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Boulevard Fernsehstar Michaela May: „Schauspielerei als Lebenselixier“
Menschen Boulevard Fernsehstar Michaela May: „Schauspielerei als Lebenselixier“
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10:22 17.03.2017
Michaela Mays Lebenselixier ist die Schauspielerin. Quelle: dpa
München - 

Sie hat fast ihr ganzes Leben lang vor der Kamera gestanden - und anders kann es sich Michaela May auch gar nicht vorstellen. Beruflich kürzer zu treten, kommt für die Schauspielerin, die am Samstag (18. März) ihren 65. Geburtstag feiert, nicht in Frage. Im Interview blickt die Münchnerin auf ihre lange Karriere zurück und verrät, wie sie es schaffte, nicht in eine Rollen-Schublade gesteckt zu werden.

Frage: Sie haben im Laufe Ihrer langen Karriere schon so viele Figuren gespielt - welche Rollen würden Sie noch richtig reizen?

Antwort: Wenn man so viele Rollen gespielt hat, hat man viele Leben gelebt. Und die Welt ist immer noch offen für neue Leben. Die Geschichten, die das Leben spielt, sind unendlich. Und je tiefgründiger solche Geschichten sind, umso interessanter.

Frage: Sie können sich also gar nicht vorstellen, beruflich einmal kürzer zu treten?

Antwort: In diesem Beruf zu arbeiten ist ein Geschenk, eine Freude. Es ist auch ein so großes Lebenselixier, das ich nicht missen möchte.

Frage: Sie haben es in Ihrer langen Karriere geschafft, nie wirklich weg zu sein. Wie erklären Sie sich das?

Antwort: Ich habe immer versucht, mich nicht in eine Schublade drängen zu lassen. So dass man nicht sagen kann: „Die macht nur Krimi“ oder „Die macht nur Pilcher“ oder „Die macht nur Serien“. Was mich besonders freut ist, dass ich nicht nur mit einer Rolle in Verbindung gebracht werde - wie mit dem „Polizeiruf“ oder mit der Susi aus den „Münchner G'schichten“ -, sondern dass die Leute einfach sagen: „Ich kenne Sie vom Fernsehen“. Das ist es, was wir erreichen wollen: Dass wir Freude bringen und dass wir geliebt werden. Das ist ein schönes Gefühl.

Frage: Werden Sie auf Ihre Rollen aus den Helmut Dietl-Serien noch am häufigsten angesprochen?

Antwort: Das Frappierende an den „Münchner G'schichten“ oder sämtlichen Dietl-Serien ist, dass diese wirklich schon 40 Jahre zurückliegenden Serien immer noch so präsent in den Köpfen der Menschen sind. Nicht nur in Bayern. Das wundert mich. Die Leute können teilweise die Dialoge auswendig. Das ist mir mit keiner Serie so langfristig, so nah und so intensiv passiert wie mit den Dietl-Geschichten.

Frage: Würden Sie die Dietl-Serien als Highlight Ihrer Karriere bezeichnen? Lassen sich überhaupt Höhepunkte herausgreifen?

Antwort: Ich mochte meinen „Polizeiruf“ mindestens genauso gerne. Mein letztes Highlight war „Das Familienfest“, wofür wir den Deutschen Fernsehpreis gekriegt haben. Das war ein grandioser, gelungener Film. Ich möchte auch gar nichts herausgreifen, weil jeder Teil der Karriere wichtig für mich in meiner Entwicklung war. Wenn etwas erfolgreich war und immer in eine Richtung ging, habe ich ja auch immer wieder versucht auszubüxen und neue Wege zu gehen. Nach der bayerischen Ära mit Dietl- und Bogner-Filmen bin ich nach Hamburg gegangen und habe Theater gespielt und dann nach Paris und habe eine französische Serie gedreht. Es gab ein paar Stationen in meinem Leben, an denen ich versucht habe, die Eingleisigkeit in eine Mehrgleisigkeit zu verwandeln. Das war, glaube ich, nicht falsch.

Frage: Es wäre vielleicht der einfachere Weg, etwas weiterzumachen, was sich bewährt hat und was erfolgreich ist.

Antwort: Es dient vielleicht der Popularität, aber nicht der eigenen Zufriedenheit als Schauspieler.

Frage: Inwieweit gehört da auch Mut dazu, eine Weiche neu stellen und mit einem erfolgreichen Projekt aufzuhören?

Antwort: Man braucht den Mut, Nein zu sagen und neue Wege zu suchen. Ich habe immer etwas beendet, ohne zu wissen, wie es weitergeht. Ich hatte das Glück und ich habe die Erfahrung gemacht, dass dann immer neue Türen aufgingen. Ich hatte keine Angst, dass es nicht weitergehen könnte. Angst ist - wie in der Liebe - ein Hemmschuh.

Frage: War es damals einfacher in diesem Beruf, als es das für junge Leute heute ist?

Antwort: Man kann das nicht vergleichen. Es gibt wesentlich mehr Sender und mehr Schauspielschulen. Man merkt es auch an den Einschaltschaltquoten, die früher bei 40 Millionen lagen. So etwas kann man heute nicht mehr erreichen. Durch die Vielfalt an Privatsendern und auch das Internet haben es die jungen Leute heute schwerer, einen bestimmten Bekanntheitsgrad zu erreichen. Die Möglichkeit einer schnellen Bekanntheit durch eine Rolle oder einen Film ist geringer. Was sich nicht verändert, ist, dass sich meistens eine besondere Begabung doch durchsetzt. Man braucht auch weiterhin den Willen, es unbedingt tun zu wollen, und eine Portion Glück. 40 Prozent einer Karriere sind Glück. Aber das war schon immer so. Die richtige Rolle im richtigen Alter von den richtigen Regisseuren angeboten zu bekommen, das ist eine Glückssache. Das ist nicht nur Können und Aura und Charisma. Das ist auch das, was das Schicksal für einen vorgesehen hat.

ZUR PERSON: Die gebürtige Münchnerin Michaela May hatte schon als Mädchen erste TV-Engagements. Nach einer Ausbildung zur Kindergärtnerin kehrte sie zum Fernsehen zurück und stand fortan auch immer wieder auf der Theaterbühne. Zu ihren großen Erfolgen zählen „München G'schichten“, „Irgendwie und Sowieso“, „Der Bergdoktor“, „Polizeiruf 110“ und „Die göttliche Sophie“.

Von Interview: Ute Wessels, dpa