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Günther Maria Halmer: "Männer backen keine Kekse, wenn sie frustriert sind"

Günther Maria Halmer ist seit der Serie "Münchner Geschichten", die heute noch Kult-Charakter genießt, einer der beliebtesten TV-Schauspieler. Wie gut er Komödie kann, zeigt der 70-Jährige heute mal wieder in "Harry nervt" (Das Erste, 20.15 Uhr).

Über den liebevollen und ideenreichen Film, seine Art der Entspannung und wie es um seine Enkel bestellt ist, hat der durch und durch bodenständige, gebürtige Rosenheimer der Nachrichtenagentur spot on news verraten.

Herr Halmer, mögen Sie Western?

Und wie, natürlich! Früher war das meine absolute Sucht.

Wer war Ihr Held?

John Wayne, Burt Lancester und Gary Cooper. In der Zeit bin ich viel ins Kino gegangen.

Waren die auch Vorbild für Ihre Rolle in den Münchner Geschichten?

Ja, natürlich. Zu der Zeit, als wir das gedreht haben, waren die Italo-Western in. Und so waren das halt unsere Vorbilder, inklusive Bohnen essen. Auch die Musik mit diesen dramatischen Fanfaren war an diese Filme angelehnt. Oder auch die Schnitte beim Ritt durchs Siegestor...

Mögen Sie Safaris?

Ja, sehr. Ich möchte unbedingt mal nach Tansania.

Welche Tiere finden Sie da besonders spannend?

Die Big Five natürlich, aber für uns Europäer sind ja eigentlich alle wilden Tiere und die Wildnis spannend.

"Harry nervt" beginnt in Afrika. Wer hatte denn die Idee dazu?

Das war der Regisseur Bruno Grass, der Sohn von Günter Grass. Gedreht haben wir aber in Brandenburg. Ich hätte natürlich gerne auch woanders gedreht, aber aus finanziellen Gründen hat das so einfach mehr Sinn gemacht.

Warum ist "Harry" überhaupt in Afrika?

Er sucht das Abenteuer, will weg vom geordneten Familienleben, doch als es ihm schlecht geht, findet er zur Familie zurück.

"Harry" erleidet einen Herzinfarkt und muss danach das Leben umstellen. Wie halten Sie es denn mit Sport, gesunder Ernährung, einem regelmäßigen Leben?

Ich bin ja zum Glück nicht abgehauen, sondern führe genau dieses regelmäßige Leben, das vielleicht nicht zum Herzinfarkt führt. Ich lebe auf dem Land, mache jeden Tag mein Fitnesstraining und gehe früh schlafen.

Yoga und Joggen?

Nein, aber Spazierengehen. Ich wohne am Samerberg und bin somit schnell in den Bergen.

Wie ist es denn um den Spaß bestellt, wenn man so gesund lebt?

Ich achte nicht nur auf die Gesundheit, aber allein dadurch, dass ich schon lange und mit derselben Frau verheiratet bin, Kinder, Freunde und Nachbarschaften in Ordnung sind, lebt man gesünder. Ich muss nicht permanent auf die Jagd gehen, mich aufbrezeln und wichtig machen. Bei mir läuft es in geordneten Bahnen, was aber nicht heißt, dass es nicht spannend ist.

Von was lassen Sie sich aus der Ruhe bringen?

Vor kurzem war ich bei der Beerdigung von einem guten Freund von mir. Das sind dann die Aufregungen, die man so hat. Die Art von Aufregung, wie sie meine Filmrolle erlebt, in der Savanne herumlaufen und fotografieren, das ist vorbei. Allerdings war das bei mir auch nie der Fall, insofern gebe ich da auch nichts auf.

Im Film tun aber alle ja auch nur so, als ob sie gesund leben. Und heimlich wird dann doch zum Beispiel Schokolade gegessen. Wie schaut es da bei Ihnen aus?

Naja, man muss im Supermarkt schon mit Scheuklappen an solchen Dingen vorbeigehen. Da würde ich manchmal gerne hinlangen, an süße Quarks oder Joghurts oder Schokolade oder Kuchen. Da muss man sich schon ein bisschen kasteien, aber das ist halt Disziplin.

Ihre Filmfrau backt Berge von Keksen, wenn sie frustriert ist. Was machen Sie, wenn Sie genervt sind?

Männer backen keine Kekse, wenn sie frustriert sind. Auch ich nicht. Ich versuche immer mit Rationalität der Sache auf den Grund zu gehen. Diese emotionalen Abstürze, die Frauen haben, die habe ich immer versucht, zu vermeiden. Bei Männern drückt sich das aber vielleicht auch generell eher in einer gewissen Aggression aus. Mein emotionales Leben lebe ich am liebsten im Film aus und ansonsten versuche ich, alles schön auf einem Level zu halten. Dafür ist der Beruf bestens geeignet.

Haben Sie Enkel?

Nein, leider nicht. Ich hätte gerne welche, aber die heutige Jugend lässt sich Zeit. Zwar sind alle meine Kinder über 30 und haben feste Freundinnen, aber auch die zeigen kein Interesse. Das geht vielen Bekannten von uns auch so.

Was würden Sie mit einem Enkel machen?

Das habe ich mir noch nicht überlegt. Es ist ja nicht so, dass ich ständig vor einer leeren Wiege stehe und hoffe, dass sie bald gefüllt wird. Aber ich kann mir schon vorstellen, dass mir kleine Kinder, die sich dann entwickeln, große Freude bereiten würden.

Familie als Wert ist dann besonders wichtig für Sie.

Ja natürlich, Sie sehen ja, wie lange ich verheiratet bin. Wir hatten vor kurzem unseren 37. Hochzeitstag und sind schon 42 Jahre zusammen. Familie ist für mich und meine Frau der Halt an sich. Wenn man einen Beruf hat, der einen immer wieder hinaustreibt in ein unruhiges Leben, dann ist es schön, wenn man irgendwo eine feste Basis hat. Beides zusammen ist ein Geschenk.

Waren Sie immer mal lange getrennt während irgendwelcher Dreharbeiten?

Nein, meine Frau ist oft dazugekommen und meine Kinder auch.

(ili/spot)