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Udo Lindenberg in Gronau vor seinem DEnkmal.

Udo Lindenberg in Gronau vor seinem DEnkmal. © Henning Kaiser

Kunst

Ein Denkmal für den Chef-Gronauten Lindenberg

Udo Lindenbergs Geburtsstadt hat ihrem berühmtesten Sohn ein besonderes Geschenk gemacht - und er ihr: Auf einem Kreisverkehr in dem 47 000-Seelen-Städtchen Gronau im Westmünsterland reckt seit Samstag ein überlebensgroßer Udo Lindenberg sein Mikrofon in die Höhe.

Gronau. Er ist aus Bronze. Udo Lindenberg aus Fleisch und Blut ist gekommen, um das Denkmal zu Lebzeiten eigenhändig zu enthüllen.  

Unter lautem Geheul zieht er eine Plane von der drei Meter hohen Skulptur, die er "Freiheitsstatue von Gronau" nennt, und wagt ein Tänzchen auf dem Sockel. "Sie soll Glück nach Gronau bringen", ruft er und schickt Küsse und Zigarren-Rauchschwaden gen Publikum. Es ist der Abend vor seinem 69. Geburtstag.

Hier ungefähr stand er schon einmal, vor mehr als einem halben Jahrhundert. Damals allerdings, um wegzukommen. "Die beste Straße unserer Stadt, die führt aus ihr hinaus", textete er später. An der Bundesstraße 54, wo der Jugendliche seinen Anhalter-Daumen in die Luft hielt, um all das hinter sich zu lassen, haben ihm Fans jetzt ein Denkmal gesetzt.

Erst habe er sich gesträubt gegen soviel Personenkult, erzählt Lindenberg. Kein Wunder: Die meisten Stars werden schließlich erst nach ihrem Tod in Bronze gegossen - sieht man mal ab von Ausnahmen, wie etwa dem Weltfußballer Cristiano Ronaldo, dessen kraftstrotzende Nachbildung auf der Insel Madeira zu bewundern ist. Auch den Muskelprotz und Ex-Gouverneur Arnold Schwarzenegger gibt es in seiner österreichischen Geburtsstadt Thal in Bronze, genau wie den Fuß von Fußballidol Uwe Seeler in Hamburg.

Dass jetzt ein Bronze-Lindenberg dauerhaft über Gronau wacht, liegt wohl vor allem an der Verrücktheit einiger hier geborener Fans, allen voran Günter Max Morlock. "Wir hier in Gronau können so stolz sein, dass einer unserer größten Poeten bei uns geboren wurde", sagt er. Da sei eine Statue einfach Pflicht gewesen. Schon vor Jahren hatte er die Idee, überzeugte eine Handvoll Mitstreiter und schließlich zahlreiche Sponsoren.

Sie machten einfach ihr Ding. Genau das muss Lindenberg überzeugt haben. Am Samstag spricht er jedenfalls vom "guten Spirit" der Gronauten, wie er Gronaus Einwohner nennt. Das Denkmal solle daher nicht für ihn stehen, sondern für eine Haltung, die er in der Stadt spürt: Weltoffenheit, Abenteuergeist, Entdeckertum und Toleranz.

"Ich find das sehr ehrenvoll, dass die das hier für mich machen. Ich war ja immer so ein kleiner Rock 'n' Roll-Strolch." Dem Chaoten habe man damals gesagt, er solle was Ordentliches lernen. Stattdessen setzte er sich ans Schlagzeug, gleich hier um die Ecke in der Gaststätte Schützenhof.

So ist sein Besuch auch ein Nostalgietrip: Beim Bad in der Menge trifft er viele bekannte Gesichter. Seine Musiklehrerin von früher ist dabei. Der inzwischen achtzigjährigen Dame dankt er dafür, dass sie die Erste gewesen sei, die sein Talent erkannt habe. Auch eine alte Liebschaft, die früher Herzrasen ausgelöst hätte, habe er wiedergesehen, erzählt er später im Interview. "Heute triffst du dann diese sehr charmanten Omis. Entzückend", sagt er und lässt den Hut wippen.

"Auch wenn meine Füße immer mal weitergezogen sind, mein Herz wohnt hier in Gronau", ruft Lindenberg der Menge zu. Als er dann zum Abschied auf die Bühne geht und gemeinsam mit den 2500 treuen Fans den Evergreen "Horizont" anstimmt, klingen manche Zeilen für einen Moment wie eine gegenseitige Liebeserklärung: "Das mit uns ging so tief rein / das kann nie zu Ende sein", singen Lindenberg und die Gronauten gemeinsam.

dpa


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