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MUSIK

Film über Amy Winehouse umstritten

Nur acht Jahre stand Amy Winehouse im Zentrum des Musikgeschäfts, aber sie verkaufte mehr als 25 Millionen Tonträger. Asif Kapadia sucht in seinem großartigen Dokumentarfilm nach dem Moment, in dem die unkonventionelle Soul-Diva den Halt verlor.

Frankfurt a.M.. Asif Kapadias Dokumentarfilm "Amy" ist keine klassische Biografie. Eher eine Bestandsaufnahme dessen, was unter dem Namen Amy Winehouse in die Musikgeschichte einging. Der Regisseur erzählt vom Musikgeschäft, von den Möglichkeiten und dem Strom, der einen mitreißen kann, bis zum Untergang.

Amy Winehouse ist ein weiteres Opfer der Selbstentgrenzung innerhalb der Popkultur, gepaart mit der unermüdlichen Suche nach sich selbst in der Klammer des großen Geschäfts. Und auch sie war, wie Jim Morrison, Janis Joplin, Jimi Hendrix und viele andere, erst 27 Jahre alt, als sie starb.

Kapadias Film zeigt wenig Interesse an der Amy Winehouse vor dem Erfolg. Ihre notorischen Schulprobleme, die Verhältnisse in der jüdischen Familie im Norden Londons und das Umfeld werden nur nebenbei erwähnt. Kapadia ist begeistert von ihrer Stimme.

Ohne großes Opening beginnt sein Film mit einer wackligen Amateuraufnahme von einer Geburtstagsparty. Amy ist auch da, und als es daran geht, "Happy Birthday" zu singen, moduliert sie die Töne so eigenwillig, dass klar ist: Eine solche Stimme wird nicht unbeachtet verklingen. Die Szene ist weise gewählt. Denn hier kündigt sich nicht nur ein großes Talent an, sondern man sieht zum letzten Mal eine etwas naiv pummelige Amy, die singt, einfach weil sie singen will.

Eine Art Unschuld vermitteln diese Bilder, etwas, das danach nur noch ganz selten auftaucht. Schon wenig später ist Amy das, was wir von ihr kennen. Eine kleine, schlanke Person mit Bienenkorb-Frisur und großen Tattoos will der Welt mitteilen, wohin sie gehört: "Daddy's Girl" steht da und später "Blake's" - der Name ihres Mannes.

Daddy allerdings, das wird der Film offenbaren, ist immer dabei, wenn es um die Karriere seiner Tochter geht. Selbst wenn sie sich in ein Inselparadies zurückzieht, um die Ruhe zu finden, die ihr im Alltag des Pop-Business verwehrt bleibt. Dem Vater Mitch Winehouse verdanken wir die Bilder, die Amy dort am Strand zeigen, während ihr Mann Blake in London im Gefängnis sitzt. Und dass Amy das nicht gefallen hat, sehen wir auch.

In diesen kleinen Momenten zeigt sich die Härte eines Lebens, das quasi ausschließlich in der Öffentlichkeit stattfindet. Mitch Winehouse hat gegen den Film protestiert. Er zeige eine falsche Seite seiner Tochter und berufe sich dazu auf die falschen Leute.

Er kündigte an, selbst einen Film über Amy zu drehen, und sagte: "Es wurde debattiert, Lady Gaga als Amy zu besetzen, aber ich möchte definitiv, dass George Clooney mich spielt." Auch darin sieht man den Grund für seinen Protest: Er kommt einfach nicht gut genug weg.

Niemand kommt gut weg in "Amy", nicht einmal diese grandiose und irgendwann brüchige Stimme, um die es hier geht. Nicht ihr Mann Blake Fielder, der ihr Drogen gab und das Leben in eine große Party verwandelte, nicht ihre Manager, die sie zu Konzerten nötigten, als sie psychisch am Ende war, und auch ihre Freunde nicht, die sich zurückzogen, als Amy den Drogen zu unterliegen drohte.

Nach einer für sie äußerst erfolgreichen Grammy-Verleihung sagte sie: "Ohne Drogen macht das alles keinen Spaß." Was man aber auch sieht, neben dem ungeheuren Druck des Geschäfts, dem plötzlichen Erfolg, der viel Kraft kostet, und dem fast schon klischeehaften poptypischen Exzess, ist ein kleines Mädchen mit einer tiefen, durchdringenden Stimme auf der Suche nach Liebe.

Als alles zusammenbricht, sie sturztrunken in Belgrad auf der Bühne steht und keinen Ton herausbekommt, umarmt sie ihren Bassisten wie einen Vater. Wir hören nicht, was sie sagt, aber wir sehen einen zutiefst verzweifelten Menschen. Am 23. Juli 2011 starb Amy Winehouse in London an Herzversagen infolge einer Alkoholvergiftung.


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