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Glas: "Uns würde Zwieback helfen!"

Es klingt wie ein schlechter Scherz, aber es ist die traurige Realität. An Deutschlands Grundschulen gibt es Kinder, die Hunger leiden. Und zwar nicht nur ein bisschen, sondern richtig.

Und das schlägt sich natürlich auch auf ihre schulischen Leistungen und somit auf ihre Zukunftsprognosen nieder. Als TV-Star Uschi Glas 2008 in München zum ersten Mal davon hörte, war sie so schockiert, dass sie beschloss zu helfen.

Zusammen mit Ehemann Dieter Hermann und Dr. Harald Mosler (Josef und Luise Kraft Stiftung) gründete sie den gemeinnützigen Verein "brotZeit eV", der mittlerweile in Berlin und München jeweils 21 Grundschulen versorgt. Mit der Nachrichtenagentur spot on news sprach sie über ihr Herzensprojekt sowie über ihre eigene Kindheit.

Frau Glas, hungernde Kinder ausgerechnet in der Schickeria-Hochburg München, das klingt zunächst wie ein schlechter Scherz.

Stimmt, ich war auch sprachlos, als ich zum ersten Mal durch eine Radiosendung davon hörte. Aber das Thema hat mich so nachhaltig beschäftigt, dass ich zusammen mit meinem Mann und Freunden beschloss, dem auf den Grund zu gehen. Wir haben Fragebögen an 140 Münchner Grundschulen versandt, und obgleich nicht alle geantwortet haben, wurden unsere Fragen bestätigt. Bei den ersten Gesprächen mit den Schulleiterinnen bekam ich auf die Frage, wie man denn helfen könne als Antwort: "Uns würde schon Zwieback helfen!". Nach einer Testphase an vier Grundschulen mit 52 "brotZeit"-Boxen, ausgestattet mit Zwieback, Knäckebrot, Butterkeksen und Müsliriegeln, haben wir schnell gemerkt, dass es damit nicht getan ist. Dank der unbürokratischen Hilfe eines großen Discounters bieten wir mittlerweile nicht nur in München, sondern auch in Berlin an jeweils 21 Schulen ein ausgewogenes Frühstück an - Müsli, Milch, Kakao, Vollkornbrot, Honig, Butter, Wurst, Käse usw. Und wir planen ähnliche Projekte in Heilbronn, Leipzig und Hamburg.

Wieso der bayerische Vereinsname "brotZeit"?

Der Name steht nicht für die gemütliche bayerische Brotzeit, sondern wir haben das Wort zerpflückt, in BROT und ZEIT, wir wollen den Kindern nicht nur BROT geben, sondern auch ZEIT. Da hat sich eine wunderbare Synergie mit der Josef-und-Luise-Kraft-Stiftung ergeben, die sich um Senioren kümmert. Wir engagieren ambitionierte, aktive Senioren, die an die Schulen gehen, das Frühstück vorbereiten und anschließend spülen. Andere geben Nachhilfe, machen Hausaufgabenbetreuung, oder spielen Schach etc. Das Tolle ist auch, dass wir aktiven älteren Menschen, die sich im Ruhestand oft nicht gebraucht fühlen, eine wertvolle Aufgabe geben und ihnen damit klarmachen, dass sie dringend gebraucht werden. Diese Kombination macht unseren Verein so besonders, da es nicht nur ums Hungerstillen geht, sondern auch um die Bildung der Kinder und die Einbindung von Senioren.

Wieso dieses starke Engagement?

Da ich auf der sonnigen Seite des Lebens stehen darf, fühle ich mich verpflichtet etwas zu tun. Natürlich befürworte ich auch jegliches Engagement für die Kinder in der dritten Welt, aber viele unserer Kinder sind genauso auf Hilfe angewiesen. Ein Kind mit knurrendem Magen, das vielleicht am Vortag zum letzten Mal mittags etwas gegessen hat, ist doch gar nicht aufnahmefähig. Wie soll so ein Kind seinen Weg machen? Wo bleibt da die Chancengleichheit?

Wie war die Versorgung in Ihrer eigenen Kindheit?

Ich komme aus eher ärmlichen Verhältnissen. Wir hatten nicht viel Zuhause, die Zeiten waren insgesamt schwierig, kurz nach dem Krieg. Aber meine Mutter hat aus dem wenigen, das wir hatten, immer etwas gezaubert. Wir haben unsere Sonntagsausflüge in den Wald gemacht und Beeren und Pilze gesammelt. Im kleinen Garten wurde Obst und Gemüse angebaut und eingekocht, wir haben unser Brot selber gebacken. Ich habe als Kind Entbehrungen erlebt und meine Kleidung habe ich von meinen älteren Geschwistern geerbt, aber meine Mutter hat immer darauf geachtet, dass wir trotz allem gut versorgt waren. Für mich war sie eine wundervolle Zauberin, die den Mut nie verloren hat und immer etwas für andere übrig hatte, die noch weniger hatten als wir.

Wie haben Sie selbst als Mutter den Spagat zwischen Kindererziehung und Karriere hinbekommen?

Als meine Kinder klein waren, habe ich weniger gearbeitet und hatte das Privileg, mich um meine Kinder kümmern zu können. Außerdem war meine Mutter immer zur Stelle, und dann gibt's auch noch unsere Marianne, die seit über 30 Jahren an meiner Seite steht und für meine Kinder eine ganz wichtige Bezugsperson war und ist.

Wie wichtig war das Thema Ernährung?

Ich habe stets auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung geachtet. Außerdem muss essen Spaß machen und ein Gemeinschaftserlebnis sein. Meine Kinder und ich haben viel miteinander gekocht.

Wie streng waren Sie als Mutter?

Es gab natürlich Regeln, aber ich wollte auch immer, dass meine Kinder verstehen, was und warum man etwas von ihnen verlangte, warum etwas so zu machen ist und nicht anders. Da gab es natürlich eine Menge Diskussionen. Wichtig waren mir Grundwerte wie Aufrichtigkeit, Respekt und Toleranz! Getreu meinem Motto: Was du nicht willst, das man dir tut, das füge keinem anderen zu!

Da das Projekt deutschlandweit Schule machen soll und trotz der Unterstützung von Sponsoren wie Lidl, Mercedes oder der Josef-und-Luise-Kraft-Stiftung nicht komplett zu finanzieren ist, ist "brotZeit eV" auf Spenden und Patenschaften angewiesen: DONNER & REUSCHEL KTO 227 770 000 BLZ 200 303 00. Infos unter www.brotzeitfuerkinder.com

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