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Hans Sigl: "Streit hält die Familie am Laufen!"

Ein Crossover zweier erfolgreicher Fernsehserien zeigt das ZDF am Mittwoch, 2. Januar 2013, um 20.15 Uhr: das 90-minütige Spezial "Virus". Inmitten des Dachstein-Gebirges trifft "Bergdoktor" Martin Gruber (Hans Sigl) auf "Bergretter" Andreas Marthaler (Martin Gruber).

Sie sind beide Gäste auf der Hochzeit von Martins hochschwangerer Ex-Verlobten Julia (Julia Richter), die ihre große Liebe Thomas Schira (Manou Lubowski), Andreas' Kumpel, heiraten will. Doch dann greift ein tödliches, unbekanntes Virus um sich. Marc Geiger (Francis Fulton-Smith) vom Gesundheitsamt will die Hochzeitsgesellschaft isolieren, zu der auch Martins Bruder Hans (Heiko Ruprecht), Tochter Lilli (Ronja Forcher) und Thomas' Kumpel Christian (Oliver Clemens) gehören. Doch Martin und Andreas flüchten - und machen sich auf die Suche nach der Virusquelle.

Bergdoktor trifft auf Bergretter - war da der Testosteron-Wettkampf vorprogrammiert?

Zum einen sind wir für solche Spielchen schon ein bisschen zu alt und zum anderen sind wir Profi genug, um miteinander und nicht gegeneinander zu arbeiten. Mal ganz abgesehen davon, dass wir seit zehn Jahren befreundet sind und beide total begeistert waren von dieser Crossover-Produktion.

Woher das große Interesse der Zuschauer an Geschichten aus der Bergwelt?

Ich glaube, es hat zum einen mit der Sehnsucht der Menschen nach Ursprünglichkeit und Natur zu tun. In einer technisierten, hochmodernen Welt sind Outdoor-Aktivitäten wie Wandern, Klettern und Skifahren populärer denn je. Und im Bergdoktor vermitteln wir, wie ich finde, dieses Lebensgefühl sehr glaubwürdig. Hinzu kommt die authentische Familiengeschichte, kombiniert mit den medizinischen Fällen und der traumhaften Berg-Kulisse, das scheint zu gefallen.

In einer Szene müssen Sie nackt mit Kollege Gruber und einer Goldfolie kuscheln, um nicht zu erfrieren. Wie war das?

Zum Glück hat das Los entschieden, dass ich hinten liegen durfte. (lacht) Es war eine sehr lustige Erfahrung und seitdem sind wir endgültig Freunde fürs Leben.

Wer von Ihnen ist der extremere Bergsportler?

Das ist Martin - nicht umsonst spielt er den Bergretter und ich den Bergdoktor. Ich bin zwar auch ein begeisterter Bergsportler, aber ich beschränke mich aufs Wandern und Skifahren. Klettern ist mir schlicht zu gefährlich. Ich habe schon zu viele tragische Unfälle erlebt - nicht nur als Martin Gruber, sondern auch als Hans Sigl. Das bleibt nicht aus, wenn man seine Kindheit in den Bergen verbracht hat.

Wie sah Ihre Kindheit aus?

Ich bin in einem kleinen Dorf mit vier Bauernhöfen und 100 Nachbarn in der Steiermark aufgewachsen. Da musste man nicht nach roten Ampeln, sondern nach Lawinen Ausschau halten. Ich war elf Jahre alt, als ich das erste Mal deutsches Fernsehen gesehen habe. Eine sehr wertvolle Kindheit, die mir soziale Kompetenz und Bodenhaftung fürs ganze Leben vermittelte.

Nie entgleist?

Keine Laster, keine Skandale und keine Leichen im Keller. Manche mögen das langweilig nennen - ich nicht. Ich versuche halt einfach möglichst gradlinig durchs Leben zu gehen und habe eine Arbeit, die ich liebe und die mich erfüllt.

Und sind glücklicher Vater einer vierköpfigen Patchwork-Familie...

... die so gut funktioniert, dass wir sogar an Weihnachten vollständig unterm Weihnachtsbaum standen. Alle vier Kinder und alle vier Elternteile.

Wie funktioniert das?

Vor allem indem man mehr Essen auftischt, wenn so viele Leute an einem Tisch sitzen. (lacht) Für die Kinder ist es eine Riesenfreude, weil sie dadurch nicht unter Loyalitätszwang kommen. Funktionieren tut das durch unser familiäres Grundprinzip: klare Fronten! Bei uns Zuhause bleibt nix unausgesprochen und alle Elternteile sind sich, trotz Neuaufstellung, in den wesentlichen Fragen einig.

Keine Autoritätsprobleme mit den Kindern Ihrer Frau Susanne?

Das Autoritätsproblem haben wir im Vorfeld ausgeräumt. Es gab nie die Frage, was ich den Kindern von Susanne vorschreiben darf, da ich mit dem Vater der Kinder in gutem Austausch stehe. Wir haben verabredet, dass wir Erwachsene die Regeln machen und die Kinder sie befolgen. Unsere Erfahrung hat gezeigt, wenn die Erwachsenen funktionieren und eine Klarheit mitbringen, dann tun sich die Kinder leichter.

Wie sieht die Klarheit aus?

Wir leben den Kindern Werte wie Ehrlichkeit, Tugendhaftigkeit und Gradlinigkeit vor und hoffen, dass wir sie dadurch wach und mit dem nötigen Biss versehen ins Leben entlassen können.

Rollenteilung?

Den guten Plan macht Susanne und ich grätsche dazwischen. (lacht)

Sind Sie ähnlich gestrickt?

Überhaupt nicht! Wir sind wie Ying und Yang. Susanne ist das Wasser und ich das Feuer. Sie ist die Waage, die den ganzen Laden im Lot hält.

Muss da viel ausbalanciert werden?

Kommt vor, und ich finde das auch gut so, denn Streit ist ein erhöhtes Maß an Auseinandersetzung. Streit hält den laden am Laufen. Ich finde, dass eine gute Streitkultur besonders im Patchwork relativ wichtig ist. Denn desto mehr Menschen unter einem Dach, desto mehr Konfliktpotential. Und wenn man den Kindern vorlebt, Konflikte auszutragen und sie zu befrieden, dann ist das eine sehr wertvolle Erfahrung für ihr späteres Leben. Deswegen gehen meine Frau und ich auch nie zum Streiten in den Keller.

Schon mal versucht gewesen alles hinzuschmeißen?

Zum einen bin ich niemand, der hinschmeißt, wenn's eng wird. Zum anderen ist das eine wohl gewählte Lebensform, in der ich mich pudelwohl fühle.

Treu?

Ich glaube, die Exklusivität in einer Partnerschaft ist unabdingbar. Und ein Seitensprung würde die Beeinträchtigung dieses Exklusivvertrages bedeuten.

Noch andere Weisheiten?

Mein Mantra: Let Love rule!

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