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Gabriel: "Meine Mutter hat mir das Leben gerettet"

Ungewohnte Einblicke des SPD-Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel. Der Politiker sprach mit der Wochenzeitung "Die Zeit" über die nationalsozialistische Vergangenheit seines Vaters Walter Gabriel und gibt Einblicke in seine Kindheit.

Berlin. Aus jener Zeit sei "ein fast unbändiger Zorn" übrig geblieben.

Gabriels Vater war kurz vor seinem Tod im Juni 2012 an die Öffentlichkeit gegangen und hatte behauptet, er sei von seinem Sohn im Stich gelassen worden. Damals schwieg der heute 53-Jährige zu dem Vorwurf des Vaters, der sein Leben lang ein NS-Ideologe war.

In der "Zeit" beschreibt Gabriel, dass er sich als kleiner Gefangener in einer herrischen, spießigen Welt des Vaters gefühlt habe. Als er einmal mit schlechten Schulnoten nach Hause kommt, verschenkt der Vater zur Strafe sein gesamtes Spielzeug an einen Kindergarten.

Sigmar Gabriel erfuhr im Alter von 18 Jahren, dass sein Vater ein Nazi war. Damals brach er den Kontakt zu Walter Gabriel ab, nahm ihn erst 2005 wieder auf, um mit ihm die Vergangenheit aufzuarbeiten. Der Versuch scheiterte, da Vater Gabriel an seinen Ideologien festhielt. Trotzdem sagt Sigmar Gabriel der Zeitung: "Ich habe keinen Groll mehr gegen meinen Vater, ich bin nicht zornig, ich bin nicht wütend, und ich fühle mich nicht einmal mehr verletzt." Etwas wie Schuld empfinde er jedoch gegenüber seiner Mutter, von der sich der Vater trennte, als Gabriel drei Jahre alt war. Erst im Alter von zehn Jahren durfte der Sohn zu seiner Mutter ziehen. "Sie hat mir das Leben gerettet", sagt Gabriel heute.

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