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Kaiser im "Tatort"

"Hätte auch den Hausmeister gemimt"

Im Münster-Tatort "Summ, Summ, Summ" spielte Schlagerstar Roland Kaiser den Schlagerstar Roman König. Außer dem Beruf eint die beiden aber nicht so viel, wie der Wahl-Münsteraner der Nachrichtenagentur spot on news verriet.

Wie der 60-Jährige an die Hauptrolle kam, wie es um sein Verhältnis zu den Fans bestellt ist und was es auf den Vorwurf, Schlager sei "pubertäre Oberschülerlyrik" zu sagen gibt, erklärte der Tatort-"Mitwirkende", wie er sich bescheiden nennt, ebenfalls.

Herr Kaiser, war das, abgesehen vielleicht von Musik-Videos, Ihre Filmpremiere?

Es gab vor vielen Jahren mal einen Sketch mit Harald Juhnke, in dem ich mitgemacht hatte. Er spielte einen erfolglosen Moderator und ich einen erfolglosen Musiker. Das hat Spaß gemacht, ein Startschuss zu einer Schauspielkarriere war das allerdings nicht.

Hat es Spaß gemacht, einen TV-Film zu drehen?

Ja, und wie. Überraschend viel.

Was war das Besondere für Sie als Sänger daran?

Dieser Mensch, den ich da darstelle, das ist schon ein anderer Typ. Zum Glück. So möchte ich nicht sein, insofern war das schon eine Herausforderung.

Wie haben Sie auf die erste Anfrage der Produzenten reagiert?

Ich hatte mal gesagt, dass es mich interessieren würde, in meinem Lieblings-Tatort mitzuspielen. Mir schwebte allerdings nur eine kleine Rolle vor, ein Hausmeister vielleicht, der kurz durchs Bild läuft und einen Satz sagt. Eine Nebenrolle im Tatort von Münster, wo ich ja wohne, hätte mir völlig gereicht. Dann aber kamen die Autoren auf mich zu und fragten, ob ich auch eine Episodenhauptrolle spielen würde. Das war schon eine Überraschung. Da dachte ich mir, ich kann's ja mal probieren, und habe zugesagt.

Wollen Sie jetzt mehr Filme drehen?

Schauen wir mal, wie das Publikum reagiert. Ich bezeichne mich auch eher als Mitwirkenden; Schauspieler, das sind die Profis.

Stammt der Song "Egoist" von Ihnen?

Der Titel wurde speziell für den Tatort komponiert. Der Komponist Gerd Grabowski, dürfte Ihnen sicher als G.G. Anderson bekannt sein. Mit dem Texter Norbert Hammerschmidt habe ich schon in den 1980ern erfolgreich zusammengearbeitet.

Singen Sie das Lied auf Ihrer aktuellen Tour "Affären"?

Ja, der "Egoist" ist Teil des Programms.

Wie ist es denn, nach so langer Zeit, wieder auf Tour zu sein?

Besser geht's nicht. Das ist für mich keine Arbeit, sondern eine musikalische Rundreise, über die ich mich sehr freue. Es ist toll, neben den Einzelkonzerten auch wieder en bloc unterwegs zu sein.

Einer Ihrer Hits, "Joana" (1984), ist ja einer der beliebtesten Wiesn-Hits. Haben Sie das schon mal im Zelt miterlebt?

Im Zelt nicht, aber bei der "KaiserMania" in Dresden. Da feiern am Elbufer Tausende mit und machen Party. Einige der bekanntesten Lieder singe ich natürliche auch bei meinen Tour-Konzerten. Natürlich passt man sich mit den Arrangements und der Produktion den zeitgemäßen Standards an, wer möchte schon antiquiert rüberkommen.

Geben Sie den "Roland Kaiser" auch "an der Garderobe ab", wie Ihre Filmfigur den "Roman König"?

Ich lasse mich für die Dauer eines Konzertes gerne auf das Publikum ein. Wenn ich dann aber nach dem Schlussapplaus von der Bühne abgegangen bin, fehlt mir auch nichts. Beides ist ein Teil meines Lebens und hat seinen Reiz. Wer möchte schon rund um die Uhr im Fokus stehen. Ich genieße ebenso den Ausgleich und die Ruhe zwischen den Konzerthöhepunkten. Auf Branchenpartys gehe ich daher nur, wenn ich zum Beispiel Preisträger oder Laudator bin. Mein Gesicht auch privat in die Kamera zu halten, ist mir nicht wichtig.

Wie ist Ihr Verhältnis zu den Fans?

Wo wäre ich ohne mein Publikum? Meine Konzerte könnte man durchaus als eine Verneigung vor dem Publikum verstehen, oder als eine musikalische Affäre, immerhin drehen sich meine Lieder seit nun fast 40 Jahren um die Liebe. Die landläufige Meinung ist ja, dass eine Affäre eine Beziehung außerhalb einer bestehenden Verbindung ist, die nur kurze Zeit dauert. Als Künstler kann man aber durchaus auch langfristig eine Affäre eingehen - mit dem Konzertpublikum oder mit einer ganzen Stadt, mit der einen etwas Besonderes verbindet. Das trifft für mich zu.

Hatten Sie schon mal eine Stalkerin?

Ich bin seit fast 40 Jahren in dem Geschäft und habe extrem treue Fans. Diese Leute haben eine sehr kluge, erwachsene und vernünftige Art, damit umzugehen. So wie ich ihre Privatsphäre respektiere, respektieren sie meine. Die stehen selbst im Leben und haben einfach Spaß an der Musik.

Einer der beiden Tatort-Ermittler bezeichnet Schlager als "pubertäre Oberschülerlyrik" - Was halten Sie dem entgegen?

Ein Schlager, das ist doch nichts weiter als ein Gassenhauer, also ein Lied, das die meisten Menschen auf der Straße nachsingen oder -pfeifen können. Das kann von Elton John sein, von Lady Gaga oder von mir. Ein Lied, das eine gewisse Popularität erlangt hat, ist also per se ein Schlager. Wenn man deutscher Schlager sagt, klingt das immer ein bisschen abfällig. Allerdings gibt es da aktuell sehr interessante Entwicklungen. Tim Bendzkos Hit "Nur noch kurz die Welt retten", ist auch ein Schlager. Den kennt nicht nur meine Tochter mit ihren 14 Jahren, den kennen auch ich und ihre Omi.

(ili/spot)