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© Sat.1/ Benedikt Müller

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Frank Buschmann: " Ich lasse mich von keinem Sender verbiegen"

Frank Buschmann (48) ist nicht nur einer der beliebtesten deutschen Sportmoderatoren beim Basketball und Fußball, seit 2007 sitzt er auch auf dem Kommentatorenplatz bei "Schlag den Raab".

"Buschi", wie er von seinen Fans genannt wird, ist seit einigen Monaten zudem eine echte Social-Media-Ikone. Auf Facebook begeistert er seine "Freunde" mit kompetenten Analysen, knackigen Sprüchen und witzigen Clips. Mit der Nachrichtenagentur spot on news sprach Buschmann über YouTube-Videos vom Busbahnhof, Stefan Raab und warum er wohl nie bei den öffentlich-rechtlichen Sendern landen wird.

Nach 20 Jahren haben Sie diese Woche Ihr letztes Zweitligaspiel für Sport1 kommentiert. Sind Sie nun frei für die Champions League?

Buschmann: EM, WM, Champions League - das sind Ereignisse, die mir in meiner Vita noch fehlen und die ich noch auf dem Schirm habe. Andererseits muss ich auch aufpassen: Hätte ich das 3:2 von Dortmund gegen Malaga kommentiert, wäre ich wahrscheinlich an einem Herzinfarkt gestorben.

BVB-Trainer Jürgen Klopp hat einmal gesagt, dass er erschrocken ist, wenn er sich selbst nach einem Spiel im Fernsehen sieht. Denken Sie manchmal, wenn Sie sich selbst hören: "Oh ha, da bin ich über das Ziel hinausgeschossen"?

Buschmann: Für mich gehört es zum Job dazu, dass ich mir meine Übertragungen nochmal anschaue und durchgehe. Natürlich schlage ich mal über die Stränge und mache auch mal schlechtere Übertragungen. Das lasse ich dann auch gerne mal von Freunden beurteilen.

Welchen Kommentator hören Sie gerne?

Buschmann: Wolff-Christoph Fuss und - das wird jetzt vielleicht einige überraschen - ich beneide Marcel Reif.

Warum das denn?

Buschmann: Für seine Ausdrucksweise, für die Form seiner Sprache. Ich weiß, dass ihn viele Zuschauer kritisch sehen, aber er verfügt über ein tolles Sprachgefühl. Das muss auch mal gesagt werden.

Kommentatoren-Bashing ist ja ohnehin schwer in Mode.

Buschmann: Der große Ernst Huberty hat uns in den Kommentatoren-Schulungen immer gesagt: Wenn nur 50 Prozent der Zuschauer mit einem zufrieden sind, ist man schon ganz weit vorne.

Dafür könnten Sie Ernst Huberty heutzutage erklären, wie man als Sportjournalist zur Social-Media-Ikone wird.

Buschmann: Das würde ihn vermutlich nicht interessieren, aber ich kann es Ihnen gerne sagen. Das ist nämlich einigermaßen kurios.

Dann legen Sie mal los.

Buschmann: Anfang 2012 haben mich bei einer Sportveranstaltung zwei junge Basketball-Fans angesprochen, die meinten, sie hätten auf Facebook eine Fanseite für mich eingerichtet und ob es in Ordnung wäre, wenn sie die betreiben. Ich habe dann "Jaja, macht mal" gesagt und ein paar Tage später drauf geschaut und festgestellt: Es gibt tatsächlich einige Menschen, die auf die Beiträge über mich reagieren. Irgendwann habe ich dann angefangen, die Administration selbst zu übernehmen. Richtig los ging es dann bei den Olympischen Spielen 2012. Da habe ich angefangen, regelmäßig selber Beiträge zu verschiedenen Themen zu posten. Und ab da ging das Teil durch die Decke. Und jetzt bekomme ich auf einmal Angebote von Firmen, die fragen, ob ich ihnen eine Facebook-Strategie entwerfen könnte und auf meiner Seite Werbung für sie mache.

Kein Wunder, obwohl Sie nie PR für die Seite gemacht haben, haben Sie in weniger als einem Jahr knapp 50.000 "Freunde" hinzubekommen und haben jetzt 82.000 Abonnenten. Wird's nicht langsam anstrengend? Sie posten ja sogar Videos aus Ihrem Skiurlaub.

Buschmann: Mittlerweile nimmt das ganze zwei bis drei Stunden pro Tag in Anspruch. Ich weiß, dass da ab und zu mal Dinge dabei sind, bei denen der ein oder andere seriöse Kollege sagen würde: 'Jetzt hat er nicht mehr alle Tassen im Schrank. Jetzt postet er ein Video, wie er vor einem Spiel am Busbahnhof steht.' Ich habe da einfach Spaß dran und ich glaube, den Leuten gefällt es, wenn sie sehen, dass ein Fernsehfuzzi mit dem Bus fährt und nicht mit der Limousine zum Spiel chauffiert wird. Aber ich werde nie mein Privatleben im Internet ausbreiten und nicht live aus dem Schlafzimmer berichten. Alles muss zumindest ansatzweise mit meinem Beruf zu tun haben. Und wenn ich die Reaktion bekomme, dass es keinen mehr interessiert, dann fahre ich das auch wieder runter.

Die Diskussionskultur im Internet ist nicht die beste. Wie gehen Sie mit Beleidigungen um?

Buschmann: Wenn es zu schlimm wird, werden die Leute blockiert. Das sind etwa zehn bis zwanzig Personen pro Woche. Aber damit sind wirklich nur Beschimpfungen gemeint. Jeder darf mich auf meiner Seite kritisieren und schreiben, dass ich ihm zuviel rumschreie oder sachlicher bleiben soll.

Gutes Stichwort: Sind sie zu laut für die öffentlich-rechtlichen Sender?

Buschmann: Ich kann auch ruhiger und könnte mir ein Engagement bei ARD und ZDF schon vorstellen, aber die würden mich vermutlich nicht mal mit der Kneifzange anfassen, weil meine Art zu kommentieren, zu sehr polarisiert. Und ich lasse mich von keinem Sender verbiegen.

Dabei könnten die Sender ganz gut von Ihren Social-Media-Kenntnissen profitieren. Seit einiger Zeit haben auch ARD und ZDF Twitter und Co. entdeckt. Die Einbindung in eine Sendung wie "Das Aktuelle Sportstudio" wirkt aber bisweilen schon sehr hölzern.

Buschmann: Das haben jetzt Sie gesagt. Aber klar, wenn man sich zu so einem Schritt entscheidet, sollte man es richtig machen. Alibimäßig zwei Posts und drei Tweets vorlesen, nach dem Motto: 'Wir sind jetzt auch so wahnsinnig hip und machen da jetzt im Internet mit' ist für mich nicht der Weg. Diese Form der Zuschauereinbindung passt in ein Talkformat, aber nicht in "Das Aktuelle Sportstudio".

Wie ist eigentlich Stefan Raab so als Chef?

Buschmann: Es ist nicht so, dass wir uns nach jeder Sendung in den Armen liegen. Da gibt es schon mal Meinungsverschiedenheiten, weil er auch nicht immer ganz damit einverstanden ist, wie ich mit ihm umgehe.

Sie könnten Ihre Meinungsverschiedenheit dann ja mal in einem direkten Duell gegen ihn austragen...

Buschmann: Naja, das wäre nicht so spannend. Ich würde ihn ja aus dem Studio fegen... Aber im Ernst: Ich fühle mich auf meinem Kommentatorenplatz sehr gut aufgehoben.

(mih/spot)