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Boulevard Florian David Fitz: „Ein Zipfel seines Wesens“
Menschen Boulevard Florian David Fitz: „Ein Zipfel seines Wesens“
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17:30 18.12.2017
Florian David Fitz. Quelle: dpa
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Hamburg/Berlin

Florian David Fitz (43) ist hauptsächlich durch einige erfolgreiche Kinofilme einem breiten Publikum bekannt geworden, in denen er häufig nicht nur die Hauptrolle übernahm, sondern auch das Drehbuch schrieb und Regie führte. Jetzt läuft der Film „Kästner und der kleine Dienstag“ an diesem Donnerstag (20.15 Uhr) im Ersten. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur spricht er über seine Rolle als Erich Kästner, die Helden seiner Kindheit und was er für weitere Filmpläne hat.

Herr Fitz - was ist für Sie schwieriger zu spielen: Eine fiktive Figur oder eine Person, die es gegeben hat?

Letztenendes ist Kästner in diesem Film ja auch eine fiktive Figur. Jetzt ist halt die Frage, inwieweit ich mich dieser Figur rein äußerlich nähere, und inwieweit innerlich. Ich sehe nun ja wirklich nicht aus wie Kästner, und da kam schon die Frage, ob wir an den typischen Augenbrauen etwas machen sollten. Sollte ich ein wenig sächseln? Das Gute ist: wir haben ihn eher in den späteren Jahren vor Augen, die meisten wissen nicht, wie Kästner als junger Wilder in den Zwanzigern gewesen ist. Das gibt ein bisschen Freiheit. Man kann also von der anderen Seite versuchen, einen Zipfel seines Wesens zu erhaschen.

Es gibt ja sehr viel Literatur über Erich Kästner.

Oh ja, und da erfährt man ja ganz schön viel über den Menschen dahinter. Über seine Denk- und Sichtweisen, über seinen Humor, auch seine Ironie, mit der er ja nicht mal vor sich selber halt machte. Und es ist bekannt, dass er ein ganz schöner Lebemann gewesen ist; ein grandioser Geist mit dem verschmitzten Blick auf die vielen Unzulänglichkeiten seiner Mitmenschen. Er war sicher ein Mensch mit Anstand, ein Literat, ein Moralist, aber eben auch ein Star, was er bestimmt sehr genossen hat. Man hat also doch einiges, mit dem man arbeiten kann.

Das Drehbuch muss sehr gut recherchiert gewesen sein.

Absolut, es war eine Schatzkammer, es war schon fast zu viel auf dem kleinen Raum. Manchmal muss man sich dann von Dingen verabschieden, damit die Figuren auch Platz haben zu leben. Die Autorin Dorothee Schön hat viele Jahre lang an dem Buch gearbeitet, und dabei auch die Beziehungen zwischen den Figuren im Film genau ausgelotet. Das gilt insbesondere für die Freundschaft zwischen Kästner und Ohser.

Was haben Sie denn in Ihrer Kindheit gelesen?

Schon auch Kästner, aber ich hatte da gerade meine Kassetten-Phase. Also sind mir die Geschichten zuerst als Hörspiele und dann als Verfilmungen begegnet. Vor ein paar Jahren habe ich mir dann seinen „Fabian“ geschnappt und seine Gedichte. Das war dann aber für Erwachsene.

Was machen Sie denn sonst so, abseits vom Drehen?

Ich habe das ganze erste Halbjahr mit Schreiben verbracht. Das ist ein ganz anderes Terrain, als vor der Kamera zu stehen. Das Buch heißt „100 Dinge“, den Film mache ich wieder mit Matthias Schweighöfer. Da soll ich auch Regie führen. Darin geht es um das Thema Konsum und um eine Wette, wie viel Besitz jeder Mensch braucht oder eben nicht braucht. Es wird eine Komödie werden, in der es auch um die abenteuerliche Zeit geht, in der wir gerade leben.

ZUR PERSON: Florian David Fitz (43) wurde am 20. November 1974 in München geboren. Sein erster großer Erfolg war der Kinofilm „Männerherzen“ (mit Til Schweiger und Christian Ulmen; 2009), der 2011 fortgesetzt wurde. Bei „Vincent will Meer“ (2010) und „Da geht noch was“ (2013) war er auch für das Drehbuch verantwortlich. In den Spielfilmen „Jesus liebt mich“ (2012) und „Der geilste Tag“ (2015) übernahm er Hauptrolle, Drehbuch und Regie. Florian David Fitz lebt in München.

Von Klaus Braeuer, dpa

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