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Eckhart von Hirschhausen im NP-Interview

Er ist promovierter Mediziner, Zauberkünstler und Kabarettist. Eckhart von Hirschhausen ist am Freutag Gast in der Talkshow von Tietjen und Bommes. Der NP gab er vorab ein exklusives Interview. Lesen Sie das gesamte Interview auch heute in der Printausgabe der NP.

Hannover. Hirschhausen tritt außerdem am 29. und 30. November jeweils um 20 Uhr im Theater am Aegi auf. Karten gibts im NP-Ticketshop...

Welche Erinnerungen haben Sie noch an Ihr erstes Engagement 2002 in Hannover? Damals waren Sie ja vier Wochen lang GOP-Moderator.

An Hannover habe ich nur allerbeste Erinnerungen! Während meines GOP-Engagements habe ich mich hier sehr wohl gefühlt und bin immer mit dem Fahrrad zur Show und abends wieder in die Künstlerwohnung in die List gefahren, bin im Park gejoggt und abends sind wir noch tanzen gegangen. Hier lässt es sich gut leben. Mit dem GOP bin ich bis heute freundschaftlich verbunden. Inzwischen laufen zu Gunsten meiner Stiftung „Humor hilft heilen“ auf den Toiletten die Witze-CDs mit Hellmuth Karasek und Jürgen von der Lippe, und an der Garderobe werden rote Nasen verkauft.

Sie haben den NDR-Talk lange zusammen mit Bettina Tietjen moderiert. Nun sitzen Sie als Gast „auf der anderen Seite“. Was vermissen Sie an der Rolle als Moderator?

Nichts. Ich habe sehr gerne fünf Jahre lang den Talk moderiert und viel Spaß gehabt. Da ich ja noch mit Live-Programm, Bücherschreiben, der Arbeit für meine Stiftung und anderen sozialen Projekten genug zu tun habe, langweile ich mich nicht. Und was Fernsehen angeht, reichen mir die Sendungen „Quiz des Menschen“ und „Frag doch mal die Maus“ in der ARD, wo ich inhaltlich viel von meinen Themen einbringen kann. Und so viel darf ich verraten: Es wird dieses Jahr auch noch eine neue Sendung mit mir geben ...

Mit Auftritten als Zauberer haben Sie Ihr Medizinstudium finanziert. Wo sehen Sie Parallelen zwischen beiden Branchen?

Medizin und Magie gehörten immer schon zusammen! In allen Kulturen gab es die „Medizinmänner“ und Frauen, die etwas von Kräutern, aber auch viel von Ritualen, Zauber und Gruppenprozessen verstanden. Wir haben aus diesem einen Beruf viele verschiedene gemacht und beschweren uns, dass uns weder der Röntgenarzt noch der Psychotherapeut, der Heilpraktiker oder der Apotheker „ganzheitlich“ sieht – in diese verfahrene Debatte zwischen Schul- und Alternativmedizin versuche ich anschauliche Beispiele und vor allem Humor zu bringen.

Klingt nach einem echten Fachvortrag!

Nein, natürlich ist „Wunderheiler“ in erster Linie ein Unterhaltungsprogramm. Es gibt eine Wunder-Operation live auf der Bühne – einem Zuschauer wird vor aller Augen der Blinddarm entfernt, ohne Narkose, ohne Narben, aber mit größeren Flüssigkeitsverlusten. Und ich erzähle von einem Orthopäden, der bei mir eine Diagnose über einem Blutstropfen auspendeln wollte. Mein Pianist fängt bei seinen ersten Meditationsversuchen an zu schweben, und ich teste mit einer Guillotine, ob eine abgehackte Hand wieder anwachsen kann, natürlich nur mit meinem selbsthergestellten Wundermittel.

Wie viel Mut hat es Sie damals gekostet, den Sprung ins Humor-Fach zu wagen?

Für mich war das kein Sprung, kein „weg“ von etwas, sondern ein „hin“ zu etwas. Ich bin noch immer als Arzt tätig! Wenn ich an einem Abend 2000 Menschen etwas hoffentlich Substanzielles über Medizin und Psychologie näherbringe, hätte ich dafür in der Klinik über zehn Jahre gebraucht. Durch meine Stiftung „Humor hilft heilen“ habe ich sehr viel Kontakt zu Krankenhäusern. Ich bin zwar aus der täglichen Versorgung und der Routinearbeit raus, aber den Kontakt zur Medizin habe ich immer gehalten und werde viel für Kongresse und Vorträge gebucht. An der Uni Gießen habe ich sogar einen Lehrauftrag, einer neuen Generation von Medizinstudenten den Wert von verständlicher Sprache und von Humor in der Kommunikation näher zu bringen. So gesehen, habe ich nie den Beruf gewechselt, sondern nur den Spielort. Bleibt nur noch die Frage „Wann werden die Eintrittskarten zu meinem Programm von der Kasse übernommen?“.

Wie haben Ihre Eltern auf den beruflichen Wechsel reagiert? Enttäuscht?

Meine Mutter dachte immer, „das wächst sich aus“, aber inzwischen hat sie sich daran gewöhnt. (lacht).

Wie oft tragen Ihnen Menschen Ihre Gebrechen vor und wollen eine „zweite Meinung“?

Öfter, als Sie vielleicht denken! Neulich hat mich auf der Straße ein älterer Mann erkannt, krempelte seine Hose hoch und wollte eine zweite Meinung zu seinen Krampfadern! Ungelogen! Und das zeigt mir, wie aufgeschmissen die Leute sind, weil sie nicht wissen, wo sie verlässliche Informationen bekommen. Im Internet gibt es zwar unglaublich viele Medizinseiten, aber bei den meisten ist nicht klar, wer die finanziert und wer dahintersteckt. Was toll wäre: eine lobbyfreie, unabhängige und verständliche medizinische Plattform im Internet.

Welche Therapien stellen Sie in „Wunderheiler“ vor? Was haben Sie schon mal selber ausprobiert?

Auf meinen Reisen habe ich selbst schon Eindrücke und Erfahrungen in der alternativen Medizin gesammelt: Ich war in Nepal bei einem Schamanen und habe mich am Amazonas von einem Medizinmann behandeln lassen, weil ich mir beim Wandern den Knöchel verrenkt hatte. Er machte mir einen Umschlag mit allen möglichen Pflanzen, die bei ihm im Garten reichlich rankten. Der Fuß wurde wieder besser. Und wie so oft weiß man ja nie, wie es ohne die Maßnahme verlaufen wäre!

Welche medizinischen Ansätze oder Therapien halten Sie für gefährlich?

Bei allem Interesse warne ich nachdrücklich: Scharlatane gibt es überall, in der Alternativszene wie in der „Schulmedizin“. Typisch sind ihre Selbstüberschätzung und die Abwertung von allen anderen Heilmethoden.

Wie erkennt man solche Scharlatane?

Vorsicht bei Anbietern, die unrealistische Versprechungen machen, zum Beispiel Krebs, MS, Alzheimer oder Aids zu heilen, oder die eine Kooperation mit anderen Medizinern ablehnen. Da hört bei mir der Spaß auf. Das erkläre ich auch im Programm deutlich, wo die Risiken und Nebenwirkungen  von „sanften“ Methoden sein können. Seriöse Anbieter akzeptieren die Grenzen ihrer Möglichkeiten. Nachweislich unsinnig sind Irisdiagnostik, Kinesiologie, Bioresonanz oder Aprikosenkernextrakt. Auch das „geistige Heilen“ hat Risiken und Nebenwirkungen, wie psychische Abhängigkeit oder das Unterlassen einer wirksamen Behandlung.


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