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Drews: "Ich gehöre in die Klapse!"

Wer Jürgen Drews live erlebt, der kann kaum glauben, dass der bereits 68 Jahre auf dem Buckel hat. Volles Haar, guter Teint, durchtrainiert und von einer schier unermüdlichen Energie - der Schlagersänger scheint nicht zu altern.

Und er ist sich für nichts zu schade. Ob für Omis, Töchter, Enkelkinder oder Kegelclubs, der Schlagerstar posiert für Fotos, unterschreibt Autogramme und singt bis zur totalen Erschöpfung. Bis alle glücklich sind. Und am meisten er selber. Denn er ist süchtig nach Öffentlichkeit, wie er gegenüber der Nachrichtenagentur spot on news verrät: "Ich bin süchtig danach. Ich nehme keine Drogen, rauche nicht und trinke keinen Alkohol. Ich bin abhängig von Öffentlichkeit."

Schon mal an Entzug gedacht?

Drews: Nein, denn wenn man mir das nimmt, dann ist's vorbei mit mir. Finanziell könnte ich es mir zwar leisten, aber mein Ego ist total versessen nach diesem Applaus.

Klingt nach wenig Selbstwertgefühl.

Drews: Das war der Grund, warum ich mich der Musik zuwandte, anstatt mein Medizinstudium zu vollenden. Eigentlich gehöre ich in die Klapse. Und da wäre ich auch schon lange in der Anstalt, wenn ich diesen Beruf nicht hätte. Die Bühne und die Musik sind für mich wie Therapie. Und das ist keine Übertreibung.

Was fehlt Ihnen denn?

Drews: Zunächst mal bin ich ein bekennender Hypochonder und neige zur Larmoyanz. Das heißt, ich bedauere mich gern und brauche dann stets jemanden, der darauf eingeht oder zumindest so tut. Hinzu kommt, dass ich ursprünglich sehr schüchtern und introvertiert bin.

Kaum zu glauben.

Drews: Das liegt in meiner Natur und in meinen Genen. Ich war ein furchtbar komplizierter und widerspenstiger Jugendlicher, und mein Vater hat irgendwann erkannt, dass mich nur zwei Sachen interessieren: Mädels - für die aber ich viel zu schüchtern war - und Musik. Da hat er mir eine Gitarre geschenkt und mich auf die Bühne geschickt. Seitdem therapiere ich mich mit Musik.

Was macht die Musik mit Ihnen?

Drews: Sie bringt einen ursprünglich eher langweiligen Klemmi dazu aus sich heraus zu gehen, so dass er halbwegs in Balance mit seinen Defiziten lebt. Und auch wenn ich mir das früher mit meinen musikalischen Ambitionen etwas anders vorgestellt habe, als den Quatsch, den ich heute mache, so ist es dennoch genau das, was ich brauche. Ich habe gerade eine Gruppe von 300 Abiturienten nach dem Konzert getroffen, die mir gesagt haben, dass sie das total geil finden, was ich mache. Und zwar weil sie daran sehen, dass man auch noch in meinem Alter einer Philosophie anhängen kann, die man als Hedonismus bezeichnen kann.

Und das ging Ihnen runter wie Öl...

Drews: Natürlich, weil es genau das trifft, was ich mir auf die Fahne geschrieben habe: Die Lust als höchstes Gut! Ein Hedonist ist jemand, der die Freude einfangen will, was ja auch ohne geistigen Esprit vonstatten gehen kann. Sinnentleert, wie das was ich auf der Bühne mache - Hauptsache es geht um Lebensfreude.

Und dafür ist jedes Mittel recht?

Drews: Dafür setze ich mir sogar ne Krone auf den Kopf, häng mir einen Überhang um und brülle: "Ich bin der König von Mallorca!" Als Gottschalk mich seiner Zeit bei "Wetten, dass..?" dazu überredete, habe ich zwar kurz gezögert, aber wenn ich heute die erste Strophe vor 4.000 Leuten im mallorquinischen Megapark anstimme, dann weiß ich, dass es die richtige Entscheidung war.

Wo sind Ihre Grenzen?

Drews: Ich würde mich nicht nackt ausziehen. Das Vergnügen bleibt meiner Frau vorbehalten.

Offizielle Webseite von Jürgen Drews

(ali/spot)