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Lifestyle

Grillweltmeister Adi Matzek: "Schnecken möchte ich nicht am Grill haben"

Haubenkoch Adi Bittermann und Doppel-Grillweltmeister Adi Matzek sind Experten an der Grillzange. In ihrem gemeinsamen Buch "Grillen mit Adi & Adi: Grillmenüs. Steakkultur.

Große Stücke. Vegetarisches. Barbecue. Smoker" (Pichler Verlag, 19,99 Euro) erklären sie die Kniffe und Tricks, die für das Gelingen jeder Familien-Party unabdingbar sind.

Herr Matzek, Sie sind Doppel-Grillweltmeister und haben das Grillen zu Ihrem Beruf gemacht. Wie oft wird bei Ihnen zu Hause die Holzkohle befeuert?

Matzek: Auch zu Hause ist der Griller ein ständiger Begleiter. Da in meinem Beruf relativ wenig Freizeit bleibt, sind es die Sonntage, an denen nicht selten ein Brunch vom Grill zelebriert wird.

Herr Bittermann, seit wann sind Sie Fan des Grills?

Bittermann: Eigentlich schon immer. Gegrillt wird bei mir zu Hause immer wieder Mal.

Grillen gilt eigentlich als fettarme Speisezubereitung, da müssten Frauen begeistert sein. Trotzdem ist es meist Männersache. Wie motivieren Sie Ihre Frauen?

Matzek: Grillen ist längst ein Thema für alle ernährungsbewussten Menschen geworden. Dass sich noch immer eher der Mann am Rost befindet, ist eigentlich den Frauen zu verdanken, die ihm den Spaß gönnen und oft froh sind, diese Arbeit nicht auch noch zu haben. Ich kenne aber viele Damen, die mit Begeisterung dabei sind, auch meine Frau steht ihren Mann gekonnt am Grill, und trotzdem lässt Sie mir den Vorrang und freut sich darauf, verwöhnt zu werden.

Was würden Sie auf keinen Fall auf den Rost legen und was grillen Sie am liebsten?

Matzek: Schnecken möchte ich persönlich eher nicht auf dem Rost haben. Generell gilt meine Liebe dem Rindfleisch. Dabei ist mir eine herzhafte Beiried, in Deutschland besser bekannt als Roastbeef, welches mindestens drei Zentimeter dick geschnitten ist, am liebsten.

Bittermann: Ich würde niemals geselchtes Fleisch grillen. Hinteres Ausgelöstes im Ganzen ist am Besten.

Unterscheiden sich Österreicher und Deutsche in der Grillkultur?

Matzek: Nein, eigentlich haben wir da kaum Unterschiede. Durch meine Erfahrung mit meinen deutschen Freunden kann ich sagen, dass wir grundsätzlich beim Thema Grillen - anders als beim Fußball - einer Meinung sind.

Bittermann: Nicht so stark. Die Deutschen grillen ähnlich, haben Zugang zu hochwertigem Fleisch und ein hohes Qualitätsdenken. Österreich ist da noch ein bisschen verschlafener. Da gibt es eher Würstel, Kotelett und sie trauen sich nicht so an die Edelteile heran.

Europa wurde kürzlich vom Pferdefleisch-Skandal erschüttert. Sind Ihrer Meinung nach die Verbraucher schuld, weil sie nicht bereit sind, höhere Preise zu zahlen?

Matzek: Nein, dies ist eigentlich kein Pferdefleisch-Skandal, sondern schlichtweg ein Etikettenschwindel und somit ein Betrugsdelikt. Der Verbraucher ist gerade dabei, sich mit seiner Ernährung besser und kritischer auseinanderzusetzen und wird so sicher sensibler gemacht werden. Das kommt im Endeffekt sicher den Qualitätsproduzenten, die eine glaubwürdige Struktur in der Vermarktung und Verarbeitungskultur haben, also dem Gewerbe und der qualitätsbewussten Landwirtschaft zugute.

Woran erkennt man gutes Fleisch und was eignet sich am besten zum Grillen?

Matzek: Generell ist es für den Laien ohne Vorbildung nicht so einfach, eine gute Qualität bei Fleisch zu erkennen. Das Interesse des Konsumenten ist aber auf alle Fälle steigend, das sehe ich auch meinem neuen Fleischseminar-Angebot, welches tollen Zuspruch hat. Generell muss man Fleisch in den Kategorien Schwein, Rind, Kalb, Wild beurteilen. Beim Schwein sollte eine schöne helle Farbe und der frische, arttypische Geruch erkennbar sein. Bei Rindfleisch können Koch- und Siedefleischprodukte gerne frisch zubereitet werden, bei Kurzbratenstücken sollten diese jedoch abgehangen, gereift gekauft werden. Generell wichtig sind die Auflage von Fett und die Fettmarmorierung im Schnittbild.

Bittermann: Das ist schwierig zu erkennen - das setzt gutes Fachwissen voraus über Reifung, Herkunft, Fütterung. Am besten wenden Sie sich an den Fleischer Ihres Vertrauens.

Grillen ist auch immer wieder mit Unfällen verbunden - ist Ihnen auch schon mal was passiert?

Matzek: Unfälle sind die Ausnahme, allerdings wird sehr gerne darüber berichtet. Die häufigsten Geschehnisse sind kleinere Brandwunden, die durch Unachtsamkeit entstehen. Natürlich ist das Brandmal in Form eines ovalen Eis vielen Barbecuern in schmerzhafter Erinnerung. Ich habe dieses Brandmal auch oft gehabt.

Bittermann: Nein, mir ist noch nichts passiert. Wichtig ist, dass man die Grundregeln einhält - siehe Grillbuch - wenn man unvorsichtig ist oder zum Beispiel zu viel Alkohol im Spiel ist, kann auch das Grillen gefährlich werden.

(hub/spot)