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Halmer: "Ich habe nicht mal die Beatles gemocht"

Es war die Rolle seines Lebens. Das steht für Günther Maria Halmer alias Charlie aus den "Münchner Geschichten" fest. Und das, obwohl der Schauspieler gar nicht so viel mit seinem Charakter gemeinsam hat, wie er im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news zugibt.

Sie feiern Ihren 70. Geburtstag - gehören Sie zu denen, die gerne von den guten alten Zeiten schwärmen?

"Die waren gar nicht immer so gut. Aber ich denke gerne zurück an die Zeit, als ich mit Helmut Dietl die Münchner Geschichten drehte. Auf den Charly werde ich heute noch, vierzig Jahre später, angesprochen. Wie oft passiert so was schon? Andere Figuren haben heute eine Halbwertzeit von drei Tagen."

Wie authentisch waren denn die turbulenten Münchner Geschichten seinerzeit?

"Der Helmut Dietl und ich waren so, das entsprach unserem Lebensgefühl. Ich war nur nicht so umtriebig wie der Charly. Für den war immer "ois Chicago", alles super. So bin ich nicht, ich bin Steinbock und wir sind eher grüblerische und ernsthafte Menschen."

Keine wilden Partys?

"Ich war nie ein Weg-Geher und war auch nie in Schwabing unterwegs. Ich habe nicht mal die Beatles gemocht, mir war diese Flowerpower-Bewegung unheimlich."

Freie Liebe?

"Nicht mein Ding. Mal abgesehen davon, dass ich als junger Mann auch ein bisschen komplexbeladen war und mich nicht attraktiv fand. Ich finde, ich gebe heute eine viel bessere Figur ab als damals."

Aber Sie hatten doch bestimmt viele Groupies...

"Hat mich aber nicht interessiert. Ich wollte keine Mädels, die auf mich losgehen nur weil ich im TV bin. Mich haben damals ganz andere Dinge beschäftigt. Ich war viel zu sehr mit mir selbst und meinen Selbstzweifeln bezüglich meiner Wegfindung beschäftigt, als dass ich mich um derlei Zirkus gekümmert hätte. Mal ganz abgesehen davon, dass ich meine Frau damals auch schon kannte."

Die genug Tiefgang für den jungen Herrn Halmer mitbrachte?

"Ich habe nicht nur eine sehr attraktive, sondern auch eine sehr kluge und verständnisvolle Frau, die weiß wie das Leben funktioniert. Sonst würde das nicht seit 41 Jahren so gut funktionieren."

Nach welcher Formel?

"Neben Intelligenz und Humor braucht's vor allem tiefes Vertrauen. Ansagen machen und dann heimlich was anderes machen, das funktioniert nicht. Immer sagen was Sache ist, immer den geraden Weg gehen - das fällt mir nicht schwer, da ich eh kein Typ für Seitensprünge bin. Ich bin genauso wenig Stenz wie Helmut Fischer es war."

Der leider nicht mehr unter uns weilt...

"...wie so viele von damals. Von den Münchner Geschichten lebt kaum noch jemand außer Michaela May, dem Dietl und mir. Zuletzt hat's den Towje Kleiner erwischt. Und ich dachte immer, dass der 100 Jahre alt wird. Aber plötzlich von heute auf morgen haut's ihn ohne Vorwarnung um. Das Herz! Wäre der zum Arzt gegangen, hätte der einen Stent bekommen und nichts wäre passiert."

Was sagt der Arzt zu Ihnen, alles Chicago?

"Weiß ich nicht, weil ich nicht hingehe. Ich habe Angst vorm Arzt. Die haben so viele seltsame Maschinen, mit denen sie immer was finden. Ich kenne zu viele Menschen, die hingegangen sind und sofort nahtlos auf den OP-Tisch wanderten. Das ist mir alles suspekt."

Nicht mal zur Vorsorge?

"Nein, ich habe mein eigenes kleines Vorsorgepaket: Ich lebe gesund, gehe fast täglich ins Fitnesscenter und meine Frau achtet darauf, dass ich nicht zu fett werde und nur so viel trinke wie mir gut tut. Darüberhinaus gehen wir einmal im Jahr für zweieinhalb Wochen zur Ayurveda-Kur nach Sri Lanka - eine wunderbare körperliche und geistige Reinigung, die ich nur jedem empfehlen kann."

Gefühltes Alter?

"Angesichts dessen, dass ich meinen 70. feiere, fühle ich mich ganz fit. Kopf funktioniert, Körper auch. Es zwickt nix. Ok, vier Pfund weniger wären ganz schön, aber wenn ich heute in den Spiegel schaue, sehe ich einen netten gutaussehenden Menschen."

Keine Angst vor der 70?

"Ist jetzt kein Grund für Freudentänze, aber ich bin dankbar, dass ich es ohne große Zipperlein so weit geschafft habe. Aber man weiß natürlich auch, dass die Tage kürzer werden. Mein einziger Wunsch: Ich möchte gesund sterben! "

Was haben Sie die Jahre gelehrt?

"Ich lasse die Dinge heute gerne auf mich zukommen. Das konnte ich früher nicht, da ich viel ängstlicher war. Mittlerweile bin ich auch viel eher bereit neues anzunehmen und auszuprobieren. Alles in allem denke ich positiver."

Ihr Glas ist immer halbvoll?

"Nicht mein Mantra! Ich habe mein Glas lieber ganz voll."

Ihr Mantra?

"Frei nach Goethe: Mut verloren, alles verloren."

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