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Ärger für Jared Hasselhoff und seine Band Bloodhound Gang.

Ärger für Jared Hasselhoff und seine Band Bloodhound Gang. © Harald Tittel/Archiv

Gesellschaft

Ermittlungen gegen US-Band Bloodhound Gang

Geradezu fluchtartig hat die US-Rockband Bloodhound Gang nach einem Skandal um die russische Staatsflagge das Musikfestival "Kubana-2013" am Schwarzen Meer verlassen.

Moskau. Wütende Russen warfen faule Eier und Tomaten, nachdem Bassist Jared Hasselhoff (41) zuvor in der ukrainischen Stadt Odessa bei einem Konzert erst den Namen von Kremlchef Wladimir Putin gerufen und dann die Trikolore des stolzen Riesenreichs durch seinen Schritt gezogen hatte.

Alles, was er von der Bühne ins Publikum werfe, nehme vorher den Weg durch seine Hose - so sei die Regel, erklärte Hasselhoff. Doch diese Worte verbunden mit einer Entschuldigung, er habe russische Gefühle nicht verletzen wollen, verhallten im Sturm der Entrüstung. Russische Zeitungen widmeten dem Skandal ganze Sonderseiten.

Das Video davon, wie der US-Musiker seinen Reißverschluss öffnete, die Fahne in die offene Hose stopfte und dann hinten am Allerwertesten vorbei wieder rauszog, war auf vielen russischen Seiten im Internet abrufbar. Ein Foto von Hasselhoff veröffentlichte sogar die oberste Ermittlungsbehörde in Moskau, die ein Verfahren wegen "Schändung des Staatssymbols" anordnete.

Unter Polizeischutz gelangte die Band noch am Wochenende auf den Flughafen in Anapa im Süden Russlands, um das Land zu verlassen. Doch sogar in einem für wichtige Gäste reservierten Aufenthaltsraum spürten wütende Patrioten in schwarzer Kleidung die Amerikaner auf. Auf ihren T-Shirts trugen die "harten Burschen", wie Lokalmedien sie nannten, die Aufschrift Kosaken.

Es handelt sich um eine Art Hilfspolizei, die sich auf die Zarenzeiten besinnt und Russlands Machthabern zunehmend den Rücken stärkt - mit zweifelhaften Methoden. Die Russen gingen in der Lounge nicht nur auf Hasselhoff los, wie Medien berichteten. Sie warfen eine US-Fahne auf den Boden und traten sie mit den Füßen.

Zwar empörte sich etwa die Boulevardzeitung "MK" darüber, dass die "wilden Rächer" Russlands nicht besser seien als die "Bekloppten" aus den USA. Aber die offenbar von Behörden geduldete Aktion geriet angesichts der Aufregung über die Bloodhound Gang in den Hintergrund.

Kulturminister Wladimir Medinski verbot in einem selbst für russische Verhältnisse bisher einmaligen Eingriff in ein Festival den Auftritt der "Idioten", wie er bei Twitter mitteilte. Er wies demnach Gouverneur Alexander Tkatschjow an, dass die Band ihre Koffer packen und abreisen müsse. Den US-Musikern droht nun mindestens ein Einreiseverbot. Aber auch Gefängnisstrafe sieht das russische Gesetz vor für diejenigen, die Staatssymbole entehren.

Die scharfe Reaktion erklärten Kommentatoren nicht nur mit verletztem Nationalstolz. Der Vorfall befeuere nicht zuletzt den Anti-Amerikanismus, der mehr als 20 Jahre nach Ende des Kalten Kriegs weiter verbreitet sei, hieß es.

Eine ganze Angriffsserie von US-Musikern gegen Russland machte etwa der St. Petersburger Politiker Witali Milonow aus. Es sei schlimm genug, dass Popdiven wie Madonna oder Lady Gaga einreisen dürfen. "Dass nun eine Horde Drogensüchtiger mit den dazugehörigen Gehirnen zu uns kommt, ist die Höhe", sagte er der Agentur Interfax.

Madonna und Lady Gaga hatten zuletzt ein Anti-Homosexuellen-Gesetz in Russland kritisiert, waren dem Protest Milonows aber letztlich ohne Strafe entkommen. Die Bloodhound Gang dürfte nach dem Fahnenskandal allerdings nicht so leicht davonkommen. Immerhin sprechen diesmal auch das Innenministerium und die oberste Ermittlungsbehörde prompt und offen von einem "Verbrechen".

Während die Fans die Aktion in der Ukraine mit Jubel aufnahmen, warnten Blogger im Internet vor Behördenhysterie. Es handele sich letztlich um eine typische Blödelei einer Punkgruppe, die in ihrer eigenen Welt lebe, hieß es in vielen Kommentaren.

Dass die russische Politik aber auf Punk-Aktionen bisweilen scharf reagiert, musste zuletzt auch die Moskauer Punkband Pussy Riot spüren. Die Frauen hatten in einer Kirche gegen Kremlchef Putin protestiert. Zwei Aktivistinnen sitzen deshalb noch immer eine zweijährige Straflagerhaft ab. Im März 2014 sollen sie freikommen.

dpa


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