle des Lehrlings Bäumchen im NS-Film "Junge Adler" bestimmt. Bei den Dreharbeiten in den UFA-Studios lernte er die Schauspieler Albert Florath und Hans Söhnker kennen, die Juden zur Flucht verhalfen. Krüger: "Söhnker hatte den Mut, dem Adolf-Hitler-Schüler die Augen zu öffnen, was für ein Verbrecher Hitler war. Er erzählte mir von Bergen-Belsen und Auschwitz."

Und der junge Adolf-Hitler-Schüler Krüger machte mit - beim Widerstand. Er wurde Kurierfahrer für Söhnkers Untergrundorganisation, die Juden von Berlin in die Schweiz schleuste. Krüger zur "BZ": "Ich war wütend auf meine Eltern, auf die Schule und auf meine Landsleute, die Hitler solch eine Macht gegeben hatten. Ich war schockiert, entsetzt und wütend!"

Dann wurde er als 16-Jähriger im März 1945 in die Waffen-SS-Division "Nibelungen" eingezogen und in heftige Kämpfe verwickelt. 1945 geriet er in Tirol in amerikanische Kriegsgefangenschaft.

Nach dem Krieg begann eine atemberaubende Schauspielerkarriere, die ihn bis nach Hollywood führte. Er wirkte in zahlreichen Filmroduktionen mit, u.a. in "Hatari!" (neben John Wayne), "Die Wildgänse kommen " (neben Richard Burton), "Der Flug des Phönix" (neben James Stewart) oder "Einer kam durch", "Taxi nach Tobruk" und "Das rote Zelt" (neben Sean Connery). Oft musste er deutsche Soldaten spielen, meist aber positive Charaktere, die das "gute Deutschland" verkörperten.

Daneben gibt es noch eine zweite Karriere als Schriftsteller. Hardy Krüger schrieb mehrere Romane, Erzählungen und Reiseberichte, in denen er seine Erfahrungen als weitgereister Kosmopolit schilderte. Mit seiner ersten Frau, der Schauspielerin Renate Densow, hat er die Tochter Christiane Krüger, ebenfalls Schauspielerin. Seine zweite Frau, die italienische Malerin Francesca Marazzi, schenkte ihm den Sohn Hardy Krüger junior (geb. 1968), der heute einer der bekanntesten deutschen TV-Stars ist. Und seit 1978 lebt er in dritter Ehe mit seiner amerikanischen Frau Anita wahlweise in den kalifornischen Bergen oder in Hamburg.

Zu seinem Engagement gegen den Rechtsextremismus sagt er: "In den letzten Jahren habe ich gemerkt, dass die Rechten immer lauter wurden!" Manchmal sei er persönlich auf seinen Lesungen, bei denen er offen dafür wirbt, die Rechten aus den Parlamenten rauszuwählen, angegriffen worden.

Am Sonntag, 11 Uhr, gibt Hardy Krüger eine Matinee über Theater, Film und Freunde im Berliner Schlossparktheater. Und am 28. April lädt er zum Talk gegen Rechts ins Schlossparktheater ein.

(ln/spot)