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© Dieter Wehrle

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Gaby Hauptmann: "Sexfantasien sind auch für Frauen wichtig"

Für Männer wird es gefährlich, wenn ihre Frauen zum neuen Buch von Bestseller-Autorin Gaby Hauptmann greifen: "Ich liebe dich, aber nicht heute" (Piper, 9,99 Euro) handelt von weiblicher Abenteuerlust und der Sehnsucht danach, wieder Schmetterlinge im Bauch zu haben.

Liane verordnet sich und ihrem Lebensgefährten Marius eine Beziehungspause, um das Prickeln wiederzufinden. Marius fliegt nach Ibiza und lässt es krachen. Auch Liane macht einige interessante Bekanntschaften - und gerät dabei sogar in Lebensgefahr...

Liebe, Sex und Spannung - "Ich liebe dich, aber nicht heute" ist die passende Lektüre zum Frühlingsstart. Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news erklärt Autorin Gaby Hauptmann (55), wo sie die Stoffe für ihre Bücher hernimmt, was sie von Beziehungspausen hält und wieso auch Frauen Sexfantasien brauchen.

Gerade ist Ihr neues Buch "Ich liebe dich, aber nicht heute" erschienen. Sie schreiben ziemlich viel, bringen fast jedes Jahr ein neues Buch heraus...

Ja, das sind immer wieder Themen, die sich mir so aufdrängen. Kollegen sagen oft zu mir: "Du brauchst dich nur irgendwo hinzustellen und schon passiert irgendetwas um dich herum."

Hat Ihr aktuelles Buch auch einen realen Aufhänger?

Viele Frauen und Männer um mich herum haben mir genau diese Thematik geschildert: Wie findet man dieses Prickeln und die Schmetterlinge im Bauch wieder? Viele haben Sehnsucht danach, wieder einmal wegzukommen von dem Alltag. Die Menschen suchen unabhängig vom Alter Geborgenheit und dieses Gefühl von Beschwingtsein. Man sieht es jemandem ja an, ob er verliebt ist, man strahlt dann von innen.

Haben Sie die Erfahrung gemacht, dass so eine Beziehungspause, wie sie Liane und Marius in Ihrem Buch einlegen, auch im wahren Leben helfen kann?

An mir selber nicht. Aber ich kann mir vorstellen, dass es funktioniert, wenn man sich darauf einlässt. Viele gehen einfach fremd, das ist feige. Man benutzt den Partner als seine Basis und holt sich das Kribbeln woanders.

Liane erlebt während der Beziehungspause ein paar prickelnde Abenteuer. Haben Sie keine Angst, dass Sie die Seitensprung-Rate der Leserinnen nach oben treiben?

Paare sollten ehrlich zueinander sein und sich eingestehen, dass beide was suchen. Es kann ja auch sein, dass man dann merkt: Woanders ist es auch nicht toller. Oder man kommt zurück und ist beschwingt. Wenn jemand nicht von Haus aus extrem eifersüchtig ist, hat man sich danach auch was zu erzählen.

Liane ist selbstbewusst und erfolgreich, ihr Freund bandelt ausgerechnet mit Cindy an, der es bei Männern nur auf Geld ankommt. Haben die zwei Frauen reale Vorbilder?

Nein, die reale Frau sind immer wir irgendwo und die andere, die kennen wir alle. All die Frauen, die selbst nichts auf die Beine stellen, sondern ihre Jugend und Schönheit als Gegengabe einsetzen. Mir hat neulich sogar ein Mann bestätigt - ein Arzt, der mich behandelt hat - dass die Figur im Buch ganz realistisch ist. Er könne das verstehen, dass Cindy sagt: Ich möchte abgesichert werden. Wenn die Frau nicht verheiratet ist und der Mann sucht sich in zehn Jahren eine andere, geht sie leer aus. Sie denkt sich also: Wenn du mich haben willst, musst du auch zahlen. Das ist eine Art von Prostitution.

Wie schon in "Liebesnöter" gibt es auch in Ihrem neuen Buch eine Krimiebene. Können Sie sich vorstellen, ein Buch zu schreiben, das mehr Thriller als Liebesgeschichte ist?

Bei mir sterben sie eigentlich immer, aber das ist nicht der Aufhänger. "Liebesnöter" war ja ein reiner Krimi, aber es läuft dann nicht unter diesem Genre.

In Ihrem Buch gibt es heftige Sexszenen. Auch der SM-Bestseller "50 Shades of Grey" ist bei Frauen sehr beliebt. Glauben Sie, Frauen lesen und schauen Sexszenen genauso gerne wie Männer?

Ich habe das Buch selbst nicht gelesen, finde aber die Geschichte dahinter interessant. Das ist eine Schriftstellerin, die eigentlich eine ganz normale Hausfrau ist. Wenn man die Fantasien aus dem Buch auf sie überträgt, sieht man, was hinter diesen normalen Frauen schlummert. Ich denke, Sexfantasien sind auch für Frauen wichtig, weil das über den normalen Partnerschafts-Alltag hinausgeht. Wenn man so einen in die Jahre gekommenen, teigigen Mann neben sich hat, träumt man sich schon mal den Adonis zusammen.

Ihre Tochter ist 21 - interessiert Sie sich auch für das Bücher schreiben?

Nein, sie geht Richtung Zahlen. Mein Vater und Großvater waren Künstler, meine Schwester und meine Nichte sind Grafikerinnen, alle haben was mit Kunst zu tun, nur meine Tochter schlägt in den Wirtschaftszweig.

Einige Ihrer Bücher wurden auch schon verfilmt. Haben Sie eine Traumbesetzung für Ihr neues Werk?

Ein paar Gespräche mit Filmproduzenten stehen an. Als Schauspielerin würde mir Natalia Wörner sehr gut gefallen. Aber ich habe mir noch keine Gedanken darüber gemacht. Bei "Hengstparade" war das anders. Da habe ich mir gleich gedacht: Die Hauptfigur ist Christiane Hörbiger. Aber das hatte ich beim Schreiben von "Ich liebe dich, aber nicht heute" nicht.

Haben Sie unter Ihren Büchern selbst eine Lieblingsgeschichte?

Das ändert sich. Lange Zeit war es "Nur ein toter Mann ist ein guter Mann". Dann war es der "Liebesnöter", weil das so eine psychologische Geschichte ist: Wenn ein Zwilling stirbt, inwieweit übernimmt die lebende Schwester den Part der toten? Und jetzt frage ich mich natürlich, wie meine Leser Liane und ihre ungewöhnliche Geschichte finden.

(hub/spot)