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Musik

Frankreichs Rock-Ikone Johnny Hallyday gestorben

Frankreichs größter Musikstar aus den Anfangszeiten des Rock'n'Roll bis heute, Johnny Hallyday, ist im Alter von 74 Jahren gestorben. Staatspräsident Emmanuel Macron würdigte Hallyday am Mittwoch als den Rocker, „der einen Teil Amerikas in unser nationales Pantheon gebracht hat“ und mit „Aufrichtigkeit und Authentizität die Flamme am Leben erhielt, die er im Herz der Öffentlichkeit entzündet hatte“. Details über Ort und Umstände des Todes teilte Macrons Büro nicht mit. Der Präsident habe mit der Familie gesprochen, hieß es.

Paris. Von Anfang an wurde Hallyday als der „französische Elvis“ gefeiert und geliebt. Aber sein musikalisches Königreich blieb weitgehend auf die französischsprachige Welt begrenzt. Doch wenn die Superstars der Rockmusik nach Frankreich kamen - in den 1960er Jahren trat er mit Jimi Hendrix auf - trafen die meisten von ihnen sich mit Hallyday. Der gab sein erstes Konzert 1960. Er nahm auch einige Lieder in Englisch auf wie „Hot Legs“ und „House of the Rising Sun“, dessen Melodie er auch für einen seiner berühmtesten Songs, „Le Penetencier“ von 1964, verwendete. Im Lauf seiner Karriere verkaufte er mehr als 100 Millionen Platten. 2016 veröffentlichte er sein letztes Album: „Rester Vivant“ (Am Leben bleiben, in Anspielung auf „Staying Alive“) - und tourte noch mit den Altstars Eddy Mitchell und Jacques Dutronc.

Die Todesursache wurde zunächst nicht bekannt. Hallyday hatte in den letzten Jahren Lungenkrebs und andere gesundheitliche Probleme, die in Frankreich Schlagzeilen machten. Der frühere Präsident Nicolas Sarkozy rief 2009 besorgt während eines EU-Gipfels Hallydays Familie an, als der Rockstar in Los Angeles in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Selbst während einer Pressekonferenz ließ er sich Neuigkeiten über seinen Gesundheitszustand mitteilen. „Für jeden von uns bedeutet er etwas Besonderes“, sagte Sarkozy damals. „Erinnerungen, glückliche Momente, Lieder und Musik.“

Viele Fans kamen am Mittwoch zum Haus Hallydays in Marnes-la-Coquette bei Versailles, um ihr Idol zu würdigen. Die Polizei war schon vor ihnen da und hatte Absperrungen aufgebaut.

Hallyday wurde als Jean-Philippe Smet am 15. Juni 1943 in Paris geboren. Als Jugendlicher folgte er den Schwestern seines Vaters nach London, wo ihm der US-Musiker Lee Ketchman seine erste E-Gitarre schenkte. Zunächst trat er nur als Johnny auf, 1962 lernte er die Sängerin Silvie Vartan kennen, die seine Frau wurde und ihm auch nach dem Scheitern der Ehe bis zuletzt in Freundschaft verbunden blieb.

Hallyday verkörperte die Antithese zum französischen Heldentum - mit seinem Rockstar-Look, seiner tiefen, rauen Stimme und nicht zuletzt seinem so gar nicht französisch klingenden Künstlernamen. Trotzdem war er eine Institution im Land, bekam sogar eine Briefmarke zu seinen Ehren.

Neben Macron war Céline Dion unter den ersten Prominenten, die ihr Beileid bekundete. Bei Twitter schrieb sie, Hallyday sei ein Riese im Showbusiness und eine wahrhafte Ikone gewesen.

Von seiner sanften Seite zeigte sich Hallyday vor allem bei Gesprächen über seine Kinder, etwa die aus Vietnam adoptierten Töchter Jade und Joy. „Ich bin kein Star. Ich bin nur ein einfacher Mann“, sagte er vor elf Jahren in einem Interview des Fernsehsenders France 3. Er hinterlässt zwei weitere Kinder: den gemeinsamen Sohn mit Vartan, Dave, und Laura Smet, deren Mutter die Schauspielerin Nathalie Baye ist.

Hallyday war auch als Schauspieler gefragt, spielte 1984 in Jean-Luc Godards „Detective“ und 2009 in Johnnie Tos „Rache“.

ap