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Gundula Gause: "Für meine Freunde bin ich ein Problemfall"

Vor 20 Jahren übernahm Gundula Gause (47) an einem 5. April die Co-Moderation der erfolgreichen Spätnachrichtensendung "heute-journal" (ZDF). Sie ist dem Format und ihrem Platz treu geblieben.

Wenn das kein Grund zum Feiern ist! Wie sie und Anchorman Claus Kleber das Jubiläum zelebrieren werden und wie die beiden zur "Switch"-Parodie stehen, hat die sympathische Berlinerin der Nachrichtenagentur spot on news ebenso verraten, wie den Ort, an dem sie ihr Bundesverdienstkreuz aufbewahrt.

Frau Gause, wie fühlt es sich denn an, bei einem Interview mal auf der anderen Seite zu sein?

Das ist ziemlich interessant - und auch amüsant!

Und was haben Sie für ihre künftige Arbeit daraus gelernt?

Jedes Interview hat ja eine eigene Intention. In meinem Fall habe ich festgestellt, dass tatsächlich oft die gleichen Fragen gestellt werden.

Wie motiviert man sich dann immer neu zu einer frisch klingenden Antwort?

Indem man immer wieder einen neuen Aspekt hervorhebt oder eine andere Geschichte erzählt. In meinen 20 Jahren ist da ja einiges zusammen gekommen. Außerdem liegt es in der Natur meines Nachrichtenjobs, dass viele Themen aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Zeitgeschehen Meldung waren und sind, so dass ich als "Nachrichtenfrau des heute-journals" doch viel zu erzählen habe.

Was war der aufregendste Moment?

Der war im Grunde genommen vor meiner Zeit beim "heute-journal". Da ich ja seit 1989 beim ZDF arbeite, erlebte ich in dieser Zeit die Entwicklung hin zur Wiedervereinigung. Der Fall der Mauer am 9. November 1989 war natürlich ein Höhepunkt, den ich leider nur in der heute-Redaktion auf dem Mainzer Lerchenberg verfolgen konnte. Damals nahm ich mir vor, den nächsten Höhepunkt, also die Feierlichkeiten am 3. Oktober 1990 in Berlin erleben zu dürfen. Ich war mit Filmteams auf den Straßen von Berlin unterwegs, erlebte die Freude der Menschen über die Wiedervereinigung - und leistete Zuarbeiten für die Redaktionskollegen, die damals die Filme machten. Das waren wirklich aufregende Momente, - ebenso wie dann die erste gemeinsame Sitzung von Bundestag und Volkskammer, die ich für die Redaktionen protokollierte. Zeitgeschichte zum Anfassen!

Gab es eine besonders schöne Nachricht, bei der Sie es kaum erwarten konnten, diese zu präsentieren?

Das war wohl die Wahl des deutschen Papstes. Allerdings war die an dem Abend natürlich in den Händen des Hauptmoderators, wie es die Top-News immer sind. Eine andere tolle Nachricht war der Aufstieg von Mainz 05.

Sehen Sie sich als Moderatorin?

Das "heute-journal" wird von einem Hauptmoderator präsentiert: Claus Kleber, Marietta Slomka und falls beide verhindert sind: Christian Sievers, unser Israel-Korrespondent. An ihrer Seite arbeiten wir Nachrichtenmoderatoren, Heinz Wolf, Kay-Sölve Richter und ich. Wir sind keine Nachrichtensprecher, sondern Redakteure im Studio und an der Erstellung der Inhalte unserer Sendung beteiligt. Auswahl, das Schreiben der Meldungen und das "Einklinken" der Meldungen in die Nachrichtensendung. Das ist die eigentliche Arbeit in und mit der Redaktion. Ein super Team, mit dem ich sehr, sehr gerne zusammenarbeite.

Warum sind Sie denn nicht auf den Chefsessel nachgerückt, als Wolf von Lojewski gegangen ist?

Den Posten sollte immer ein Kollege oder eine Kollegin haben, der oder die als Journalist und Korrespondent Erfahrung im In- und Ausland gesammelt und somit "die Welt gesehen" hat. Das fehlt mir theoretisch, da ich immer in der Redaktion gearbeitet habe. Zudem fühle ich mich einfach wohl auf dem Co-Moderations-Posten, auch weil ich mich seit 20 Jahren stark damit identifiziere. Ich bin eine der Nachrichtenfrauen vom "heute-journal", ebenso wie Heinz Wolf der Nachrichtenmann an der Seite von Marietta ist. Und wahrscheinlich wären auch die Zuschauer irritiert, wenn Gause im Fernseher auf einmal von rechts nach links rutschen würde.

An welche Panne erinnern Sie sich heute noch?

Es ist leider so, dass ich Ihnen beim besten Willen nicht von einer größeren Panne berichten kann. Da sind Profis am Werk: im Studio, in der Regie und in der weltweiten digitalen Vernetzung. Kleine Versprecher, die uns Moderatoren mal passieren, empfinde ich persönlich als menschlich. Nobody is perfect. Einmal ist mir bei dem Wort "Sparmaßnahme" an einer lustigen Stelle ein "s" reingerutscht - ahnen Sie den Spaß?

Was bedeuten Ihre Arbeitszeiten für Ihr Familienleben?

Man muss sich schon stark strukturieren. Was Abendeinladungen, Partys oder ähnliches angeht, bin ich ein Problemfall, denn die Hälfte des Jahres falle ich von 15 Uhr bis spät abends de facto aus. Zum Glück haben sich meine Familie und Freunde daran gewöhnt, akzeptieren dies nicht nur, sondern gestalten dies mit mir gemeinsam. Auch ist es ja so, dass ich nur jede zweite Woche Dienst habe. In der anderen "freien" Woche versuche ich, aktiv Zeit mit der Familie und für Freunde zu haben.

Wie feiern Sie das 20-Jährige?

Bälle flach halten - und weiter arbeiten! Im Sommer sollte sich ein sendefreier Tag für ein Fest mit der Redaktion finden!

Was halten Ihre Kinder von der "Switch"-Parodie?

Die finden das ganz witzig, so wie ich auch. Claus und ich können gut damit leben. Und irgendwie ist es ja auch ein Kompliment, parodiert zu werden. Trotzdem legen wir natürlich großen Wert auf unsere Seriosität, weswegen man das Ganze manchmal auch mit einer gewissen Bedenklichkeit vermerkt.

Wie war es für Sie als Sie die Parodie zum ersten Mal gesehen haben?

Das war schon eine Überraschung. Und dann realisiert man, dass das in Serie geht. Und inzwischen freue ich mich immer, wenn Freunde sagen: "Du, da gibt's wieder 'ne neue Nummer."

Sie haben vor kurzem das Bundesverdienstkreuz bekommen. Wo steht das denn jetzt?

In meinem Arbeitszimmer habe ich dafür ein Regal freigeräumt. Diese Auszeichnung war und ist mir eine große Ehre! Beeindruckend vor allem das Engagement der anderen Damen. Ohne Ehrenamt funktioniert unsere Gesellschaft nicht, hat auch Bundespräsident Gauck so gesagt und von der "positiven Energie" geschwärmt. Ein unvergessliches Erlebnis.

Werden Sie es auch irgendwann mal tragen?

Das muss man abwägen, bisher gab es noch keine Gelegenheit, also keine offizielle Einladung, bei der sich das gehören würde. Kann ja aber noch kommen...

(ili/spot)